Nr. 23. Hersfeld/ den 16 März. 185^*
Der „Hersfelder Anzeig er" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends.—Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7£ Sgr.: bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wieoerholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruht:
den Oberstlienleuant von Apell vom 3. Infanterie Regiment zum Commandeur des Schützen-Ba- taillous,
den Major Heer vom 3. Infanterie-Regiment zum Oberstlieutenant,
den Major Krupp vom 1. Infanterie-Regiment, Kurfürst, zum Oberstlieutenant im 2. Jufanterie- Regimeut,
den Major Schneider vom Artillerie Regiment zum Oberstlieutenant,
zu ernennen; ferner
den Major von Apell vom 2. Infanterie-Regiment zum 3. Infanterie-Regiment, und
den Major Bode vom Generalstabe zum 1, Infanterieregiment, Kurfürst, .
zu versetzen, sowie
den Major von OsterhauseN vom Leibgarde- Regiment zum Bataillons-Commandeur in demselben, den Hauptmann Has, Adjutant, des KriegsMi. nisterial-Vorstandes, zum Major,
den Hauptmann Matthias vom Generalstabe zum Major in demselben, und
den Hauptmann von Bischofsshausen vom Leibgarde-Regiment, zum elatsmäßigen Major in demselben, zu ernennen.
Das Gei^eefchiff.
' (Fortsetzung.) r
Ohne ein Wort zu sprechen, führte der Ostindienfahrer seine Gäste nach der Kajüte. Diese war durch eine erhellte Glaskugel düster beleuchtet und am Tische saßen zwei alierthümlich gekleidete, todtenblaffe Männer mrt halbgeschlossenen Augen, starr und unbeweglich. Der ^p'tain berührte ste mit der Hand. Langsam erhoben Nch dre Beiden, nahmen aus einem Schranke Pfeifen, und Flaschen, und bald saßen die Sechs beim gefnmen Gl au den Tisch.
„Das ist ein verdammt guter Arak; er muß sehr alt sein!" schnalzte der Stoppelfrosch, das zerrte Glas niedersetzend.
„Füufundneuuzig Jahre!" antwortete monoton der Capitain.
„Ein schönes Alter!" bemerkte Siemsen. „Wenn Ihr nichts dagegen habt, möchte ich schon ein Oxhoft davon ankaufen und das Geld Euch in Rotterdam überweisen lassen. Wie beißt Euer Rheder?"
„Jan Petersen und Vansteth!" antwortete der Schiffer.
„Petersen und Vansteth? Potz Robbe und Meerschwein! Ich will mich sofort in einen Schellfisch verwandeln, wenn ein solches Handelshaus in Rotterdam vorhanden ist. Ihr scherzt, Schiffer»! Wie lange seid Ihr devA vom Hause weg?"
„Es ist manches Jahr vergangen!" Unb sich an seine Schiffsgenossen mit den Leichengesichtern wendend, fragte der Capitain: „Wißt Jyr es noch?" — Die Beiden schüttelten mitten Häuptern.
„Hört, eine Bitte, Maat!" sagte jetzt der Ostindienfahrer. „Wäret Ihr nicht geneigt, uns einige Briefe nach Rotterdam zu bestellen? Für jedes Schreiben sollt Ihr einen Ducaten haben und ein Faß Goaarak obendrein. Hier ist vor Allem das Geld."
Die drei Männer griffen in die Taschen, aus denen Jeder eine Hand voll Schlamm, gemischt mit Seemuscheln und Goldstücken, hervorbrachte, dann zogen sie, mehre vergilbte Briefe hervor.
„Hört Maate, Ihr seid seltsame Gesellen!" rief Siemsen, während seine Begleiter mit bangen Blicken auf die Fremden schauten. „Ihr wollt nicht nach Rotterdam und gebt auch sonst so. verdächtige Antworten daß ich Euch unbedingt sür Piraten halten würde, wenn wir außerhalb des Nordmeeres schwämmen. Aber nichts für ungut! Jeder hat seine Eigenheiten, und man soll dem Wirth vom sanften Seehunde nicht nachsagen, daß er Gastfreundschaft durch Unhöstichkeit vergolten habe. Laßt uns anstoßen auf g lückliche Heimkehr!"
Die drei Ostindienfahrer seufzten und benetzten ihre Lippen mit Grog.
„An wen sind denn d-e Briefe gerichtetfragte halblaut Heudryk D«vrv ' »dem - ‘ H-md :urch