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„Zu diesem Ende erläßt ein Verein derselben ge­genwärtigen Aufruf. Die deutschen Frauen wissen, daß sich große, national-politische Zwecke nicht mit kleinen Mitteln erreichen lassen; aber sie sind der festen Ueber­zeugung, daß selbst scheinbar unwesentliche Dinge wohl geeignet sein werden zur Kräftigung des erwachenden Nationalgefübles. Das deutsche Volk wird sich erst dann eine selbständige, Achtung gebietende (Stellung dem Auslande gegenüber erringen, wann es dessen nicht mehr bedarf, wann sich in allen seinen Schichten der lebhafte Drang kund gibt, nach allen Richtungen von dem Ein­flüsse undeutscher Sitte sich zu befreien!

„Also mag es auch wohl von einiger Tragweite sein, wenn die deutschen Frauen sich lossagen von den ungebührlichen Fesseln französischer Mode; wenn sie sich das Wort geben, fortan nicht nur den Erzeugnissen der deutschen Industrie, sondern auch dem deutschen Ge­schmacke Recht zu lassen. — Der von Frankreich ausge­gangene Friedensbruch hat dem industriellen und kom­merziellen Leben unseres Vaterlandes eine tiefe Wunde geschlagen. Wir Frauen wollen thun, was an uns liegt, um diese Wunde einigermaßen vernarben zu machen. Wir wollen unser Scherslein beitragen, um durch eine für die Dauer des Konflictes ausschtießende Verwendung deutscher Stoffe und deutscher Gewerbserzeugnisse den Absatz französischer Produkte nach Kräften zu schmälern. Die deutsche Industrie rühmt sich einer Vollendung, welche uns die Durchführung unseres Planes keineswegs als ein großes Opfer erscheinen läßt.

„Wenn wir andererseits dem deutschen Geschmacke wollen Gerechtigkeit augedeihen lassen, so beabsichtigen wir nichts weniger als die deutsche Frauenwelt mit ei­ner neuen Mustertracht zu überraschen, an die Stelle des Gewohnten etwas Ungewohntes und Auffallendes zu setzen, und also dem gegenwärtigen Geschmacke, der Sitte und Anschauungsweise unserer Zeit, so weit sie eine sittliche und ästhetische Rechtfertigung in sich trägt, schroff gegenüber zu treten. Aber — wir wollen die Auswüchse jener bisher allmächtigen Mode verbannen, die in Paris ihren Thron aufgeschlagen, und von dort aus ihre wunderlichen, verschrobenen, theilweise selbst Anstand verletzenden Gesetze uns deutschen, hyperborci- schen Barbaren diktirte! Wir wollen uns lossagen von einer unwürdigen Nachahmungssucht, welche Allem hul­digt, was den Stempel der Pariser Geburt trägt^ selbst wenn eS hart an die Spitze des Ungeschmacks, der Un­sitte, und Lächerlichkeit streift,—selbst wenn es nur das Kind der raffinirten Laune und des frivolen Geschmackes einer Lorette ist! Zeugniß wollen wir geben, daß wir gewillt seien, fortan den deutschen Geschmack nicht mehr ans Schlepptau zu legen und ihn bevormunden zu lassen von der Laune eines Volkes, das unsere Culturzustände nicht kennt, das von unserer Sitte und unserem Schon- Heitsgefühl mit wegwerfender Verachtung spricht!

«Wir wenden uns an den Patriotismus aller deut­schen Frauen, indem wir sie einladen, an der Durchfüh­

rung unseres Unternehmens mitzuarbeiten. So viel an uns liegt, sei insbesondere das deutsche Gewerke in die­sen verhänguißvollen Tagen nach allen Kräften unter« stützt, und die französische Etikette, die nicht selten t schmachvoll genug — dem deutschen Gewerbfleiß ange­heftet wirb, verpönt! So viel an uns liegt, sei die Tyrannei — nicht der französischen Mode, sondern des französischen Ungeschmackes gebrochen! Auch unser Kleid sei der Ausdruck selbständigen deutschen Geschmackes und — deutschen Anstandes!"

Amtliche Wskanntmachungen.

Landrathsamt HerSfeld.

Aufgefunden: eine leinene Serviette. —• Dieselbe kann. vom Eigenthümer bei dem Bürgermeister Faust zu Kruspis in Empfang genommen werden.

Hersfeld, am 7. Juni 1859.

Kurfürstliches Landrathsamt. Auffarth

Taxpreise vom 9. Juni 1859 an.

1) In der Stadt Hcrssclv:

A. Brod:

8

Pfund »ut auSgebackeneS Brod

6

Sgr.

-HIr.

4

* * * *

3

— -

2

* » * *

1

6 *

1

* * * * ,

Sgr.

9 ,

1

Pfund melirteS Brod ....

—

10 HIr.

2

* * » . . . ,

1

8 *

8z Loth Wecke.....

4 ,

51 Loth Milch- oder Franzbrod .

—

•

4 .

B Fleisch:

Das Pfund Ochfenfleisch

4 5

-gr.

6 HIr.

, , Kuhfleisch

3

2 *

» * Rindfleisch . .

2

V

4 .

, * Kalbfleisch

2

*

2 .

» * Schweinefleisch . .

4

* » Hammelfleisch

2

*

10

» » Schaaffleisch ....

1

*

6 *

* * Leberwurst ....

4

*

10 .

„ » Schwartenmagen

5

r

— *

* * Bratwurst oder Knoblinen

5

*

2 *

„ * ordinäre Wurst

C. Bier:

2

*

10 *

Fabrikpreis Schenk- in Fässern. preis.

Die Maas ordinäres oder einfaches Bier 1Sg. 6 Hl. 1 Sg. 8Hlr, , * obergährigeS Lagerbier — * — » 2*4 »

* * untergähriges Lager- oder s. g.

Felsen- und bairisches Bier — » — * 3 * 8 » .

In den Landgemeinden:

Wie in der Stadt Hersfeld.

Hersfeld, am 8, Juni 1859.

Kurfürstliches Landrathsamt. Muffarth.