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Die kluge Frau werthe Herren, und ihre Dummheit, werthe Herren, das ist die Wiegenmutter und ihre Untersuchung, will ich damit sagen, meine Herren, das ist die ganze Schuld an dem Unglück. Sonst wäre das Mädchen nicht auf den, Gedanken gekommen, ihren Zustand verbergen zu können, sonst wär' ihr nicht einge­fallen. das Kind heimlich begraben zu wollen, und wars ihr nicht auch gelungen beinah? Da aber mußte stist wieder die Jnspectorin bei mir sein, als -sie vom Wildkßller zurückkam in der Nacht und Alles durch ihre Mgst an den Tag brächte. Das ist Gottes Finger, dachte ich bei mir, und bin gar nicht bange darum, daß er sich nicht auch über den noch erbarmen wird, der al­les dies Unglück angestiftet hat.

8i:. Als die gutmüthige, ein wenig schwatzhafte und neugierige alte Dame das Zimmer verlassen hatte, um nach ihrer Kranken zu sehen, athmeten Alle ein wenig freier auf. Nur Samuel Liedke schien noch immer sein düster blickendes Auge in die Seele Hans Brenntners S bohren zu wollen und grollte im Innern, daß der

mit einem Eide sollte loskaufen können.

Und nun begann der alte Amts-Wachtmeister das zweite Examen, dessen Ergebniß ihn der Vorfall von gestern Nacht in dem Krnge und das Erscheinen des Juden im Gerichtssaal schon ahnen ließ.

Erhebe Dich, Jsaac, und klage!

Gottes Segen über Dich, barmherziger Richter! -entgegnete dieser, indem er aufstand in seinem Winkel und sich hintastete mit feinem L-tabe bis an den grünen Tisch.

Dort berichtete er nun, was wir schon wissen, wie die Juden, ihr Ostern zu feiern, in Tawe sich versam­melt hatten, das Ausbleiben des, Rabbiners ihnen die Gewißheit eines ihm widerfahrenen Unglücks aufgedrängt und die Nothwendigkeit, ihn zu suchen,, sie auseinander getrieben habe.

Und wir zerstreuten uns nach allen Winden, wie vor dem Zorn Adonais und fragten an allen Thüren nach dem Rabbiner. Meinen Weg führte mich der Herr ins 'Gebüsch, gegen Rucken hinauf, das geschlossene Dorf in den Elfen.. Und da pochte ich aus Haus der Jogschiesens, das liegt, wie Ihr wißt, eine Strecke vom Dorfe ganz einsam und schaurig im Walde. Ge­rechter und billiger Richter! Ihr seid ein Mann Gottes, Ihr habt einen gesegneten Ngwen im Lande und seid eine Freude, wo Ihr Euch zeiget! bei den Jogschiesens ist das der umgekehrte Fall, und so war ich gefaßt auf eine grobe Antwort auf meine Frage nach dem Rabbiner. Statt dessen aber bekam ich-gar keine Antwort, nnd die Thür flog mir ins Schloß vor der Nase mit einem lauten Gekrach. Gott ist mein Zeuge, ich war sehr er­schrocken bei dem Knall und zitterte am ganzen Leibe und konnte nicht weiter sogleich. Und als ich mich fasse und sammle, da hör ich und vernehm ich durch die niedrigen Fenster des Hauses, wie die Wittwe Jog- schiefen sie war es, das sagte mir Ephraim, der kleine

Bursch, von dem ich muß borgen die Augen, ich blinder Mann!--- ich hörte also, wU die Wittwe in die Stube eintrat, und ihren Kindern Juries mit ihrer har­ten Stimme:da fragen sie schon nach dem Juden!" Sb war mirs, als hört ich, und bekam eine große Furcht vor den Leuten und dachte an Flucht. Es konnte aber auch gewesen sein, sie hatte nur gesagt:da fragen sie nach einem Juden," und das hielt mich, zu verweilen, und zu denken darüber, denn ich möchte doch bleiben ein gerechter Mann und die Menschen nicht bringen in schlimmen Verdacht. Ob ich aber das erste oder das andre gehört es klang mir wie beides im Ohr, es war mir gekommen wie ein Blitz, ich hatte den Sinn nicht gemerkt. Ich blieb also stehen und legte mein Ohr an die Laden und flehte zu Gott um Gewißheit. Die Menschen aber waren stumm geworden, und ich horchte umsonst. Da sagte mir Ephraim, er gucke durch ei­nen Spalt in der Lade und sehe die Menschen. Was siehst Du, mein Bursch?Ich sehe sie sitzen um8 8id)t und sie sprechen mit den Fingern und machen sich Zei­chen--Gott f^U uns schützen! so rief ich und schließe dem Burschen den Muno und er versteht mich und braucht seine Beine und so laufen wir und stehen nicht, still, als im Dorf.--Was ich da klopf an den Thüren, an der ersten und zweiten und dritten, überall hatten sie gehandelt mit dem Rabbiner, denn er war ein gar billiger Mann und alle lobten ihn, und stimmten überein, daß es um Mittag gewesen als sie gehandelt mit ihm und ihrer etliche hatten ihn auch sehen seinen Weg nehmen gen Tawe.

Gerechtester Richter, ein Jude darf gehen kein Haus vorbei, er muß bieten allen Leuten seine Waare, er braucht. Brot, um zu leben. Gewesen drum ist der Rab­biner beiden Jogschiesens, und die Menschen haben ihm Uebel gethan, oder Gott hat ihn lassen ver­derben auf dem Wege dahin.

Mit dieser Ueberzeugung macht ich mich auf noch die Nacht, und schleppte meine Jahre und meine müden Füße, Hülfe unb Rath zu ersuchen von Euch, dessen Wandel Gott segne bis an'sEnde! So kam ich in Eure Wohnung, so wies man mich in den Krug und der Herr ist allerwegen, er offenbarte sich allda durch den Mund eines Sehers!---

Der Rabbiner ist ermordet, das ist kein Zweifel!

Mit diesem Ausrufe sprang Brenntner von seinem Sitze auf. Kein Zweifel! Kein Zweifel! Der Rabbiner, ist ermordet! Ich lasse die Schlitten anspannen, um die - Jogschiesens sogleich in Verhaft zu nehmen.

Nach diesen Worten eilte er hinaus nnd in die Ställe des Schlosses und betrieb eifrig, was er gesagt hatte, indeß sich der alte Amts Wachtmeister nur lang­sam von seinem Erstaunen darüber zu erholen vermochte.

Wir haben ihn alle in Verdacht, der Verführer Eures Kindes zu sein. Treibt ihn bic Angst des Gewissens zu dieser überschnellen Gerechtigkeit gegen andere?