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Nr. 4» Hersfeld, den 28 Mai. 185^

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis dessel­ben bei der Expedition (Ncumarkt Nr. 587) pro Quartal 7 s Sgr.; beiden Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

dem Oberfinanzrath Cramer zu Cassel die nach­gesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des von Seiner Majestät dein Könige von Hannover demselben verliehenen Ritterkreuzes des Eluelphen- Ordens zu ertheilen;

zu Secondlieutenants zu ernennen:

den Cadetten-Unterofficier von Barde leben im Leibgarde-Regiment,

den Cadetten-Unterofficier von Kaltenborn im Leibgarde-Regiment,

den Cadetten v. Kietzell im Artillerie.Regiment, den Cadetten Winter im Artillerie-Regiment, den Cadetten Ruhl im 2. Hnsaren-Regiment, den Cadetten-Unterofficier w Wangen heim im Leibgarde Regiment, und

den Cadetten von der Mals bürg im 3. In­fanterie-Regiment.

Napoleon in Deutschland.

Roman von L. Mühlbach,

_ ^.(Fortsetzung und Schluß.)

Wollen Sie's versuchen, dem Sturmwind Stillstand zu gebieten? fragte Graf Cobenzl.

Ja, äch will'- versuchen, denn wir dürfen nicht mit ihm brechen und den Krieg wieder beginnen! Wir müs» sen den Fürchterlichen versöhnen.

_, ®r stürzte zur Thür hin und eilte mit beflügelten Schritten über den Vorsaal und die Treppe hinunter zur Hausthür.

Bonaparte hatte schon seine Carrosse bestiegen, seine Eskorte hatte sich schon geordnet, der Kutscher faßte schon die Zügel und hob die Peitsche, um den stampfen­den Rossen das Zeichen zur Abfahrt zu geben.

t In diesem Moment zeigte sich am Wagenschlag das bleiche, demuthsvolle Antlitz des Marquis de Gallo. Bonaparte schien ihn nicht zu sehen, in die Polfier zu- ruckgmehnt schaute er düstern Auges zum Himmel empor.

Generah sagte der Marquis stehend, ich beschwöre . Sie, reifen Sie nicht ab,

Marquis, erwiderte Bonaparte achselzuckend, es ziemt mir nicht, friedfertig bei meinen Feinden zu blei­ben. Der Krieg ist erklärt, denn Sie haben mein Ul­timatum nicht angenommen!

Doch, General, ich erlaube mir, Ihnen zu melden, daß die Bevollmächtigten Oesterreichs entschlossen sind, Ihr Ultimatum anzunehmen!

Bonaparte's ehernes Angesicht zeigte nicht die lei­seste Bewegung der Ucberraschung und der Freude, nur heftete er seine großen Augen mit einem durchbohren­den Blick auf den Marquis.

Anzunehmen ohne Winkelzüge und Vorbehalte? fragte er langsam.

Ja, General, ganz so, wie Sie es wollen! Wir sind bereit, den Frieden zu unterzeichnen und das Ulti­matum anzunehmen. Haben Sie nur die Güte, wieder auszusteigen und mit uns die Conserenz fortzusetzen.

Nicht doch, sagte Bonaparte, man muß nie wieder einen Schritt zurückthun, den man vorwärts gethan. Da ich einmal schon in meinem Wagen sitze, will ich nicht umkehren. Auch erwarten mich die Deputirten der Venetianischen Republik in Passcriano, und es ist wohl Zeit, ihnen auch mein Ultimatum zu geben. In drei Stunden, bitte ich Sie, Herr Marquis, und den Grafen Cobenzl, sich zu mir nach Passcriano verfügen zu wollen. Dann wollen wir gemeinschaftlich die Frie­dens Artikel berathen und die öffentlichen so wie die geheimen Artikel desselben festsetzen.

Aber Sie vergessen, General, daß Ihr Ordonnanz- Offizier schon in's österreichische Hauptquartier eilt, um den Waffenstillstand aufzukündigen.

Das ist wahr, sagte Bonaparte gelassen. Heda,' zwei Ordonnanzen. Eilen Sie der Ordonnanz Mh und bringen Sie dem Offizier meinen Befehl, umzukehren! Sie sehen, Herr Marquis, daß ich an die Aufrichtigkeit Ihrer Gesinnungen glaube. In drei Stunden also er­warte ich Sie in Passcriano zur Festsetzung der Frie» dens-Artikel. Unterzeichnen aber trollen wir den Frii^ den auf neutralem Boden. Sehen »Die dort drüben am Horizont das hohe graue Gebäude?

Ja, General, das ist das alte, verfallene Schloß pon Campo Formlos

Nun, in dem verfallenen Schloß wollen wir den