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„Geh nur gerade den Berg hinunter, und Du kannst in fünf Minuten aus Don Jose's Flasche trinken."

Der Capitain saß mit seinen beiden Lieutenants unter einem Baume. Bei der Annäherung des Frem­den stand er hastig auf und ging diesem entgegen. Schwei­gend reichte der Ankömmling dem Oficier ein znsammen- gesulietes Papier.

Per Capitain überflog aufmerksam das dargebotene Schreiben, dann legte er es sorgfältig zusammen und Verwahrte §s in der Brusttascke seiner Uniform.

,)Die Nachrichten sind wichtig, Gusman Castro. Die Zahl der Karlisten, die Gott verdammen möge, ist eben so genau angegeben, wie der Bestand ihrer Artil­lerie und der Depots. Wo zum Henker habt Ihr diese Neuigkeiten aufgetrieben? General Cordova wird dieses Papier mit Goldstücken bedecken."

„Ich mag keinen Lohn," antwortete düster der Hi­dalgo, „sondern verlange nur Rache. Habt Ihr keine weitere Instruction, Capitain, als mit Euren Leuten in diesem Thäte zu rauchen und Cognac zu trinken?"

„Wir gedenken heute Nacht auf den Trümmern Gederas zu bivouakiren!" brummte der Officier.

„Gott schütze den General tausend Jahre laug, er hält sein Wort!" sagte Gusman,'die tigerhaft funkeln­den Augen nach dem Himmel richtend. Befolgt streng Eure Ordre! Außer den Leuten in dem Ackerhofe, vor dessen Thür drei Pinien wachsen, soll kein Mensch in Gedera vor Euren Waffen Gnade finden. Hört Ihr, Capitain? Sie müssen Alle sterben?

„Ihr seid ein furchtbarer Feind in Eurem Haß, Gusman Castro!" sagte der Reiterofficier. „Gott mag mirs vergeben, daß ich den Befehl des Generals gebüh­rend vollziehe! Am Ende freilich schadet es auch nichts, wenn einige Hunderte dieser verrätherischen Karlisten todtgeschlagen werden; ich denke sie müssen Euch stark beleidigt haben, Mann!"

„Meinen Sohn, meinen Pepo haben sie aufgehenkt wie einen Hund!" keuchte der Hidalgo. „O, Capitain, die Wunde brennt mir ins Herz, und kann bloß durch das Blut der Mörder geheilt werden. Für jedes Haar meines armen unschuldigen Kindes verlange ich das Le­ben eines Karlisten, hört Ihr, Capitain? Es müssen Viele sterben !" ~

Der rauhe Soldat wandte sich schaudernd ab und gab das Zeichen zum Aufsitzen. DieVedetten zogen sich heran, und noch glühten die letzten Sonnenstralen auf den höchsten Felsspitzen, als der Reiterzug unter Gus- man's Führung sich in Marsch setzte.

In r Gedera hatte Niemand eine Ahnung, welche Wetterwolke über die unglückliche Stadt heranzog. Vor dem Rathhause, wo sich das Depot befand, wanderte in eingebildeter Sicherheit eine Schildwache und harrte sehnlich der Ablösungsstunde. Plötzlich blieb der Mi- lizmann aufmerksam stehen, er glaubte das Getrappel einer großen Anzahl von Pferden zu vernehmen.

„Quel gente!“ rief den Hahn spannend die Schild-

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wache, als einige Reiter um die Ecke des Platzes bogen.

„El diablo I“ antwortete eine tiefe Stimme, und in dem Augenblick sank der Guerrillero von einer Kugel getroffen zu Boden.

Auf den Schuß kam die Wache aus dem Gebäude, aber ehe noch die Milizen einen Ueberfall ahnten, hieben bereits die christinischen Reiter auf sie ein. Die stille, sternenhelle Nacht wiederhallte vom Geschrei der Kämpfer und dem knatternden Feuer der Musketen und Pistolen, vom Thurme heulte die Sturmglocke, und aus den Häu­sern stürzten erschrockene Einwohner mit Waffen in den Händen, entschlossen zu tapferer Gegenwehr. Aber bald sahen die Ueberfallenen die Fruchtlosigkeit ihres muthi- gen Widerstandes ein. An mehren Orten loderte zugleich die Flamme empor, und jetzt warf Alles die Waffen von sich, um zu flüchten oder daheim zu retten. Bald stand das ganze Städtchen in hellen Flammen, und die Chri- stinos zerstreuten sich zu Mord und Plünderung, auf dem Marktplatze aber blieb eine Abtheilung derselben als Posten und zur Obhut der zusammengekoppelten Pferde. Dieses sogenannte Hauptquartier bestand aus etwa dreißig Mann und den Officiren, alle übrigen be­nutzten die bewilligte Stunde zur Plünderung.

Der Markt des Städtchens war von einem Bache durchschnitten, dessen Ufer alte- Weideabäume nährte. Hier lagen die Soldaten sorglos um ein herbeigeickäff- tes Faß Wein und zechten, während die Feuersbrunst die Nacht in Tageshelle verwandelt hatte, und das Pras­seln der zusammenstürzenden Häuser gemischt mit dem Angstgeschrei der Todesopfer kaum ihren wilden Lärm zu übertönen vermochte. Blaß wie eine Leiche, an einen Weidenstamm gebunden, stand der Alcalde Go.mez. Man hatte ihn aus dem Bett gerissen und hierher geschleppt. Bis jetzt war über die Lippen des stolzen, herzlosen Mannes noch kein Laut der Klage gekommen, plötzlich aber schrie er laut auf wie ein verwundetes Raubthier und zerrte an seinen Banden.

Ein Christino näherte sich der Reitergruppe. Auf seinen Armen trug er ein wunderschönes Mädchen, es war Jnes Gomez, blutend, mit aufgelöstem Haar.

„Was willst Du mit dieser Donna anfangen?* fragte ein Unterofficier.

„Ich brauche eine Liebste!" antwortete der Reiter. „Gelt kleiner Affe, Du gehst gern mit?"

„Laß Dich nicht auslachew!" schrie der Unterofficier. „Das Mädchen gehört zur Beute und ist unser Aller Eigenthum. ' Gieb her, ich will ihre blassen Lippen wie­der roth küssen!"

Der Unterofficier riß die halbohnmächtige Jnes aus des Reiters Armen und zog sie zu sich nieder, da griff dieser ruhig nach dem Sattel eines nahestehenden _ Pferdes und hakte den Karabiner los. Der Schuß krachte, und langsam rollte des Mädchens Leichnam das Ufer des Baches hinab.

Da schmetterten Trompetenstöße durch die Kuft, von allen-Seiten stürzten die christinischen Reiter nach ihren