Hcrsfel der Anzeiger.
Nr. SS. Hersfeld, den 9. April. 18SS.
Der „Hers felder Anzeiger« erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7$ Sgr.; bei den Postanstalten kommtder übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bet Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königli>che«^oheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:» 1
den Justizbeamten ^8üd-lug Wolf vom Jnstizamte I. zu Rotenburg in gleicher Eigenschaft zum Justizamt in Friedewald und
den Amtsaktuar Ernst Ludwig Strohmeyer von Frankenberg in gleicher Eigenschaft zum Justiz- amt in Ranschenberg
zu versetzen.
Napoleon in Deutschland.
Roman von 8- Mühlbach.
(Fortsetzung.)
III.
Der Minister und die Leute aus dem Rolke.
Halten zu Gnaden, Excellenz, daß ich störe, stammelte der Haushofmeister athemlos, überdies Mal ist es Ernst. Das Volk stürmt das Thor, es beginnt schon in seinen Angeln zu krachen. In spätestens einer Viertelstunde werden die Aufrührer es erstürmt haben!
Das kommt davon, daß Ihr' es ohne Noth habt schließen lassen, rief der Minister. Wer gab euch den Auftrag dazu? Wer befahl Euch, uns wie in einer Festung zu verbarricadiren, als hätten wir ein böses Gewissen und fürchteten daher den Besuch des Volkes?
Der Haushofmeister blickte mit starrem Entsetzen in das Antlitz seines Herrn und fand kein Wort der Erwiderung.
Geht sogleich hinunter, fuhr der Minister fort, laßt den Portier das Thor öffnen und Jedermann eintreten. Zeigt, den Leuten den Weg hier heraus, und Jbr Schlingel, die Ihr da steht mit blassen Gesichtern und zitternden Knieen, öffnet die beiden Flügelthüren, damit die Leute, ohne sich zu stoßen, hier herein können. Nun thut Alle, wie ich Euch geheißen habe!
Der Haushofmeister verbeugte sich mit einem Seufzer, welcher einem Todesächzen glich, und verließ eiligst den Salon.
Die Diener aber eilten, mit zitternden Händen die Flügelthüren zu öffnen, sowohl die, welche in den Vor- saal, als auch diejenigen, welche von dort auf den Cor- ridor führten. Man hatte nun von den Plätzen am Tische aus einen freien Ueberblick nach der großen Treppe . hin, welche anf den Korridor unmittelbar vor dem Vor- saal ausmündete.
Und jetzt, Germain, wandte sich Thugut zu dem hinter seinem Stuhl stehenden Kammerdiener, jetzt laß uns unser Frühstück haben. Seien Sie weise, lieber Graf, und folgen Sie meinem Beispiel, nehmen Sie etwas von diesem Sorbet. Er kühlt das Blut und ist doch feurig zu gleicher Zeit. Trinken Sie, lieber Gras, trinken Sie! Ach, sehen Sie nur, mein Koch hat uns heute ein vollkommen türkisches Mahl bereitet, denn da sehe ich den calecnttiscken Hahn mit Reis und Paprika. Ich habe zu diesem Gericht von dem Mundkoch des Großveziers selber das Recept erhalten und ich darf sagen, daß Sie diese Speise in ganz Wien nicht so be- kommen, wie bei mir.
Von der Treppe her vernahm man jetz^ein dumpfes Geräusch, ein wirres Durcheinander von Stimmen.
Sie kommen, sie wagen es wahrhaftig hier einzu- dringen, sagte Graf Saurau, bebend vor Grimm. Excellenz,'verzeihen Sie mir, ich bewundere Ihren heroischen Gleichmuth, aber ich kann es Ihnen nicht nachthun. Es ist ganz unmöglich, ganz unthnnlich, daß ich, der Polizeiminister, ganz ruhig und unthätig gegenwärtig bin. wenn eine verbrecherische Rotte es wagt, bei Ihnen einzudringen
Verzeihen Sie, diese Leute sind nicht eingedrungen, sondern ich habe ihnen freiwillig die Thüren öffnen lassen, sagte Baron Thugut gelassen. Und was Ihre Charge als Polizeiminister anbetrifft, mein lieber Graf, so beschwöre ich Sie, dieselbe eine halbe Stunde zu vergessen und sich nur zu erinnern, daß ick die Ehre habe, Sie als seltenen Gast an meiner Tafel zu sehen. Ich bitte Sie noch einmal ernstlich, nehmen Sie von diesem Paprika-Huhn, es ist wirklich empfehlenswert!)!
Graf Sanrau nahm mit einem tiefen Seufzer etwas von der Speise, welche Germaiu ihm darreickte, und legte es aus den silbernen Teller, der vor ihm stand.