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Nr. 51» Hersfeld/ den 25. Juni. 1859*

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

deu Staatsrath No hde zum Vorstand des Finanz- Ministeriums zu ernennen;

den Ober-Appellationsgerichtsrath Courad Schel­lend erg in Cassel zuu: Präsidenten des Ober Ap- Peltationsgerichts daselbst und

den ObergerichtckAssessor Justus Sckultheis in Fulda zum Obergerichtsrathe bei dem dasigen Ober- gerichte

zu ernennen;

den Amtsactuar Ludwig Grafs von Abterode in gleicher Eigenschaft zum Justizamte in Rabolds- h usen sowie

den Revierförster Carl von Wrede zu Lohra in gleicher Eigenschaft zum Forstrevier Frankenhain zu versetzen.

Mn -er Grenze.

Novelle von Marie von Roskowska, (Fortsetzung.)

Berko war längere Zeit umhergestreift und zuletzt «nf dem Jahrmärkte im Stabsorte. ' Wie es gebräuch­lich gaben die armen Grenzer, welche kein Geld hatten, dem blinden Guslar eine Hand voll Mais oder Bohnen, ein Sttück Brod oder Käse, je nachdem sie mit einem dieser Gegenstände versehen waren.

Berko hatte ansehnlichen Verrath an Lebensmitteln gesammelt und damit seinen kleinen Führer mit einer Fuhrgelegenhcit nach Hause geschickt. Er selbst blieb noch, um Georg zu sprechen und von ihm Grüße und Bestellungen an Franja mitzunehmen, wie er das immer gethan, wenn er nach dein Stabsorte gekommen. Georg war diesmal sehr eilig und wortkarg, und entschuldigte sich mit dringender Arbeit. Der Ton seiner Stimme

Blinden nicht so herzlich, als sonst und er suhlte fich_ dadurw gleichzeitig gereizt und niedergeschla­gen, indeß schwieg er und trat die Heimkehr an. Er hatte den Weg schon so oft gemacht, daß er ihn ohne Gesapr allein gehen konnte, doch kam er nur langsam

vorwärts und es wurde Nacht, ehe er die drittehalb Meilen zurückgelegt hatte.

Er kam jetzt an die Brücke über den Bach und schritt vorsichtig weiter, als ein stämmiger Mann aus dem Graben am Wege sprang und ihm mit einemKnüt« tel. einen so heftigen Schlag aus den Kopf versetzte, daß er niedertaumelte und bewuß los liegen blieb. Sein Angreifer durchsuchte jene Taschen und nahm ihm daS wenige Geld, meist Kreuzer, welches er von Gesangfreun« den erhalten hatte, worauf er sich entfernte.

Die Kühle des Bodens rief Berko endlich zum Be­wußtsein zurück, doch vergebens suchte er sich aufzurich- ten. Sein Kopf schmerzte furchtbar,. ein Schwindel überfiel ihn und er sank wieder nieder.

Franja mußt? einen weiten Umweg machen, um nicht von den Soldaten am Ufer oder der Schildwache vor der Wohnung des Capitains bemerkt zu werden. Ihr konnte zwar Niemand etwas anhaben, allein sie fürchtete, man werde vermuthen, wer der Flüchtling ge­wesen, wenn man sie erkenne und durch eine strengere Bewachung einen zweiten Besuch Stojan's entweder verhindern, oder ihn dabei gar sangen.

Sie mußte fast das ganze Dorf umgehen und wollte eben die Brücke überschreiten, als sie erschrocken stehen blieb. Vor ihr lag ein Mann, dessen alten, braunen Mantel sie wohl kannte und das Instrument -neben ihm hätte ihr jeden Zweifel benommen, wenn sie einen solchen überhaupt gehabt.

Berko", rief sie erst leise, dann lauter. Er ant­wortete nicht und sie beugte sich zu ihm herab, allein entsetzt fuhr sie zurück. Sein Gesicht ivar todtenbleich, der alte Hut und das Haar blutig und er lag völlig regungslos da.

Frauja holte hastig Wasser und spritzte es ihm in das Gesicht, wobei sie bemerkte, daß sein Kopf arg zer» schlagen sei. Er war so kalt und steif, das Franja ihn im ersten Augenblicke für todt hielt, dann entdeckte sie jedoch, daß er noch athmete. Schnell eilte sie zur näch* ften Hütte, klopfte die Bewohner aus dem Schlafe und ließ den Blinden nach ihrer Wohnung tragen, welche näher war als die seiner Verwandten.

Die alte Großmutter erschrak tödtlich; sie glaubte, mau bringe ihr Stojau's Leiche. Sie athmete ein we«