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dem Rauchfang, wenn man ihn so nennen will, da er eigentlich nur in einer faminartigen Abmaurung besteht, die den Rauch unter das Dach leitet, sich nach Belieben dort einen Weg durch vas Rohr zu bahnen, nachdem er zuvor die hier aufgehängten Würste, Schinken und Speckseiten geräuchert hat. Neben dem Feuer eerd erkennt man das Heizloch des mächtigen Ofens, welcher von Backsteinen in die gemeinsame Wand der Wohn- und Schlafstube so hiNeingebaut ist, daß er sie beide zugleich erwärmt. Vor und hinter dem Fcuerheerd bestnden sich die Thüren nach den Zimmern. Daö üst die rechte Seite des Flurs. Auf der linken sind die Stätte für das Roß, das Rind- und Schaafvieh. Die Schweineställe befinden sich in der Regel auf dem Hofe, oder seitwärts Dom Hause, und sind von Brettern und Zacken, mit Moos und Kiesernadeln gegen den Frost verwahrt, nicht aber gegen den Wolf, dessen Angriffen sie im Winter nicht selten erliegen.
So war das Haus, wie die meisten der Gegend, nur war es in sichtlichen Verfall gerathen, und auch das Vieh in den Ställen war verkümmert und spärlich.
Hans Brenntner war also mit einem Satze ins Haus,' und eh' sichs die, grade am Heerde beschäftigte Wittwe versah, hatte er sie gefaßt, und mit einem Ruck in den gegenüberliegenden Stall geworfen. Darauf stöpselte er die Thür hinter ihr zu,' und war damit fertig, noch ehe der Amts-Wachtmeister aus dem Schlitten war.
Ins Wohnzimmer darauf getreten, und den Amts- Wachtmeister, den Landreiter und die Knechte erwartend, sagte er mit drohender Stimme zu den dort anwesenden beiden mindestens sechs Schuh hohen Burschen von siebzehn und neunzehn Jahren und ihrer älteren Schwester:
Ihr habt den Rabbiner ermordet I Eure Mutter hat schon gestanden!
Die drei Beschuldigten, schon durch die vorfahrenden Schlitten erschreckt, richteten ihre gewaltigen Leiber in die Höh' und standen toie Pfeiler, welche die Decke des niedrigen Zimmers zu tragen haben. Aber Keiner sprach ein Wort.
Und von Neuem schrie ihnen Hans Brenntner entgegen: Mörder! Bekennt! und machte die Bewegung des Tigers, der sich auf seine Beute stürzt. Dies aber entflammte den Zorn im Auge des Mädchens, und ihr Arm holte aus, nach dein Richter zu schlagen. Der jedoch unterlief sie geschickt und versetzte ihr einen Schlag ins Gesicht, daß sie betäubt zu Boden stürzte.
Blitzschnell stürzten ihre Brüder über Hans Brenntner her, und über die Brüder wieder die Knechte. So dröhnte das kleine Gemach von mächtig hämmernden Fäusten einen kurzen, aber nicht unblutigen Augenblick. Da hatte der Amts Wachtmeister eine Entdeckung gemacht, die dem Kämpfe ein schnelles Ende verlieh. ,
- Mit donnernder' Stimme Halt! rufend, zeigte er auf das Mädchen am Boden, deren Röcke sich beim Hinfall verschoben hatten, und ein Zipfel von schneeweißer Leinwand stahl sich verrätherisch unter denselben
hervor. Laut fluchend und lachend ergriff ihn der Landreiter und zerrte und zog — und an dem Zipfel saßen ein dreißig Ellen, die sich nach und nach unter den Kleidern hervorhaspeln ließen. —
Ohne Widerstand ließen sich die Brüder nun fesseln und auch die Schwester und die Mutter wurden gefesselt, und als sie hinausgeführt waren — da standen sie vor dem Schlitten mit der Leiche des Ermordeten.
IV.
Acht Tage später ist Ostern vorüber und —■ Tarr- wetter. Am Himmel treiben die Wolken und es ist Nacht. Der Westwind bläst mit heftigen Stößen in den Wald seine Trompete, in die Schlote seine Orgelpfeifen. Der Regen klatscht, der Strom 'donnert und in den Thürmen wimmern die Glocken. Tausend Stimmen sind laut in der Luft und singen des Winters Abschied in schauriger Harmonie. Das plötzlich eingetretene Thauwetter stürzte den Schnee in unzählichen Bächen in den Strom und die Wasser aus Rußland und Polen und Preußen schwollen ihn hoch auf und hatten seine Elsdecke gebrochen. Schon ist alles Vorland zwischen dem Ufer der Gilge und den: Dämm unter Wasser, und die Bewohner der Häuser, welche sich dort anbau- ten, flüchten unter das Dach, wo 'sie in Voraussicht dieses Ereignisses schon eingerichtet sind. Gegen die Pallisaden und Eisböcke um ihre Häuser wirft der Strom seine Eismassen, schiebt sich an ihnen in die Höhe und wirbelt sie krachend vorüber.
Auf den: Damme sind Posten ausgestellt, um den Eisgang zu überwachen. Ein Reiter in dunklem Mantel jagt von einem zum andern. Es ist der Amtswacht- meister in seiner Eigenschaft als Oberdamm- und Deich- Jnspector. Eben hält er sein Pferd an. Es ist • zwischen dem Kreuzkruge und dein Schlosse. Hören wir ihn.
Wie stehts, Wache?
Die Feldmäuse haben viel Schaden augerichtet, das Wasser sickert au vielen Stellen durch den Damm und ist in beständigem Wachsen.
Wie, Vater Mittrich? Ihr habt Euch selbst auf den Damm gestellt? Warum habt Ihr nicht Eure Leute geschickt? Ihr seid ja krank.
Ich bin gesund.--Meine Leute helfen den Scheiwers auf dem Vorlande ihre Habseligkeiten auf den Damm schaffen. Sie trauen der Festigkeit ihrer Pallisaden nicht recht und haben bei mir ihre Zuflucht gesucht.
Ich Habs den: faulen Volke schon im Sommer gesagt, aber das hört nicht! — Habt Ihr meinen Samuel nicht .gesehen?
Mit bem Gastwwthe patroullirt er den Damm ab ----
. Schon gut, schon gut, ich muß nach Lappinen, da