Pcrsfclder Anzeigcr.
Nr. 3L Hersfeld, den 24. April. 18LS.
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Napoleon in Deutschland.
Roman von L. Mühlbach.
IV.
Die Conferenz der StaatSminister.
(Fortsetzung.)
Aber die Gefahr, die uns bedroht, kommt nicht von Preußen, sondern von Frankreich und vor allen Dingen von diesen General Donaparte, der mit seinem Ruhm und seinen Schlachten Propaganda macht für die Revolution und die Republik, und diese dummen, stu- pibcn Völker so e-.tzückt, daß sie ihm entgegen jauchzen als eineni^ Messias der Freiheit! Verhaßtes Wort, das wie der Tarantelbiß rie Menschen rasend macht und sie in wilden Tänzen umherspringen (läßt, bis sie todt zur Erde fallen.
Dieses Wort ist die Zauberformel, mit der Bona- parte ganz Italien besiegt und die italienischen Völker zu Anführern und Empörern gegen ihre Fürsten gemacht hat! seufzte Graf Sauraul
Noch nicht ganz Italien, Freund! Ein Theil davon steht noch fest I Der Löwe von St. Marco ist noch nicht gefallen!
Aber er wird fallen, Excellenz, seine Füße schwanken schon!
Nun, so müssen wir Sorge tragen, daß er auf eine Weise fällt, welche auch uns^berechtigt, aui hm Beute zu machen! Und hier mein lieber kleiner Graf, sind wir zu dem Punkt gelangt, der uns jetzt zunächst beschäftigt. Die Friedenspräliminarien zu Leoben sind abgeschlossen, wir müssen die Zeit bis zum Abschluß des wirklichen Friedens so zu benutzen suchen, daß der Friede uns Vortheil bringt, und daß Oesterreich sich dabei ar- rondirt und kräftigt. Wir müssen immer den Blick auf Baicru geheftet halten, denn Baiern ist unser und muß unser werden bei der nächsten günstigen Gelegenheit. Schreit Frankreich dawider und will uns diese Beute nicht gutwillig lassen, nun so werfen wir ihm den alten verhaßten Zankapfel Belgien in den Rachen und machen es dadurch zahm und kirre.
Aber was thun wir, wenn Preußen auch schreit?
Werfen wir ihm auch ein Stück von Deutschland hin, um es zu beruhigen?
Im Gezentheii, wir suchen ihm so viel als möglich zu nehmen, wir suchen es zu demüthigen und zu iso» liten, damit es keine Macht hat, uns zu schaden. Wir bemühen uns, diesen Frieden, den wir jetzt mit Frankreich abschließen, so einzurichten, daß es uns Vortheil Preußen möglichst Schaden bringe! Nach den Norden hin arrondiren wir uns durch Baiern, nach dem Süden hin durch Venedig!
Durch Venedig? rief Graf Saurau erstaunt. Aber Sie sagten es ja vorher selbst, Venedig steht noch fest!
Wir müssen machen, daß es fällt, mein Lieber, das eben ist unsere Aufgabe, denn Venedig ist das Stückchen Entschädigung, das ich. für Oesterreich an seinen Süd- grenzen ersehen,l)abe! Etwas Sicheres müssen wir doch dafür haben, wenn wir Belgien an Frankreich abtreten; kann's nicht Baiern sein, so muß es Venedig sein.
Aber ich begreife noch immer nicht' —
Mein Lieber, wenn das Begreifen meiner Pläne so leicht wäre, so müßten sie nicht sonderlich tief sein. Das Spiel, das ich spiele, mag Jedermann kennen, aber die Karten, die ich in der Hand halte, die müssen doch Jedermann ein Geheimniß bleiben, bis ich sie ausgespielt habe, sonst liefe ich ja Gefahr, zu verlieren! Aber Sie sollen dies Mal in meine Karte schauen, und Sie sollen mir helfen zu gewinnen! Wir spielen um Venedig, lieber Graf, und wir wollen es gewinnen für Oesterreich! Wie fangen wir es an?
Ich gestehe, Excellenz, daß mein bischen Verstand mir die Antwort versagt und daß id) durchaus nicht begreife, wie man es anzufaugen hat, einen felbststan- digen, für sich bestehenden Staat, auf den man weder Erbschafts- noch andere Ansprüche zu machen hat, sich als Beute zu erobern, ohne einen offenen Gewaltstreich zu führen!
Man stellt dem Staat eine Mausefalle auf und fängt ihn darin ein, wie eine Maus, mein kleiner Graf. Hören Sie! Wir müssen machen, daß sich Venedig zu einem Widerstandskrieg gegen Frankreich erbebt und den Muth gewinnt, dem Sieger von Lodi die Spitze bieten zu wollen.
Ach, Excell enz, ich fürchte, die verzagte MgnvtW