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Hcrsselber Anzelger.

NP> 15» Hers selb, den 19. Februar. 185S>

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends.Preis deffel- ben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7£ Sgr.: bei den Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden aufgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Einnehmer Julius Friedrich Wilhelm Wis- kemann auf der Eisenbahn-Station Zimmersrode, zum Renntnicister in Lichtenau provisorisch zu ernennen, den Regierungs-Assessor von Motz zu Hanau zum Regierungsrath bei der Regierung zu Cassel zu ernennen,

den Regierungs-Assessor Althaus zu Marburg an die Regierung in Hanau zu versetzen, denselben auch zugleich zum Assessor des käsigen Cousistoriums, sowie zum landesherrlichen Commissar hei, dem is­raelitischen Vorsteheramte für die ^Provinz Hanau, ferner

den Landrath Scheffew zu Hofgeismar zum Re- gierungsrath bei der Regierung zu Marburg und zugleich zum landesherrlichen Commissar bei dem israelitischen Vorsteheramte für die Provinz Ober­st esse m

den Registrator im Ministexium des Innern, Da­niel Waßmuth, zum Repositar bei demselben,

den Hülfslehrer Dr. Reinhard Suchier am Gym­nasium zu Hanau zum ordentlichen Lehrer an dem­selben, und

den Gymnasial-Practicanten August Preime da- hier zum Hülfslehrer an dem Gymnasium hierselbst, den letzteren provisorisch, zu ernennen,

dem Gymnasial Oberlehrer Dr. EduardWesener zu Coblenz die erledigte Direktorstelle am Gymna. sium zu Fulda zu übertragen, den Förstaufseher Justus Lampmann zu Vecker- Hagen zum Revierförstex des Forstreviers Ulfen pro­visorisch zu ernennen,

Der FamilienfchaH.

An der Tschernaja, nahe bei der Wasserleitung, welche sich in starker Krümmung um die Kielbucht des Hafens- von Sebastopol zieht, lagerte als Feldwacht eine Conrpagnie französischer Voltigeurs. Gerade von dieser

Seite her hatten die Russen schon einige Male Ueber- fälle auf die Approchen vordem kleinen Redau versucht, deshalb war der ganze Strich zwischen dem Hafen und dem Berghange mit einer doppelten Postenkette besetzt, zu der jedes Regiment allwöchentlich sein Contingent stellte. Diese fast ängstliche Vorsicht aber schien über­flüssig, denn Monate vergingen, ohne daß vom Norden her ein russischer Flintenschuß fiel.

Nahe der Brücke, welche oberhalb ihrer Doppel- mündung die Tschernaja überstreift, befand sich ein von der Feldwacht detuchirter kleiner Posten, bestehend auk einigen zwanzig Mann. Der Befehlshaber dieses De- tacheinents ein junger blonder Officier, saß mit dem alten weißbärtigen Sergeantmajor am Feuer, die Cigarre im Munde und einen Lederbecher mit dampfenden Punsch .vor sich, denn die Nacht war tüchtig kalt. Ueber der ganzen Gegend lag tiefes Schweigen, nur von der bela­gerten ötabt herüber dröhnte von Zeit zu Zeit ein ßa= nonenschuß, oder stieg ein Raketenbündel empor zur Beobachtung der feindlichen Thätigkeit.

Noch ein Glas, Sergeantmajor Sellier!" rief Li­eutenant Pourvu, dem alten Unterofsieier die Flasche mit Punschessenz hinreichend und auf den Feldkessel zei­gend, in welchem heißes Wasser brodelte.Wie gefallt Ihnen die Macht, Alter? Bereuen,! Sie nicht, nochmals in Rußlands unwirthsame Steppen gezogen zu sein'an­statt daheim im warmen Garnisondienst zu bleiben? Es wird noch manche kalte Nacht vergehen, ehe wir den verdammten Malakoff in unsere Gewalt bekommen."

Es litt mich nicht daheim, Herr Sieutenmit, als ich von dem neuen russischen Feldzuge vernahm!" erwi­derte der Unterofsieier.Heute vor dreiundvierzig Jah­ren irrte ich mit des alten Kaisers vernichteter "Armee durch grauenvolle Schneesteppen, halb todt vor Hunger und Kälte, verfolgt von Kosacken und räuberischem Bau- erngefindel, ohne Hoffnung, jemals mein Vaterland wie- derzusehen. Und doch, mein Lieutenant, war ich ein reicher Mann und bin es gewissermaßen noch, aber frei­lich ohne AtMicht, jemals . wieder zum Genuß meines Vermögens zu gelangen. Seit wir uns vor der ver­dammten Hafenfestung herumtreiben, habe'ich jede Hoff­nung ausgegeben, ins Innere Rußlands zu gelangen und