Hersfel der Anzeiger.
Mp. IV. Hersfeld/ den 26 Februar. 185S.
Der „Hers seid er Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis deffel- ben bei der ^Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post- aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wieoerholungeu mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den zur Dienstleistung bei der Train-Abtheilung commandirten Premierlieutenant von Stamford vom Artillerie-Regiment ä la suite desselben zu setzen, dem Hofbau-Juspector Heinrich v. Dehn-Rotfels er, zu Wilhelmshöhe, das Prädicat „Hofbau- meister" zu ertheilen,
den Regierungsrath Scheffer zu Marburg zugleich zum Mitgliede des dasigen Consistoriums und den Referenten für das Dommanial-Bauwesen bei 'sder Oberfinanchammer, Baurath Breithau pt, zugleich zum Mitgliede der Oberbaucommission zu er- nennen,
dem Physikus Dr. Spe ier hierselbst das Physikat für die Justizämter Cassel II. und Oberkaufungen und dem Physikus Dr. Schütte dahier das Physikat für die Justizämter Cassel I. und III. zu übertragen, den Geheimen Regierungsrath Ungewitter zu Cassel von der Stelle eines Mitgliedes der Direktion des Landkrankenhauses für die Provinz Nieder- Hessen zu entbinden, dem vom Erblandpostmcister, dem Herrn Fürsten von Thurn und Taxis, zum Postverwalter in Bieher auf Widerruf in Vorschlag gebrachten Kaufmann Heinrich Courad Schade daselbst die allerhöchstlan- desherrliche Bestätigung zu ertheilen.
Der ZamilLerrschatz.
(Fortsetzung und Schluß.)
Die Russen sahen den jungen Kriegsgefangenen staunend an und schienen Lust zu haben, das Ganze für einen Scherz zu halten. Da der Graf schwieg, wiederholte^ Pourvu seine Worte und fügte einige Bemerkungen über die unmenschliche Sitte der Sklaverei hinzu.
„Wir vergessen nicht, daß Sie Gast sind, Herr Kamerad, müssen aber auch bitten, sich nicht verletzend über unsere Staatseinrichtungen auszusprechen!" sagte
Trubkoi. „Was übrigens die Angelegenheit meiner Leibeigenen betrifft, so halte ich Ihre Versicherung für Scherz, denn ein kaiserlich französischer Offizier kann nimmer ernste Absichten auf eine Krepostna haben."
„Ich scherze nicht in so ernster Sache, Herr Graf. Noch einmal, ich liebe Fränlein Minka Newadommy und wenn Sie mir die Dame verweigern, mutz ich sei* bige erobern oder dabei untergehen. Also Ihr letztes Wort: Wollen Sie, daß ich Ihnen die Hand zum Danke oder mit der gespannten Pistole entg'egenhalte?"
Das bisher so freundliche Antlitz des Grafen Verdüsterte sich. „Der Capitain Trubkoi ist nicht gewilligt, sich dem Uebermuthe eines Kriegsgefangenen zu fügen!' rief er. „Das Mädchen bleibt leibeigen, selbst wenn ich von Ihrer Kugel fallen sollte."
„Dann, mein Herr, erwarte ich Ihren Secundan- ten!" antwortete Pourvu. Er stand auf und verließ die Gesellschaft. —
Drei Tage später ritten der Hauptmann Koineff und Pourvu, gefolgt von einem Diener, aus dem nördlichen Thore von Smolensk auf der Straße nach Bely. Das Duell sollte in einem Steinbruche, dreiWerste von Smolensk Statt finden, und als die Reiter sich diesem näherten, erblickten sie bereits den Wagen des Gegners neben einer von drei gewaltigen Bäumen überragten Anhöhe. Nachdem die üblichen Begrüßungen vorüber waren, griff man zu den Pistolen.
„Stelle Dich auf diesen Hügel und schane hinüber nach der Richtung von Poriedsche, daß man uns von dorther nicht überrascht!" befahl Capitain Trubkoi seinem Diener.
„Poriedsche!" wiederholte der Franzose. Er starrte nach der Anhöhe, schien sich zu besinnen und erbleichte.
„Die Barrieren sind abgesteckt!" ertönte des Unparteiischen Stimnie. Beide Gegner traten auf ihre Plätze.
Attention! Avancez!“ — Die Schüsse krachten. Pourvn ließ das Pistol fallen und ein dunkler Blutstrom rann von seinem Arme herab. Er eilte auf Trubkoi zu.
Herr Capitain", rief er, wollen Sie mir die Familie Newadommy überlassen, wenn ich den geraubten Fa« milienschntz wiederschaffe?"