Hers selber Anzeiger.
Nr. 20. Hers seid, den 9. März. 1859*
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal ?i Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
S ei ne Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet".
dem Arzt und Geburtshelfer Dr. Carl Ferdinand Schweißer zu Treysa die Praxis als Wundarzt ir Classe daselbst zu gestatten.
Das Kaiserreich iff der Friede!?
(Aus dem Feuilleton der „Kasseler Zeitung",)
Deutsches Volk hörst du das dumpfe Grollen, Das im Westen durch die Wolken dringt? Wirst du dich denn endlich r ü st e n wollen, Eh' das mächt'ge Wetter dich verschlingt?
Meine nicht, es werde sich vertheilen, Sieh', es steht schon über deinem Haupt Und der Blitzstrahl wird dich schnell ereilen, Hast du thöricht jenem Wort geglaubt.
Waffne dich, du wirst dich schützen müssen, Elllt es dir doch, deinem eignen Heerd! Wenn der Blitz die Wolke hat zerrissen, Treff er unser Volk nicht unbewehrt!
Glaub', die Würfel sind schon längst gefallen, Alle Zeichen deuten nur auf Sturm, Darum muß ein mahnend Wort erschallen Rust's von Land zu Land, von Thurm zu Thurm!
Deutsche Völker reicht euch eure Hände, Gleich ist für uns Alle die Gefahr! Rüstet euch, so ist sie rasch zu Ende, Denn allmächtig ist dann unsere Schaar!
Mag sich dann das Wetter anch entladen, Sehn wir mittag ibm in's Angesicht; Unsre Büchsen sind zum Kampf geladen, Wenn der Donner einst die Losung spricht.
Das Geisterschiff.
Nicht weit von Goederede, am Strande des Ha- ringsvliet, steht eine kleine Schänke, deren Wirth, ein aller Matrose, im Kampfe mit einer französischen Brigg den rechten Arm sammt dem linken Fuße verloren und nach seiner Wiederherstellung sich hier angesiedelt hatte. Der alte Siemsen, so hieß der Strandwirth, galt für einen sehr lustigen Kanz, zugleich aber auch als gewaltiger Trinker, für welchen letzteren Verdacht in der That feilte pfundschwere blaurothe Nase zu sprechen schien, obgleich Siemsen wie ein Heide schwür, daß er weniger Genevre zu sich nähme als ein neugeborenes Kind.
Die L-trandschänke erfreute sich eines ziemlich zahlreichen Besuchs, denn nur selten legte ein Fahrzeug in der Nähe an, ohne daß dessen Mannschaft des Veterans gepriesenen Wachholderbranntwein kostete, oder sich aus seinem Kramladen mit einem Endchen Tabak versorgte. Das meiste Leben aber herrschte während der Zeit des Fischfangs, wo alle Häringsbüsen der Nordküste von Flakke in der Bucht einlaufen, um gemeinschaftlich in See zu stechen. Das Schänkzimmer des Wirthshauses zum „sanften Seehunde", wie Siemsen sein Etablissement zu Ehren einer längstverstorbenen Geliebten, deren Vater Seehnndsfäuger war, getauft hatte, füllte sich dann mit Gästen bis zum Ueberflnsse, und diese versorgten ihre Fahrzeuge auch noch mit verschiedenen leiblichen und geschäftlichen Bedürfnissen, deren Verkauf Siemsen bald in den Stand setzte, auf eigene Kosten eine Schaluppe auszurüsten und in See zu schicken. Der Führer dieses Fahrzeuges war Nis Classen, ein armer Tensel, aber tüchtiger Matrose, der schon drei Mal mit einem Kauffahrer Ostindien besucht und Dienste als Steuermannsmaat verrichtet hatte. Jetzt commandirte Nis des alten Siemsen Häringsbüse, aber so dienstergeben er diesem auch immer war, galt ihm doch dessen Base Grietje tom Snabel noch weit mehr, und Grietje wußte das and) denn Nis hatte ihrs selbst unter vier Augen mitgetheilt, worüber die Jungfrau aber gar nicht zu zürnen schien, denn ihr Auge leuchtete immer noch ein Mal so lebhaft, wenn des Ohms schmucker Schalluppenführer in den sanften Seehund trat.