Hers selber Anzeiger.
Rv. 1S HerSfeld, den 9. Februar. MS59<
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Novelle von Leo Goldammer.
(Fortsetzung.)
Während dieses Bekenntnisses schon hatte Samuel immer auf das Klatschen der Wasser wie es gegen die entfernteren Häuser anschlug, auf das dumpfe Stoßen der Eisschollen gegen die Bäume gehorcht, ivelcbe die Wogen mit sich führten. Jetzt aber sah er die ganze Ebene gegen den etwas höherlsegenden Wald wie mit aus Sturm fahrendem Nebel überfliegen, und er sagte sich, daß die Fluth, schräg in das Wid eingestürmt und anprallend gegen den Wald, nun nach dem Damme zu» rückschlagen müsse. Ebenso schnell aber, als er dies ben- ken konnte, brandete auch schon eine ungeheure Welle gegen das Gefängniß, an, sprühte ihren Schaum wie ein Platzregen in die Luft, und leckte an ihnen vorüber mit solcher Macht, daß sie davor zu' Boden stürzten. Ein Glück für Beide, daß sie die Besinung nicht verloren, Mn derselbe Augenblick sah sie - auch wieder auf den Füßen, mit mächngen Sprüngen dem Damm zueilen und ihn erklimmen.
„ Oben auf seinem Rande hielten sie an, um Athem zu schöpfen, und blickten zurück in die Tiefe, aus der ihnen die Wogen wie eine wüthende Meute nachznklet- fern schienen. Samuels Auge schweifte dann hinüber nach den: Park^nnd sein Herz rechnete, ob die darin Besinnlichen das Schloß schon erreicht haben könnten. Eben wollte er dahin, sich Gewißheit zu verschaffen, als eine seltsame Bewegung ganz in seiner Nähe ihn von diesem Entschlüsse wieder ablenfte.
Auf dem Damme wimmelte es nämlich von- Menschen und Web, Alles bunt durcheinander und in großer Einträchtigkeit, wie es Die Noth lehrre. Jedes suchte und rief nur nach den ©einigen, hatte es die gefunden, oder wußte es sie nur geborgen, in dein wohnlichen Dachraum seines Hauses, so setzte oder stellte sichs ruhig zu einem der jetzt überall ausflameuden Feuer, um seine Kleider zu trocknen. Bewüdms vor dem Schlosse todt bieg der Fall, aus dessen N cn,Höfen das Holz in Haufen das Material dazu hergab. Hier und da nur
sah man ein verzweifeltes Gesicht und der Mann zü diesem überdachte den Schaden, welchen der Stromsand seinen Aeckcrn zufügen müsse und brächte die Rettung seines armseligen Lebens dagen nicht in Anschlag.
Wie gesagt aber, bei den Meisten war dies nicht so der Fall Sie liebten das Leben mehr als jhr Gut und freuten sich, es gerettet zu haben und hofftest dabei, wenn Alles nur erst vorüber sei, und das Waffer'stch wieder verlaufen habe, es werde dann eben nicht schlim» Hiersein, als es schon manchmal gnvesen, wo der Schlamm des Stromes ihre Aecker nur um so fruchtbarer gemacht habe. Diese wunderte es darum gar sehr, als sie plötzlich vier Menschen eines der auf cen Damm geworfenen Boote ins Wasser lassen, dann nach den R .dern und einer Fackel greifen und in den Fluß hineinsabren sahen.
Der Gastwirth, als einer der Ersten, welche dieses Beginnen bemerkt hatten, ließ sogleich seine Stimme mit einem der seichien Witze hinter ihnen los, welche nicht selten von seinen Gästen belacht wurden:
He, Nachbarn! Wohru? Und was wollt Ihr mit der Fackel im Boot? Doch nicht auf den Krebsfang? Ihr werdet eh selber ein Krebsfang werden, als Euch das glücken kann!
Und an diese Worte schloffen sich die ernsteren Mahnungen vieler Anderen an, daß das Boot einen Leck habe von, ben Schollen daß der Strom an die zweitausend Fuß breit sei zwischen den Dämmen und daß sie ertrinken müßten, wenn sie nicht abließen von ihrem Wagstück. '
Das Boot aber trieb weiter und weiter gegen die Mitte des Stroms, und schwamm eben aus dem Lichtschein eines der Dammfeuer in die dunklere Fluth hinaus, als es von Samuel und Hans Brenntner bemerkt wurde. Die sich jetzt stärker gegen die Nacht abstehende, umqualmte Wuth der Fackel auf seinem Borde ließ sie sogar in den Ruderern die Männer von den Weibern unterscheiden. Sie ahnten nicht blos, sie erkannten auch die verwegenen Schiffer und mit der, durch den Gedan» kcn, daß sie entkommen konnten, aufs Neue erweckten Wildheit seines Charakters schrie Brenn ner:
Das sind die Jogschiesens! die Judenmörder!
Und mit der geschäftigen Eile des glühenden Rachr-