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Hers selb er Anzeiger.
Nr. 54, Hersfeld, den 6. Juli. 1858.
Der „Hersfelder Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis dessel ben bei der "Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7 z Sgr.; beiden Postanstalten kommt der übliche Post aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
den Arzt des reformirten Waisenhauses, Dr. Friedrich Wild, zum Assessor des Obermedicinal-Collegs zu ernennen,
dem General-Major von Bardeleben, Commandeur der Kavallerie Brigade, die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen §es, von des Königs von Sachsen Majestät demselben verliehenen Comthnrkreuzes erster Klasse des Albrechts-Ordens zu ertheilen,
den Eskadrons Lbierarzt R ö h l i n g von der Garde- du-Corps zum Regiments-Thierarzt in 2. Husareu- Regiment zu ernennen,
den Eskadrons-Thierarzt Roos vom 1. (Leib) Husaren-Regiment zur Garde-du-Corps zu versetzen, und
den praktischen Thierarzt Stamm provisorisch jum Eskadrons-Thierarzt im 1. (Leib-) HusaremRe« giment zu ernennen,
dem Dr. med. Wilhelm Jacobi aus Fulda die Praxis als Arzt und Wundarzt Ir Klasse mit dem Wohnort Hofgeismar zu gestatten.
SCii -er Grenze
Novelle von Marie von Roskowska.
(Fortsetzung.)
Franja begoß am folgenden Abend die Zwiebeln in ihrem Garten, als sie ein Geräusch am Zaune vernahm und einen Mann herübersteigen sah, den sie trotz der Dunkelheit sogleich erkannte. Sie hatte nicht er» wartet, ihn so bald zu sehen und lief erfreut auf ihn zu, indem sie neckend sagte:
„Warum nicht durch die Thür, Georg? Willst Du die Leute wieder sagen lassen, ick habe einen Lieb» Haber, der über die Zäune klettert?"
Er war durchaus nicht in der Stimmung, auf ihren Scherz einzugehen und kam nur, ihr das Vor» gefallene_ zu erzählen und sie zum Schweigen über ihr Verhältniß zu bewegen. Mit ihm hatte sich so Außer- ordentliches begeben, daß er an sich und der ganzen Welt irre geworden. war und auch den Maaßstab zur
Schätzung Franja's verloren hatte. Er war nicht ganz sicher gewesen, ob sie ihn nicht bei dem Obersten wegen seiner Treulossigkeit verklagen und damit vielleicht seine glänzende Carriere zerstören würde, und sein herrschender Gedanke war, sie davon zurückzuhalten. Als er jedoch in dem Gärtchen war, worin er so oft mit ihr gekost hatte, als sie ihm fröhlich lind arglos entgegen kam, ging eine große Veränderung in ihm vor. Er schämte sich ernstlich seines Benehmens gegen sie und stand wie ein gescholtener Schulbube vor ihr.
Franja erschrak. Er sah verstört aus und kam heimlich zu ihr — hatte er vielleicht etwas im Dienste versehen, und wollte über die Grenze flüchten, wie ihr Bruder es gethan?
„Was giebt es, Georg?* rief sie -angstvoll, doch leise. „Wenn Gefahr ist, so halte Dich nicht auf, bis es zu spät ist!»
Er beruhigte sie darüber und führte sie zu der kleinen Bank in der Bohnenlaube, in welcher sie oft gesessen hatten, während er sich bemühte, ruhig und unbefangen zu erscheinen, und darüber nachianu, wie er beginnen sollte.
Franja ahnte nichts von dem Zustande seines Innern. Sie war erfreut, ihn wiederzusehen und schmiegte sich zärtlich an ihn. Sie war in diesem Augenblicke außerordentlich hübsch. Die eben ausgestandene Angst sümpfte noch in ihren Zügen mit der Freude; in ihren Augen funkelte eine Thräne und das gescheitelte, hinter den Ohren in zwei herabfallende Zöpfe geflochtene Haar erhöhte den kindlichen Ausdruck ihres runden, in diesem Augenblicke von einer frischen Nöthe Vergossenen Gesichts. \
Georg betrachtete sie unverwandt, während sie ihre Freude über seinen Besuch äußerte und unbefangen fortplauderte. Sie bedurfte wahrlich nicht der Haartour und Kleidung eines Fräuleins, und Josephine schien ihm, mit ihr verglichen, bedeutend alt und häßlich. Die frühere, halb entschlummerte Liebe erwachte wieder und zugleich überkam ihn das bittere Bewußtsein seines Verlustes.
„Nein, o nein, ich kann Dich nicht lassen!" rief er plötzlich. „Ich könnte Dich nie vergessen und nimmer glücklich sein!"
„Höre mich, Franja, höre mich an!" fuhr er fort