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Hersfcli> cr AllzeIger.

Nr. 43» HerSfeld, den 1. Juni. 1859»

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis deffel- ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7 z Sgr.; beiden Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst und Allerhöchstderen Gemahlin, Ihre Durchlaucht die Fstrsthn von Hanau, sind heute mit Gefolge von Wilhelmshöhe nach Äff fingen abgereist.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

dem Geheime Hofrath Professor Dr. Platner zu Marburg das Kommandeurkreuz zweiter Klasse des Kurfürstlichen Wilhelmsordens zu verleihen, den Justizbeamten Wolf zu Friedewald zum Stellvertreter des Landraths ^n Hersfeld für das Amt Friedewald in Noth- und Eilfällen zu bestellen.

Das Frie-cnSfeft.

Der Breslauer Frieden hatte dem ersten schlesischen Kriege ein Ende gemacht und gleichwie im stolzen Resi- denzdome, so auch im schlichten Dorfkirchlein ertönten Lob und Danklieder, daß die schreckliche Geißel, welche Millionen Blut und Eigenthum gekostet, endlich geschwun­den war. Auch der alte Pfarrherr, Magister Eberhardt versammelte seine Gemeinde in dem altehrwürdigen klei­nen Gotteshause zur Feier des Friedensfestes und ob­gleich manchem Anwesenden das Auge feucht wurde bei der Erinnerung an die Kriegessckrecken, einigten sich doch alle Gemüther in froher Dankbarkeit gegen Gott, der ja immer Alles zum Besten lenkt.

Der alte Pfarrherr trat nach geschlossenem Gottes­dienste hinaus in die milde Sommerluft, wo die Ge- meinde den hochgbliebten Seelenhirten mit freundlichem Gruße und herzlicher Anrede empfing. Der Greis hatte für Jeden ein väterliches Wort. Die Kindleiu reichten ihm lächelnd ihre kleinen Hände und die Erwachsenen baten um Rath und That, denn Magister Eberhardt war nicht nur ein Stubengelehrter, sondern auch ein eifriger Naturforscher, der feine Kenntnisse mit segens­reichem Erfolge auf das häusliche und leibliche Wohl seiner Gemeinde anwendete. Deshalb hatte sich auch die kranke Marie, des Schulmeisters Tochter, am Mor­gen des Friedensfestes 'auf die Bank unter der Linde

am Kirchlein bringen lassen, um den geistlichen Herrn der vermittels eines köstlichen Heiltranks sie dem Leben wiedergegeben, durch ihren Anblick zu erfreuen, denn obgleich noch todtmatt, kehrte doch schon der Stral der Genesung in ihr Auge zurück. Rechts und links Grüße und freundliche Worte sprechend und nachdem er die Genesende mit der Hoffnung auf Gottes fernere Güte getröstet, wanderte der Greis das Dorf entlang hinaus in die üppigen Fluren, wie es immer nach dem Gottes­dienste seine Gewohnheit war.

Kaum hundert Schritte vorn Dorfe begegnete dem Magister ein Mann in abgetragener Soldatenkleidung Zwei halb verharrschte Narben im Gesicht und eine Denkmünze auf der Brust, bewiesen, daß derselbe in dem eben beendigten Kuege Pulver gerochen haben mußte AIs der Pfarrer sich dem Fremden näherte, lüftete dieser militärisch sein dreieckiges Hütlein.

Gott zum Gruße, lieber Kriegsmann!" dankte der Geistliche:Ich dächte die liebe Himmelssonne müßte Ihm jetzt, wo Er aus den gefährlichen Feldzügen glück- Ilch wwderkehrt. doppelt freundlich glänzen."

Nein wahrlich nicht, Herr Pfarrer!" antwortete der Soldat,denn jetzt bleibt mir wenig mehr übrig als zu verhungern. Mein Regiment ist abbezahlt und nun kann ich auf die Landstraße treten und Steine klopfen."

Der Pfarrer griff in die Tasche und zog einen Zwanziger heraus.Hier, lieber Mann, nehme Er dieS Scherflein zu einem Glase Bier Gott wird ihm wei­ter helfen, wie er es ja auch bis jetzt gethan. Wo ist Er denn daheim ?"

Ein Sachse bin ich, aus dem Erzgebirge, wo in der Erde Reichthum und obenauf der Mangel zu Hause ist. Er hat aber recht, Herr Pfarrer! Der liebe Gott bewahrte mich im schrecklichsten Kugelregen und die Säbel der Husaren, welche mein Gesicht trafen, hätten auch meinen ganzen Schädel spalten können. Habe Er Herzensdank für seine Gabe, Herr Pfarrer ich nehme sie nur, weil ich jetzt sehr arm bin!"

Die Beiden trennten sich. Als der Soldat wohl schon zweihundert Schritte von dem Geistlichen entfernt war, hörte er plötzlich hinter sich dessen Ruf, und be.