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Hersfelder Anzeiger.

Nr. 18. Hers selb, den 2. März. 18SA>

Der »Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends.Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Po^ aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Major Henkel, Commandeur des Schützen- Bataillons, und

den Hauptmann von Stiernberg vom Schüz- zen-Bataillon, mit Pension ausscheiden zu lassen, ferner

den Hauptmann Mehlburg er vom Jäger- Ba­taillon zum Führer der Dtraf-Abtheilung, unter Führung ä la suite der 1sten Garnisons-Compagnie, zu ernennen.

Der Spion.

König Ferdinand VII. war gestorben, und die Blut­ströme, welche seit kurzer Zeit zu fließen aufgehört, be­gannen von Neuem Spaniens herrlichen Boden zu be­netzen, denn erbitterter als jemals haßten sich Christines und Karlisten,' nachdem die Bevölkerung der baskischen Provinzen Don Carlos zum Köuig ansgerufen hatte. Die Truppen der Regentm drangen unaufhaltsam gegen die Städte Bilbao und Vittoria vor; aber jetzt erhob sich auf Zavala's Ruf das wilde Baskenvolk, der kühnste, frömmste und im Guerrillakriege vorzüglichste Menschen­schlag, dessen furchtbarem Kriegertrotze selbst Napoleon's Granitcolonnen nicht zu widerstehen vermochten. Unter ihren Führern Zumalacarregny, Sagastibelza, Eraso, Merino anderen,Heroen bildeten sie eine Art von flie­genden Corps, die rasch wie der SturwWind aus Berg­schluchten, Brüchen und Waldungen sich auf den über­raschten Feind stürzten, und schnell, wie sie gekommen, auch wieder verschwanden, um auf einem andern Orte zu gleicher Blukarbeit hervorzubrechen.

Kaum zwei Stunden südlich von Bilbao liegt das Städtchen Gedera, welches sich durch seine Hinneigung zur Sache des Don Carlos ganz besonders auszeichnete. Die meisten waffenfähigen Männer hatten sich unter Bumalacarreguy's Fahne gestellt, und nur eine geringe Anzahl waren in Gedera zurückgeblieben, um mit Hülfe »er ebenfalls bewaffneten Frauen ein hier befindliches

Depot zu bewachen. Der Alcalde Gomez gehörte zu der Regentin Todfeinden, denn auf ihre Veranlassung war sein Bruder, ein edler Hidalgo und Anhänger Bes- sieres mit diesem hingerichtet worden, obgleich man all­gemein an seine Unschuld glaubte. Gomez brütete Rache, und da ein gelähmter Fuß ihm nicht gestattete, selbst Kriegsdienste zu thun, so wirkte er durch sein Wort, und führte bem Karlistenheere unaufhörlich Streiter und Vorrätye zu, weshalb er beim Heere unter dem Narnert el Madre bekannt, in hohem Ansehen stand.

Der Alcalde Gomez war ein wohlhabender Mann, sein größter Schatz aber eine einzige Tochter, das lieb­lichste Mägdlein der ganzen Provinz. Jnes Gomez zählte erst fünfzehn Jahre, aber schon stellten sich zahl­reiche Werber ein, die jedoch sämmtlich zurückgewiesen wurden, denn der Alcalde gedachte sein Töchterlein nur an einen vornehmen Mann §n verweilen. Ganz anderer Meinung war indessen Jnes selbst. Sie liebte ja ihren Nachbar und Schulgenoffen, Pepo Castro, den Sohn eines Hidalgo, dessen kleines Gütchen freilich eben nur so viel Ertrag gewährte, als zum Unterhalt der Familie diente. Der achtzehnjährige Pepo und Jnes gedachten jedoch nicht der Gefahr, welche ihrer Liebe durch des Alcalden Hochmuth drohte, nur waren sie besorgt, das Geheimniß ihrer Herzen, welches allein Teresa, Jnes alte Amme und Vertraute kannte, vor aller Welt ver­borgen zu halten.

Lange Zeit hatte Niemand von dem Herzensbunde der jungen Leute eine Ahnung, denn ihre heimlichen Zu­sammenkünfte fanden stets unter dem wachsamen Auge der alten Teresa statt, da. fügte es der unglückliche Zu­fall, daß ein verkrüppelter Schreiber, welcher sich hin' tcr dem Gartenzaune des Alcalden ins Gras gelagert hatte und dort faullenzend sein Cigaritto rauchte, die Liebenden belauschte. Giftig und neidglühend, wie alle gemeinen Naturen; denen die Traube unerreichbar hoch hängt, vernahm der Schreiber der Jungfrau zärtliche Worte, erblickte sein trübes Auge des Jünglings Av- schiedskuß, und als die schlanke, hübsche Mannesgestalt an ihm vorübereilte,' fühlte der Krüvpel einen unbe­schreiblichen Haß gegen Alle, die sein elendes Dasein verschuldet und gepflegt, denn aus ihm lastete ja für im-