z^P. A1 Her-feld, den 16 April. 1859*
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Napoleon in Deutschland.
Roman von L. Mühlbach.
(Fortsetzung.)
111.
Thugut schien von dem Allen gar nichts zu sehen, er war ganz und gar nur mit seinem Frühstück befchäs» tigt und widmete dem kleinen Knochen seines Hühnerflügels seine ungeteilte Aufmerksamkeit.
Gras Saurau gab sich wenigstens den Anschein zu essen und hielt seine Augen unverwandt auf den Teller gerichtet, um nicht je neu Ingrimm und seine Wuth in seinen Blickn lesen zu lassen.
Aber auch den Leuten aus dem Volk schien nicht wohl und behaglich bei dieser eigenthümlichen und uner- warteten Scene, welche plötzlich wie ein kaltes Sturzbad ihren Eifer und ihren Heroismus abzukühlen begann. Als triumphirende Sieger, unter lautem Frendejanchzen, waren sie in das Hotel eingedrungen, ganz überzeugt, den Minister zitternd und um Gnade stehend vor ihnen erscheinen zu sehen, und jetzt erblickten ihre erstaunten Augen ihn in behaglichster Ruhe am Frühstückstisch.
Diese Situation hatte für die armen Leute etwas außerordentlich Befremdendes, es ward ihnen bange,, und unheimlich zu Sinn, und Viele von denen, welche erst so siegestrunken die Treppe heraufgestürmt waren, fanden es jetzt gerathener, sich leise wieder zurückzuziehen. Die Zahl der Gestalten, welche da über dem Treppengeländer erschienen waren, lichtete sich mehr und mehr, und nur gegen zwanzig der Beherztesten und Verwegensten hielten noch Stand vor der Thür des Vorsaals.
An ihrer Spitze stand noch immer der Redner vom Kohlmarkt. Er hatte jetzt, eingedenk seiner Versprechungen und des verheißenen Lohns, seine augenblickliche Schüchternheit überwunden und trat nun mit trotzigeni Schritt in den Borsaal ein, hinter ihm drängten sich die Jänner, von seinem Beispiel ermuthigt vorwärts.
Jetzt hob Baron Thugut seine Augen mit einem gleichgültigen Blick von seiner Speise empor, und richtete sie hinüber auf die Mämnr, welche mit geräuschvollen Schritten durch den Vorsaal kamen. Dann wandte er sich ruhig an den hinter ihm stehenden Kammerdiener.
Germain, sagte er mit lauter Stimme, gehe hin
frage diese Herren, ob sie mich zu sprechen wünschen und wen Du die Ehre haben sollst, mir anzumelden.
Keins dieser Worte war den Männern entgangen, und mit blöder Verlegenheit sahen sie jetzt den zierlichen, geputzten Kammerdiener zu ihnen heranschlüpfen, vernahmen sie die Botschaft, welche dieser ihnen mit süßlichem Lächeln verkündete.
Aber es war jetzt nicht Zeit mehr, zurückzutreten, sie mußten sich also mit Trotz und Entschlossenheit waff» nett, um ihre Rolle mit Anstand weiter führen zu können.
Ja, sagte daher der Redner des Kohlmarkts laut und entschlossen, wir wünschen den Herrn Minister zu sprechen, und was unsere Namen anbetrifft, so heiße ich Meister Wenzel von der Schneiderinnung, dies ist der Schneider Kahlbaum, und Ihr Andern sagt selbst Eure Namen, damit dieser höfliche Herr sie dem Herrn Minister hinterbringen kann.
Aber keiner von den andern Männern folgte dieser Aufforderung, vielmehr blickten sie alle scheu und verlegen bei Seite, und es dämmerte in ihnen, eine Ahnung auf, daß dies laute Verkünden ihrer Namen doch auch seine gefährlichen Seiten haben möchte.
Germain wartete ihre endliche Entschließung nicht ab, sondern kehrte eilig zu seinem Herrn zurück, um seine Bestellung auszurichten.
Der Herr Wenzel von der Schneiderinnung, der Herr «Lchneider Kahlbaum nebst den übrigen Herren sollen willkommen sein, sagte Baron Thugut laut, ohne sich aber in seinem Essen stören zu lassen.
Die Männer rückten indeß vorwärts bis an die Thür des Speisesaals. Hier aber ließ ein tolzer, gebieterischer Blick des Ministers sie Halt machen,
Sie haben ohn'e Zweifel schon gefrübstückt, nicht wahr? fragte Thugut mit scharfer Belonnug.
Ja, wir haben gefrühstückt, murrte Meister We> zel.
Nun, ich bin nicht so glücklich, wie Sie, und also bitte ich Sie, mich, erst mein Frühstück vergeh, eu zu lassen, sagte Thugut, und er begann sich mietet mit dem Hühnerflügel auf dem Teller zu beschäftigen
Eine lange Pause trat ein. In peinlichster Verlegenheit standen die Männer an der Thür, wo der Blick des Ministers sie gefesselt hatte, und eine unheimliche Furcht vor dem Ausgang dieser Scene bemächtigte sich ihrer Gemüther. Mehr als es blanke Schwerter