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Hersfcldcr Anzeiger.

Nr. g, Hersfeld, den 22. Januar. * 1^59>

DerHo. Lfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends.Preis dessel­ben bei der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7z Sgr.: bei den Postanstalten kommt der übliche Post- Glisse lag hinzu Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wieverholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Compagnie-Wundarzt Dr. Säumt er vom Leibgarde Regiment und den Compagnie-Wundarzt Dallwi^orn^j^ zu Assistenz- Aerzten zu erüMiMst bem von dem Erblandpostmeister, dem Herrn Für­sten von Thurn und Taxis, zum Postverwalter in Rosenthal in Borschlag gebrachten Postgehülfen Ja­cob Möller zu Marburg die allerhochstlandesherr- liche Bestätigung zu erteilen.

Em Gerfterefchep.

Novelle von Leo Goldammer.

(Fortsetzung.)

Dein Verführer hatte Dir die Ehe versprochen. Wer ist er?

Väter, ich kam mit dem Vorsätze ins Gericht, ihn nicht zu nennen^die Thräne aber in' Deinem starren Auge sie fiel nur wie die Flamme der Hölle in die Seele'--Um meinetwillen wollte ich den Elenden seiner ewigen Furcht vor mir und der Rache Gottes über­lassen um Deinetwillen aber sei er entlarvt unser meinen Richtern dort sitzt ev!

Die Dirne lügt, schrie Hans Brenntner und sprang auf.

S-e spricht die Wahrheit, donnerte ihm Samuel entgegen.

Hans Brenntner zitterte am ganzen Leibe, sein schwar­zes blitzendes Auge leuchtete wie eine erlöschende Fackel und endlich brächte er mit bebender Zunge die Worte hervor:

Ich bin bereit, einen Eid zu leisten, daß sie lügt.

Einen Blick voll Hoheit und Verachtung warf die Vatcr^^e au^ ^" Richter, dann sprach sie zu ihrem

Erlist schon dem Teufel verfallen!

So erlöse Du Deine Seele von ihm und bekenne Deine Schuld! war dessen Antwort darauf.

Das Mädchen aber brach wieder in heftiges Wei­nen aus und blieb bei der Betheuerung:

Eine Mörderin bin ich nicht! i

Eine Weile betrachtete sie der alte Mann mit stum^ men Blicken. Die starre Verzweiflung in seinen Miene trat aber in den Kampf mit seiner alten Liebe zu dem Kinde und endlich blieb mir noch der Schmerz um das Opfer eines schändlichen Verraths in ihm zu lesen. Und so wendete er sich gegen den AMs-Wachtmeister;

Laßt Eure Leute hinausgehen in beh Park des Schlosses nach, bem Wildkeller, da werden sie das Kind finden unter der Treppe.

Das ist wahr! das ist wahr! rief die Ge­fangene fast athemlos und mit weit ausgehenden Augen Weißt Du das, aber Du sahst mich doch keinen Mord begehn?!

Nicht ihr, sondern gegen die Richter gekehrt, ant­wortete der Greis mit eintöniger Stimme:

Es heißt nicht mit Unrecht: wenn eine Mutter ihr Kind mordet, bann sei sie von Sinnen. Ich habe ih­ren Geist gesehen der zeigte mir die Stelle.

Allbarmherziger Gott! Die Amtmännin hatte mich nach dem Wildkeller geschickt ich glitt aus aus dein Treppe und stürzte hinunter unb als ich erwachte aus meiner Ohnmacht, da lag das Kind zu meinen Für­sten aber es war todt es war todt gemordet hab' ich es nicht!

Nach diesem in höchster Aufregung und Seelenangst abgeleisteten Bekenntniß brach die Gefangene zusammen und lag am Boden gleich einer Leiche. In demselben Augenblicke aber trat die Oherumtmännin ins Zimmer und beichtete dem Amts-Wachtmeister, daß sie gelauscht habe an der Thür, und bat ihn, die Arme auf ihr Zim­mer bringen zu dürfen, um sie ins Leben zurückzurusen; sie habe sich immer so ordentlich geführt und sei gewiß keine Mörderin.

Der Amts-Wachtmeister bewilligte ihr dies mit ei, nein Nicken des Kopfes, und während die Ohnmächtige aus dem Gerichtszimmer Hinweggetragen wurde, fügte die Amtmännin hinzu: