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^ Hersfelder Unze,gcr.

-tv. 40. HerSfeld, den 18 Mai. 1859*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis dos^l- ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Staatsrath Scheffer von der Stelle eines Ministers des Innern und

den General-Major von Kaltenborn von der Stelle eines Vorstandes des Kriegs «Ministeriums auf ihr allerunterthänigstes Nachsuchen zu entbinden, den Staatsrath Rohde von der Stelle einesVor- standes des Justiz-Ministeriums zu entbinden und denselben mit dem Ministerium der Finanzen zu be­auftragen,

den Präsidenten des Oberapellationsgerichts Ab«e zum Justiz-Minister,

den Oberst von Ende, zweiten Commandanten von Cassel, zum Vorstand des Kriegs-Ministeriunis, den vortragenden Rath im Ministerium des In­nern, Geheimen Regierungsrath von Stiernberg zum Staatsrath und Vorstand des Ministeriums des Innern zu ernennen, und

den Generalmajor von Kaltenborn in den Ruhestand zu versetzen.

Napoleon in Deutfchlan-.

Roman von L. Mühlbach.

(Fortsetzung.)

Der Frieden von Campo Formio.

In der großen Alberga zu Udine erwarteten die österreichischen Abgeordneten ocn General Bonaparte zur Conferenz. Alles war zu seinem Empfang geordnet, die Tafel war servirt und die Köche harrten nur der Ankunft des französischen Generals, um das ausgesuchte und prächtige Dejeuner zu servilen, mit welchem die heutige Conserenz beginnen sollte.

Graf Ludwig Cobenzl und der Marquis de Gallo erwarteten den General im Speisesaal und schauten neben­einander im Fenster stehend, hinaus in die Landschaft.

Es ist kalt heute, sagte Graf Cobenzl nach einer Pause des Gesprächs. Ich meinestheils liebe die Kälte, denn sie erinnert mich an meine schönsten Jahre, an meinen Aufenthalt am Hof der russischen Semiramis, Aber Sie, Herr Marquis, werden durch diese Kälte

wahrscheinlich noch empfindlicher an Ihr Heimweh nach den, schönen Neapel und der glühenden Sonne des Sü­dens gemahnt?- ,

Ich kenne* gar kein Heimweh, Graf, sagte der Mar­quis, ich bin überall da zu Haust, wo ich meinem König und meinem Vaterlande nützen kann.

Aber heute, theurer Marquis, ist es Ihre Aufgabe, einem fremden Lande, nicht dem Ihren, und einem frem­den Fürsten zu nutzen.

Oesterreich ist das Heimathsland meiner edlen Kö­nigin Caroline, sagte der Marquis ernst, und die Kaise­rin ist die Tochter meines Königs. Was ich vermag und bin, steht daher dem österreichischen Kaiserhause zu Gebot.

Ich fürchte, wir werden heute einen schweren Stand haben, Marquis, seufzte Graf Cobenzl. Dieser französi- General vrajment! ist ein Sansculotte von der schlimmsten Sorte. Es fehlt ihm alle Noblesse, aller bon ton und alle Feinheit!

Ach, Herr Graf, ich halte diesen Bonaparte hinge­gen für einen Kopf von großer Feinheit, und ich denke, wir müssen sehr auf unserer $ut sein, um ihm einige Vortheile abringen zu können.

Sie glauben, Marquis? fragte der Graf mit einem ungläubigen Lächelm Sie haben also nicht gesehen, wie sein bronzenes Gesicht sich verklärte, als ich ihm vor einigen Tagen das Handschreiben Sr. Majestät des Kai­sers gab? Sie haben nicht gesehen, wie er erröthete vor Vergnügen, als er es las? Oh, ich habe es gesehen, und in jenem Moment sagte ich mir selber: dieser're­publikanische Bär ist nickt unempfindlich gegen die Gunst und Huld der Großen, Schmeicheleien sind eine Speise, die er gern ißt, wir werden ihn also damit füttern und er wird unser sein und uns den Willen thun, ohne daß er es merkt. Die große Kaiserin Katharina pflegte im­mer zu sagen: Div Bären zähmt man am besten durch Zuckerbrod und die Republikaner durch Ordensbänder und Titel. Nun denn, wir werden diesem Bären Zuk- kerbrod geben., Sehen Sie nur, Marquis, wie ich ihn ehre! Ich lasse ihn heute seine Chocolade aus meinem köstlichsten Kleinod trinken, aus dieser Tasse hier, welche mir die große Kaiserin geschenkt hat, und auf welcher, wie sie sehen, der Czaarina Bild gemalt.ist. Ach, es