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Hersfe liier Anzeiger.

Nr. 41. Hersfeld/ den 21. Mai. 1859*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis be]|eU ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden aufgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

dem General-Major von Specht zu Cassel die nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tra­gen des von Seiner Hoheit dem Herzoge von Braun- schweig demselben verliehenen Commandeurkreuzes Ir Klasse des Ordens Heinrichs des Löwen zu ge­währen,

den Obergerichtsrath Dr. Ludwig Büff in Cas­sel zum Ober-Appellationsgerichtsrath zu bestellen,

den Gymnasiallehrer Or. Hugo Suchi er zu Hers­feld an das Gymnasium in Rinteln zu versetzen, .

den Premierlieutenant v. S tam fo rd ä la suite des Artillerie-Regiments, von der Dienstleistung bei der Train-Abtheilung zu entbinden und in das ge­nannte Regiment einrangiren zu lassen,

den Compagnie-Wundarzt Range vom 3. Infan­terie Regiment mit Pension ausscheiden zu lassen, denExpedilionsgehülfen Tbeobald Hillenbrand auf dem Bahnhöfe zu Cassel, in gleicher Eigenschaft zur Eisenbahn-Station Kirchhain zu versetzen.

Napoleon in Deutschland.

1 Roman von L. Mühlbach.

(Fortsetzung.)

Sie sind sehr hart gegen das arme deutsche Reich, sagte Graf Cobenzl lächelnd, das macht, Sie' sind eben kein Deutscher und deshalb, Marquis, sind Sie auch besser dazu geeignet, wie es scheint, in dieser Angelegen­heit als Oesterreichs Bevollmächtigter zu wirken. Aber seltsam und komisch bleibt es immer doch, daß in diesen Verhandlungen, bei denen es sich zumeist um das Wohl und Wehe Deutschlands handelt, der Kaiser von Deutsch­land durch einen Italiener, und die Republik Frankreich durch einen Corsen vertreten wird.

Sie vergessen sich selbst, theuerster Graf, sagte der Marquis verbindlich. Sie sind der eigentliche Vertreter des deutschen Kaisers, und ich sehe, daß der Kaiser die Interessen Deutschlands in keine bessern Hände hätte niederlegen können. Aber da Sie mir erlaubt haben,

Ihnen als Rathgeber zur Seite zn stehen, so möchte ich Sie bitten, zu bedenken, daß das Wohl Oesterreichs dem Wohl Deutschlands voran gehen muß! Und aber hören Sie nur, da rollt ein Wagen heran!

Es ist der General Bonaparte, sagte Graf Cobenzl an das Fenster eilend. Sehen Sie nur, in welcher prächtigen Carrosse er daher kommt. Sechs Pferde zie­hen seinen Wagen, vier Bediente sitzen auf dem Bock und eine ganze Schwadron Lanciers escortirt ihn. Uni) Sie sagen, dieser Republikaner sei nicht empfänglich für Schmeichelein? Ach, ach, wir wollen dem Bären Zucker­brod geben! Kommen Sie, ihn zu empfangen!

Er nahm den Arm des Marquis und eilte mit ihm dem General entgegen, dessen Wagen eben vor dem Hause anhielt.

Auf der Mitte der Treppe trafen die österreichi­schen Diplomaten mit Bonaparte zusammen und gelei­teten ihn hinauf in den L-alon, in welchem das Dejeu­ner ihrer harrte.

Aber Bonaparte lehnte das Dejeuner ab, trotz der dringenden und wiederholten Aufforderungen des Gra­fen Cobenzl.

So nehmen Sie mindestens, um sich zu erwärmen eine Tasse Chocolade, bat der Graf. Trinken Sie aus dieser Tasse, General, und sei's auch nur, um mir den Werth derselben zu erhöhen. Die Kaiserin Katharina hat mir dieselbe verehrt und hat daraus getrunken, und wenn auch Sie diese Tasse jetzt benutzen, so könnte ich mich rühmen, eine Tasse zu besitzen, aus welcher der größte Mann und die größte Frau dieses Jahrbunderts getrunken haben!

Ich trinke nicht, Graf, sagte Bonaparte barsch, ich mag keine Gemeinschaft haben mit dieser kaiserlichen Messaline, welche durch ihr liederliches Leben die Würde der Krone und der Frau gleich sehr entehrt hat. Sie sehen ich bin ein starrköpfiger Republikaner, welcher es nur versteht, von Geschäften zu sprechen! Lassen Sie uns daher von diesen reden!

Er setzte sich, ohne eine weitere Einladung abzuwar. ten, auf den Divan, der unfern von dem Frühstückstisch stand, und bedeutete den beiden Herren mit einer ra­schen Handbcweguug, neben ihm Platz zu nehmen.

Ich habe ihnen vorgestern mein Ultimatum gege-