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geben hätten. .Das Fräulein schien von seinem Beneh­men und seiner Redeweise auch sehr befriedigt, und nickte ihm beim Abschiede äußerst huldvoll zu

Georg nahm sich vor, bei nächster Gelegenheit Franja den ganzen Vorfall zu erzählen. Die Huld und die Kleidung der Dame hatte ihn so bezaubert, daß er wenig auf ibr Gesicht geachtet, welches allerdings nicht besonders hübsch und außerdem für eine junge Dame schon bedeutend ältlich war. Er verschrieb sich einige Mal bei seiner Arbeit und träumte die ganze Nacht davon, wie reizend Franja in solchem Aufputz ausschen würde.

Als er eines Nachmittags anf das Bureau ging, stand Fräulein Josephine, wie gewöhnlich um diese Zeit, wieder am Fenster. Er sah nicht hinauf, hätte es auch für respectswidrig gehalten, in die Fenster seines Ober­sten zu gaffen. Er wußte also nicht, daß er der Ge­genstand sehr ernster Beobachtung und Besprechung war.

„Er hat ein hübsches Gesicht, eine gute Figur und einen wahrhaft nebeln Anstand", sagte die Majorin, welche bei ihren Nichten zu Besuch war und von Jo­sephine auf den Vorübergehenden aufmerksam gemacht war. Nachdem er verschwunden, legte sie das Glas fort, durch welches sie ihm entgegen- und nachgesehen hatte und sagte kopfschüttelnd:

„Aber, liebes Kind, hast Du auch bedacht —"

„Ach, einzige Tante", unterbrach sie das Fräulein „hier ist vor Allem nur Eins zu bedenken. Vater hat kein Vermögen und — und — nun warum soll ich es nicht sagen, Du weißt es ja so gut wie ich selber —ich bin dreißig Jahr!"

„Richtig — das vergesse ich nimmer. Mein Gott, wie doch die Zeit vergeht I — Aber Du hast Recht und ich will meinem Manne sagen, daß er sich nach dem jungen Menschen erkundigt und etwas für ihn thut", erwiederte die alte Dame.

Die Folge davon war, daß Georg zum Corporal ernannt wurde. Er war außer sich vor Freude —stand doch seiner Heirath jetzt nichts mehr im Wege. Er hätte das Franja am liebsten auf der Stelle gesagt, allein er durste doch nicht sogleich an Urlaub denken. Und ehe er ihn fordern konnte, wurde er eines Tages zur Frau Majorin beschieden. Eilig strich er sich das Haar glatt und folgte dem Befehle.

Er fand ihre vier Nichten bei ihr. Die drei Jüngsten saßen am Fenster, flüsterten und lackten mit einander, und gaben anscheinend nicht Acht auf ihn, doch bemerkte er bald, daß sie ihn, wenn es nach ihrer Meinung verstohlen geschehen konnte, um so aufmerk­samer musterten. Josephine saß mit ihrer Tante auf dem Kopha und strickte eifrig Filet.

Die Majorin sagte ihm, sie habe gehört, daß er eine sehr schöne Hand schreibe, und bat ihn, einige Ge­dichte aus einem Buche abzuschreiben.

Er war dazu mit Freuden bereit und antwortete

auf ihre Reden zu ihrer Zufriedenheit. Er sah wohl, daß seine Person der Gegenstand allgemeiner Aufmerk- samkeit war, doch schüchterte ihn das nicht ein, sondern erhob vielmehr sein Selbstgefühl; er bemühte sich, in vortheilhaftem Lichte zu erscheinen, und es gelang ihm.

Die Majorin stellte ein kleines Examen mit ihm an in Betreff seiner Familie, seiner Kenntnisse und An­sichten, und fühlte sich von dem Ergebnisse desselben so befriedigt, daß sie ihn zuletzt nöthigte, sich einen Stuhl zu nehmen. Er lehnte das zwar ganz ergebenst ab, fühlte sich aber außerordentlich geschmeichelt; es schien ihm, er gehöre zu diesen vornehmen Leuten, in dies Zimmer, das mit den Wohnungen bei ihm daheim ver­glichen, wahrhaft fürstlich war. Er fragte sich selber, ob das nicht ein Traum sei und was wohl Franja dazu sagen würde — doch bald überkam ihm ein unbehag- liches Gefühl bei der Erinnerung an seine Braut. Cr betrachtete die feinen, weißen, mit Ringen geschmückten Finger des Filet strickenden Fräulein, und die Spitze des zierlichen Fußes,wekbe unter dem Kleide hervorsah, und er empfand eine Art von Scham und Aerger bei der Vorstellung der groben, gerötheten Hände und der plumpen Bundschuhe Franja's

In diesem Augenblicke fragte die alte Dame nek» kend: „Und wie steht es mit ihren Herzen, bester Cor­poral, haben Sie daheim nicht etwas Liebes — irgend eine hübsche Nachbarstochter?"

Die Fräulein am Fenster kicherten leise in sich hinein, Josephine warf ihm einen schelmischen und zu­gleich sehr holdseligen Blick zu. Es war ihm unmög­lich, sein Verhältniß zu Franja zu gestehen — was hätten die Damen wohl von ihm gedacht? Er schämte sich plötzlich des armen Mädchens, dessen Vater nur Gemeiner gewesen und lächelte verlegen.

„Es war nur mein Scherz," fuhr die Majorin mit freundlicher Rücksicht auf seine Befangenheit fort. „Wie sollte auch ein Mann wie Sie Gefallen an einem simpeln Banernmädchen finden? Sie wissen wohl, daß Ihnen die Welt offen steht, und schon mancher unserer höheren Officier wie Sie angefangen hat.

Endlich wurde Georg in Gnaden entlassen. Er war wie berauscht und die arme Franja fast ganz ver­gessen. Erinnerte er sich ihrer ein Mal, so geschah es mit bem peinlichen Bewußtsein der Schuld, und darum vermied er es so viel wie möglich, an sie zu denken.

(Fortsetzung folgt.)

Du zauberst noch?

Der Donner rollt! Es tönt die Trauerkunde, Und jede Brust durchzuckt ein wildes Weh Und blutend zeigt dir Austria die Wunde — Nicht daß die Welt — daß sie die Mutter seh'I — Hat sie gefehlt, dein Kind, sie bleibt es doch;

Und du, Germania, du zauderst noch? —