Einzelbild herunterladen
 

Hersfcli> cr Anzeiger.

9t?» 49, Hersfeld/ den 18. Juni. 1859*

g^* Bestellungen auf denHersfelder Anzeiger" für das mit dem 1. Juli'beginnende dritte Quar- tat können jet- don bei allen Postämtern gemacht werden. - Neu hinzutretende Abonnenten erhalten dit 'rn des laufenden Monats vom Tage der Bestellung an umsonst.

teilte Königliche Hoheit der Kurfürst habenden Herzog von Sachsen-Meiningen, Ho- heit, Generallieutenant und Chef des 2. Husaren-Re­giments, zum General der Cavallerie ernannt.

, Mn -er Grenze.

Novelle von Marie von Reskowska.

(Fortsetzung.)

Ein Hauptmann in seiner Compagnie ich ein kleiner Pascha, und der junge Mann konnte nichts mehr recht machen; für Alles, was er that oder ließ,' erhielt er Verweise oder kleine Strafen. Er selber war nicht ge­neigt, sich geduldig hudeln zu lassen er wurde trotzig und nachlässig, wodurch der Officier neuen Grund zu Verweisen und Strafen erhielt. Endlich ließ er sich ein Subordinationsvergehen zu Schulden kommen, wofür er zum Gassenlanfen verurtheilt wurde, doch gelang es . Franja, ihn davor zu bewahren. Sie wandte sich an die Töchter des Obersten, diese baten ihren Vater und der Oberst verwendete sich bei dem Inhaber des Regi­ments so dringend für den Schuldigen, daß er zu stren- gem Arrest begnadigt wurde. Nachdem'Stojan diesen abgebüßt, verschwand er eines Tages und Niemand er­fuhr, was aus ihm geworden.

Der Capitain war wüthend und warf einen Theil seines Zorns auf Georg, als Denjenigen, welcher dem Deserteur am nächsten gestanden.

Georg hatte jedoch nicht den Charakter seines künf­tigen Schwagers er blieb diensteifrig und unterwür­fig, und sein Vorgesetzter konnte ihm nichts Ernstliches anhabcu. Freilich war an Avancement zum Corporal nicht zu denken, so lange Gmela die Compagnie behielt.

Auf das sonst so glückliche Verhältniß des Braut­paars warf das einen tiefen Schatten. Georg liebte Frauja leidenschaftlich, allein seine Eitelkeit wurde oft verletzt und sein Ehrgeiz blieb unbefriedigt. Sie war daran unschuldig, das wußte er wohl, indeß war er nicht großmüthig und zartsinnig genug, Franja seine Verstimmung niemals fühlen zu lassen. Er sprach oft mit Bitterkeit von Stojan, und kränkte dadurch das

Mädchen, welches mit großer Zärtlichkeit an dem ein­zigen Bruder hing.

Leise ein Lied summend saß Franja bei der kleinen Oellampe und spann. .Ihr Gesicht war nicht mehr so frisch und blühend, als einst, und manche heiße Thräne hatte den Glanz ihres Auges getrübt. Das niedere Stübchen war ärmlich menblirt, und der Fußboden be­stand aus festgestampfter Erde, doch fehlten nicht einige Heiligenbilder an den Wänden. In dem breiten Bette schlief die Großmutter den unruhigen, wenig erquicken­den Schlaf des Alters und der Ermattung; sie war, seitdem Stojan verschwunden, und das war schon län­ger als Jahr und Tag, immer schwächer und hinfälliger geworden.

Franja hatte wohl Ursache, kummervoll zu sein. Die alte Frau bedurfte der Pflege und der starke Arm Stojau's fehlte, um das kleine Feld zu bebauen. Georg war schon seit einigen Monaten im Stabsorte, wohin ihn der Capitain als Schreiber geschickt, um nicht län­ger durch seinen Anblick an Stojan erinnert zu werden; sie hatte also noch nicht einmal den Trost, ihren Ge­liebten zu sprechen. Anfangs hatte er ihr bei Gelegen­heit einige Briefe geschrieben, doch jetzt schon lange nichts von sich hören lassen; sie wußte daher nicht, ob sie eine Neuigkeit, die ihr Georg's Schwester Afauasja vor Abend mitgetheilt, glauben und sich darüber freuen sollte. Jedenfalls mußte sie bald von ihm hören. Berko, welcher sich noch immer bei seinen Verwandten aufhielt, obgleich ihm sein roher, liederlicher Oheim wenig zu- fagte,' war im Stabsorte, wo am vorigen Tage Jahr­markt gewesen und mußte am andern Tage zurückkom- men. Sie wunderte sich, daß er nicht schon heute ge» kommen, und fühlte eine lebhafte Besorgniß, dem Blinden könne etwas zugestoßen sein.

Es wurde spät und die meisten Lichter im Dorfe waren erloschen. Franja, wollte sich eben zur Ruhe be- geben, als sie vlötzlich den Hund auf dem Hofe anschla­gen und einige Freudenlaute von sich geben hörte. Georg!" dachte sie und eilte zur Thür, als leise an dieselbe gepocht wurde. Es war nicht ihr Bräutigam^ allein sie hätte diesen nicht freudiger begrüßen können