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Hers selber Anzeiger.

Nr. 48. Hersfeld, den 8. Juni. 1859s

DerHers felder Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7z Sgr.; beiden Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

^n Hee Grenze.

Novelle von Marie von Boskowska.

I.

(Fortsetzung.)

.»Er ist wohlauf und ein so hübscher kräftiger Bursche, daß Du Dich freuen würvest, wenn Du ihn sehen konn­test.^ Er soll nächstens Korporal werden und ist jetzt im Stabsorte auf Commando. Heute kommen sie zurück und ich gehe ihnen eben entgegen» .

»Von wem sprichst Du?" fragte Berko etwas ver­wundertWer ist mit Stojan?"

Ach. ich vergaß, daß ich Dir's noch nicht gesagt habe.'" versetzte sie mit einiger Verlegenheit.Erinnerst Die Dich noch an Georg Jankowitsch? Er war ein­mal ein unnützer Bube wir mochten ihn als Kinder nicht jetzt ist er aber ganz anders geworden. Er ist au7 Gefreiter und und nun, warum soll ich mich schämen, es zu sagen? Ich habe ihn lieb und wenn er Corperal ist, werde ich seine Frau!"

, hast ihn lieb und wirst seine Frau!" wieder- Berko mechanisch und ließ.unwillkmlich ihre Hand d.e er bis dahin festgehalten.Ja sich, wie när­risch ich bin ich dachte nicht daran, daß Du groß nAvorden bist, Franja. Wir schiens, ivir wären noch

< ^ßen unter dem großen Ahorn, wo ich so oft die Kuh meines Oheims Stourzda hütete. Weißt Du noch, daß wir damals immer Mann und Frau spielten? Hub als ich blind wurde, suchtest Du mich oamit.zu trösten, daß Du meine Frau und mich zeit- lebens fuhren und pflegen wolltest."

, ^iißte nicht, was sie darauf antworten

i k ^^ Verko kein Blinder gewesen, sie hätte bei der Enmierung an ihre kindischen Spiele herzlich gelacht; allem bem armen Leidenden mußte ihr Lachen vie Hohn klingen und ein Scherz über die damalige ^episch- ^^^ ^""' ^^"^ sagte sie nur trän-

Das ist schon lange her."

und unser Spiel konnte niemals Wirklichkeit Ärnr, c ^M er trübe; indeß fügte er sogleich mit ^brzlichkeit hinzu:Gott segne Dich und lasse Frau^« ^' ^^ stsücklich werden als Georg Jankowitsch's

Sie plauderten noch einige Zeit über ihre Kind­heit und Verschiedenes, was sich im Dorfe begeben hatte, dann sagte Berko:

. .Du wolltest ja Stojan und Deinem Bräutigam entgegengehen: laß Dich durch mich nicht aufhalten. Ich gehe auch gleich nach dem Dorfe und morgen be­suche ich Euch!"

Nach einigen weiteren Worten schieden sie, doch ging -er noch nicht, sondern blieb sitzen-und schien noch ihren Tritten zu lauschen, als sie schon längst ver­klungen waren.(Fortsetzung folgt.)

Dee Verein Deutscher Frauen zu München.

In der neulich im Odeon in München stattgefun- deuen Versammlung des vaterländischen Unterstützungs^, Vercias verlas der Vorsitzende, Herr Regierungsrath Feutsch, im Namen eines Vereins deutscher Frauen in München nachstehende Ansprache:

Dringend wie kaum ciue Zeit gemahnt die Gegenwart an Das, was uns Deutschen Noth thut! Einigkeit, nationales Selbstgefühl, entschiedenes Be­wußtsein der Gemeinsamkeit unserer InteressenAlles Dessen bedürfen wir jetzt mehr als je gegenüber den Eingriffen, welche sich ein übermüthiger Nachbar in un­ser Hausrecht erlaubt, gegenüber seinen hochtrabenden Worten, womit er uns die Selbständigkeit Und eigene Befähigung abspricht, und sich eine zivilisatorische Mis­sion anmaßt. Wir sind reif genug, um das Gängelband entbehren zu können. Wir sind uns unseres nationalen Werthes so weit bewußt, daß wir endlich die demüthige Scheu vor aller Sel bstüberhebung ablegen, und es offen aussprechen wollen,daß der deutsche Stamm nicht erst des befruchtenden Hauches romantischer Sitte und Bildung bedürfe"". Frei und selbständig kann und soll er sich entwickeln, wie es seiner eigenen, staunenswerthen Fülle von Keim- und Triebkraft entspricht.

Auch die deutschen Frauen sollen sich dieses Zeug­nisses nicht ratschlagen! Es findet sich auch in ihrem Wirkungskreise Gelegenheit, für deutsche, volksthümliche Selbständigkeit und Unabhängigkeit in die Schranken zu treten, und dem Einflüsse des Auslandes im Gefühl eigener Befähigung zu begegnen.