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Hersseldcr Anzeiger.

Rv> 24 Hersfeld, den 23 März. 1859*

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:.

dem Königlich Preußischen außerordentlichen Ge­sandten und bevollmächtigten Minister, Kammerherrn und Legationsrath von.der ^Schulenburg-Prie- mern bas Großkreuz des Kurfürstlichen Wilhelm- ordens zu verleihen,

den Hauptmann Bauer, a la suite des Leib­garde Regiments, von der Dienstleistung als Platz­major von Cassel zu entbinden und zum Compagnie- Chef im Leibgarde-Regiment zu ernennen.

Ein Zephyrhauch.

Es war im Sommer 1780, als der Noyal George, schon wie es sein königlicher Name bezeugt, ein stattli­ches englisches Linienschiff von 108 Kanonen, nach lan­ger Abwesenheit von einer auswärtigen Station heim­kehrend, in Chatham ankerte. Einige Tage nach der Rückkehr beschloß der Commodore, den Officieren der auf Spithead versammelten Flotte und so vielen lange nicht gesehenen Freunden vom Lande ein Fest zu geben. Die großartigsten Anstalten wurden dazu getroffen, das Schiff von außen und innen neu angestrichen und die Zwischendecke bis zu dem untersten gereinigt und frisch aufgeputzt. Alles, was man auf dem Niesenschiffe sah, zeugte sowohl vom Geschmack, als vom Reichthums seines Befehlshabers. Die während niedrer Jahre im Auslande gesammelten Seltenheiten und Kostbarkeiten waren überall, wo es sich mit dem Schönheitssinn ver­einigen ließ, zur Decorirung des Schiffes verwendet. Während Hunderte von bunten Flaggen, im glänzenden Sonnenstral flatternd den Royal George in allen Far­ben des Regenbogens schimmern ließen, glich sein ober­stes Verdeck, das man der ganzen Länge nach zum Ball- s^al eingerichtet, einem morgeuländischen Tempel mit Säulenhallen und hoher Kuppel. Statt der Tapeten wallte ringsum eine reiche Draperie von schwerer Pur­purseide mit goldenen Fransen. '

Aber in den eigentlichen Staatsränmen vollends war königliche Pracht entwickelt. Dort wallten an den

Wänden Sammettapeten ans Lyon, reich mit Gold ge­stickt. Unter den Mcublen bemerkte. man die kostbarsten Elfenbeinarbeiten aus Calcutta und China, Stühle und Divans aus den seltensten Holzarten mit Mosaikarbett aus Gold und Perlmutter. Manche derselben stammten aus indischen Herrscherpalästen. Die Schänktische stral- teu von silbernen und goldenen Gefäßen, darunter eine Vase mit edlen Steinen besetzt, ein Geschenk des Sul« tans von Bassora, von unschätzbarem Werthe. Echtes Rosenöl aus der Levante duftete in Krystallvasen, die in geschmackvoll drapirten Nischen ausgestellt waren; Treppen und Parqnets waren mit kostbaren persischen Teppichen belegt. Mit einem Worte, man glaubte, wenn man die inneren Gemächer des Admirals betrat, sich nicht mehr am Bord eines Kriegsschiffes, sondern in den Staatszimmern eines mächtigen Monarchen zu befinden. Alles war zum Empfange der Gäste bereit. Wohlgefällig hatte der Conimodore einen letzten prüfen­den Blick auf die von ihm getroffenen Einrichtungen geworfen, dann verfügte er sich im großen Staate auf das Verdeck, um dort wie ein König, von den Granden seines Reichs umringt, die geladenen Gäste an der Schiffstreppe zu erwarten.

Während von Dem geschmackvoll mit Mumm, Festons und allegorischen Figuren geschmückten Orchester die herrlichsten Harmonien ertönten, glitten in ununter­brochener Reihe, vom schönsten Wetter begünstigt, die langen Züge von Staatsbarken heran, welche theils die Freunde von der Flotte, theils die eleganten Herren und Damen von Portsmonth, Gosport, Portsea und von der Insel Wight herbei surrten. Die allgemeine Freude, welche auch die Schiffsbesatzw'g theilte, wurde dadurch erhöht, daß nicht das kleinste Wölkchen den Himmel trübte, nicht der leiseste guftyig über den Ocean Hanchtc.

Und doch nahete schon mitten im Jubel dem schön­sten Schiffe der Flotte, tückisch und von Keinem bemerkt, das Verderben Schon stand unsichtbar der Tod hinter jedem der mir von Luft und Freude träumenden Gäste. Keine Meuterei ist an Bocd; die Schiffsmannschaft, von den Officieren bis zum niedrigsten Jungen herab, ist dem eben so tapfern als menschenfreundlichen An-