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Nr. 48. Hersfeld/ den 15. Juni. 185K.

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Oberstlieutenants:

von Eschstruth, ä la suite der Armee, von Sturmfeder, Corps-Intendant, älasuite des Generalstabs,

Riviere, Commandeur der Landgendarmerie, den Charakter als Obersten zu verleihen,

dem Secondlieutenant Gischler vom 1. Infante­rie-Regiment (Kurfürst) den allerunterthänigst nach­gesuchten Abschied zu bewilligen,

den Hauptmann Rothe, ä la suite des 3. Jn- . fanterie-Regiments, in demselben einrangiren zu lassen,

den Hauptmann Schotten vom Jäger-Bataillon zum Schützen-Bataillon zu versetzen,

den Hauptmami von Bardeleben vom 3. Jn- fanterie-Regiment zum Compagnie-Chef in demsel­

ben zu ernennen.

Mtt der Grenze.

Novelle von Marie von Roskowska.

(Fortsetzung.)

Von dem Wunsche erfüllt, Berko wiederzusehen, hatte Stojan die Anhöhe schnell erreicht.

Hier hielten zwei Wagen. Die Gäste des Capi- tains, oder vielmehr seiner Mutter, hatten eben mit ihm die schöne Aussicht bewundert.

Die Majorin, eine nicht mehr jugendliche und et­was corpulende Dame, war im Grunde wenig erbaut von den Strapazen, welche sie bei diesem Ausfluge ins Land erduldete, indeß war derselbe ja nicht des Vergnü­gens, sondern eines wichtigen Zweckes willen unternom­men, also ergab sie sich mit Gleichmuth in das Unabän­derliche. Ihre Nichten, junge Damen von zweiundzwanzig bis achtundzwanzig Jahren waren dafür um so entzückter von der Reise und fanden Alles köstlich und himmlisch.

Die Majorin mit ihren beiden mittelsten Nichten saß in einem Wageu, der sich eben zur Abfahrt anschickte. Das älteste und jüngste der Fräulein fuhr der Capitain mit höchsteigener Hand und da er ihnen eben in den

Wagen geholfen, war er im Begriff, selber anfzustei- gen. Allem die Pferde, junge und schlecht eingefahrene ^.hiere, wurden scheu und sprangen seitwärts, auf die Schlucht zu. Nur wenige Augenblicke und die Pferde, der Wagen und seine beiden Insassen wären hinabgestürzt.

Der Capitain war vor Schreck wie gelähmt und stand regungslos da; der Führer des andern Wagens konnte nicht schnell genug von seinem Sitze herab, um noch zu helfen und die Pferde wurden durch den Schrei des Entsetzens, in welchen sämmtliche Damen ausbra- chen, noch wilder.

Da warf sich Stojan, der eben auf der Höhe ange« langt war, ihnen entgegen und riß sie zurück. Wäre er nunder stark, kühn und entschlossen gewesen, die Thlere.hatten ihn mit hmsbgezerrt, so hielt er sie glück­lich fest, bis der Kutscher ihm zu Hülfe kam. 9

Der Capitain hatte sich mittlerweile von seiner Er­starrung erholt. Er hob die jüngste Dame aus dem Wagen und beschäftigte sich angelegentlich damit, sie über den gehabten Schreck zu beruhigen. Die älteste Schwester stieg allem aus, als sie sah, daß ihr Cavalier sich nicht um ]te kümmerte und die anderen Damen folg­ten ihrem, Beispiele. Alle bemühten sich einige Zeit um grauleui Theresia, die eine Anwandlung von Ohn- macht hatte; als diese Schwäche vorüber, wurde Stojan mit Danksagungen, Lobeserhebung u. Geschenken überhäuft

Dies Ereigniß, so glücklich es für'ben den junge« Soldaten anscheinend auch war, hatte für ihn die trau­rigsten Folgen.

Obgleich schon in ben Vierziger-, war Capitain Gmela doch noch ein stattlicher Mann. Er wurde, wenn Dlenstgeschafte ihn nach dem Stabsorte führten, im Hanse des Obersten wie bei der Schwester des Letzter», der Mazorin, stets sehr gut ausgenommen. Man hoffte er wurde von der Liebenswürdigkeit und den bäuslichen Wenden eines der älteren Fräulein gerührt werden und diese Hoffnung war die Veranlassung des Besuchs bei seiner Mutter gewesen. ' '

Bei dem eben erzählten Vorfälle stellte es sich her­aus daß die jüngste und hübscheste der Schwestern sein Interesse erregt hatte. . ' 1 -

Josephine, die älteste, war darüber nicht wenig er-