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Hersfelder ANzclger.

Nr. 28. Hersfeld, den 6. April. 18LS>

Der „Hersfelder Anzeiger» erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr.; beide» Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:

den Prinzen Carl von Hau an, Durchlaucht, zum Secoudlieutenant ä la suite des Leibgarde-Re­giments zu ernennen, den Oberstlieutenant Weber, Commandant der Bergfestung Spangenberg, von dieser Stelle zu ent­binden, den Hauptmann von Stockhausen vom Leibgarde- Regiment, zum Platzmajor von Cassel, unter Füh­rung ä la suite des gedachten Regiments, zu ernennen, den Unter-Arzt Schneider vom 2. Jnfanterie-

■ Regiment z im Assistenz-Arzt zu ernennen.

Napoleon in Deutschland.

Roman von L. Mühlbach.

(Fortsetzung.)

II.

Der Minister von Thugut.

Der ‘Premierminister Baron von Thugut befand sich in seinem Arbeits Eabinet in eifriger Unterhaltung mit dem neuen Polizei- und Finanzminister von Sanrau, welcher ihm Bericht erstattet hatte über die glückliche Abführung des kaiserlichen Staatsschatzes, der gleich dem Kaiser und der Kaiserin den Weg nach Ungarn eingc- schlagen.

Das ist gut, sagte Thugut mit einem rauhen Lachen. In Ungarn sind Beide wohl geborgen, denn ich mein', ich habe den Ungarn hinlänglichen Schrecken eingejagt, daß sie sich ruhig und demüthig zeigen.

Ew. Excellenz meinen die Verschwörung, die wir da vor zwei Jahren entdeckt haben, sagte Graf Sauerau lächelnd, und welche die stuchwürdigen Verräther mit dem Tode von Henkershand gebüßt haben!

Er schwieg und wandte gleich dem Minister Auge und Ohr dem Fenster zu. Wirklich vernahm man von da unten jetzt verworrenes Geräusch, laute kreischende Stimmen in einem wilden Durcheinander.

Die beiden Minister erhoben sich, ohne ein Wort zu sagen, von ihren Lehnsesseln und traten eiligen Schritt tes an eines der Fenster. Dieses bot gerade die Aus­sicht in die breite, langhingestreckte Straße, welche von dem Kohlmarkt hierher zu dem Palais des Ministers führte. Ein ungeheures Gewühl von Köpfen, breiten Schultern, emporgestreckten Armen ward hier sichtbar, und immer näher und näher rollte das Sturmgeheul der Volkswnth Herau.

Es scheint wahrhaftig, als ob diese edlen Volks­vertreter die ehrenvolle Absicht hätten, mir einen Besuch abzustätten, sagte Graf Thugut vollkommen ruhig. Hö­ren Sie nur, die Kerle brüllen meinen Namen, als ob er der Refrain eines schäumenden Bierliedes sei!

Das ist ja offene Empörung! rief der Polizeimini- ster zoruglühend. Erlauben Ew? Excellenz, daß ich mich entferne!

Er wandte sich hastig vom Fenster ab und griff nach seinem Hut, aber Thugut's nervige Hand hielt ihn fest.

Wo wollen Sie hin, Graf? fragte er lächelnd.

Zum Commandanten von Wien, sagte Sanrau, ich will ihn fragen, wie er einen solchen Unfug dulden kann und ihm befehlen, mit den strengsten Mitteln vorzugchen

Bleiben Sie, ich bitte Die, bat Thugut gelassen. Der Commandant von Wien ist ein weiser und einsichts­voller Mann, der sehr gut weiß, wie mau mit dem Volke umstehen muß. Es wäre doch in der That eine uner­hörte Tyrannei, wenn man dem armen Volke nicht ein­mal gestatten wollte, seine Meinung zu sagen und dem Premierminister des Kaisers seinen guten Rath zu er=. theilen. Erlauben wir ihnen doch" das, dann werden sie sich einbilden, eine ungeheuere Heldenthat ausgeübt zu haben.

Da unten auf der Straße war das Geschrei und Geheul immer ärger geworden, in dichten Haufen wälzte sich das Volk zu dem Portal des Ministerhotels heran, dessen Pforten indeß bereits von dem vorsichtigen Por­tier geschlossen worden. Kräftige Fäuste schlugen an diese Pforten, daß sie dumpf erdröhnten, und unter die­sen Taktschlägen ihrer Anführer brüllte und heulte das Volk sein wüthendes Lied: Wir wollen den Minister sprechen. Er soll uns Frieden geben! Frieden! Friedens