Hers seid er Anzeiger.
^P> L. Hersfeld/ den 15. Januar. - 1859+
/ g . Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. —Preis desselben bei der Expedition (Nenmarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wieoerholuugen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Rechtspracticauten Johann Bernhard Coll- manu in Fulda 'zum ÄmtL Assessor bei dem Justizamte I. in Rotenburg zu bestellen und
den Justizbeamten Wilhelm August Wachs zu Sontra auf sein allernuterthänigstes .Nachsnchen in den Ruhestand zu versetzen, '
den Probaturgehülfen Heinrich Schmidt zum Probator bei der Oberfinanzkammer provisorisch zu ernennen, und ,
den Revierförster Carl Heinrich Müller zu Ulfen in gleicher Eigenschaft auf das Forstrevier Hundels» hausen zu versetzen..
Ein ©n^rrfr^er.
Novelle von Leo G o l d a in m e r.
(Fortsetzung.)
Was für eine Meldung, Vater Mittrich? Beruhigt Euch doch!
Ihr wißt, um die Wirthschaft im Großen zu lernen, gab ich meine Tochter zur Oberamtmäuuin aufs Schloß. Wie Kind im Hause ward sie da gehalten. — Ach, hätt' ich sie lieber nicht aus meiner Aufsicht gelassen! Doch was sag ich! die Amtmännin ist eine gute Frau, eine seelengute Frau. — Nein, sie ist eine schwache Frau. — Aber, was beschuldige ich sie! Und bei dem stets in sich gekehrten und ernsthaften Mädchen, wer hätt' auch da fürchten sollen? Nur als Kind war sie' fröhlich und schon auf der Kantorschule gewann sich ihr We'eu keine Freundin mehr, nud sie wollte auch keine,— Doch, das soll kein Vorwurf sein, das war ihre Natur, und ich freute mich ihrer Ehrbarkeit als der sichersten Hüterin ihrer Unschuld, und wer hätte sich nicht freuen sollen über das sittsame Mädchen! — Aber die Feuer loscht nichts, welche verschlossen gebrannt. — Ach, Freunde, wißt, was ich sagen will! Ihr hörtet' von dem schimpflichen Verdacht, welchen die Jnsvectorin gegen
sie anzuregen gewußt. — Die Juspectorin ist eine boshafte Zunge, alle Welt hielts für Verläumdung ich war mirs gewiß — und als das böse Weib jene Untersuchung erzwäng, welche ihren Argwohn so ganz widerlegte — o Freunde, o Freunde, das ging nicht mit -rechten Dingen zu! Meine Tochter — Meine Tochter --doch morgen werdet Ihr Alle es wissen —
Der Klte Mann konnte nicht weiter reden; er sank erschöpft zurück und eine Stille trat ein, daß man das Nagen des Holzwurms vernehmen konnte.
Alle sahen nach ihm mit der herzlichsten Theilnahme und in diesem Augenblicke rückte die Uhr aus, und ihr Hammer cheganu mit langsamen Schlägen 1, 2, 3, 4. Dann hörte man eine Hand auf der Thürklinke und Aller Augen wandten sich dahin. Die Uhr schlug weiter 5, 6, 7, 8, und die Thür drehte sich in ihren Angeln; Aller Mienen wurden bleich, Aller Herzen standen still — und die Uhr schlug 9, 10 und 11 und mit den: 12. Schlage flog die Thür auf — die Lichter verlöschten und Niemand trat ein. Aber ein eisiger Hauch durchflog daS Zimmer und berührte alle Anwesenden wie de? Finger des Todes. —
Eine bange, bange Minute der lautlosesten Stille verstrich so in tiefster Finsterniß— nur über dem Scheitel des Geistersehers schien es zu leuchten wie der letzte Schimmer eines hinter Wolken verschwimmeudcn Mondstrahls — dann fingen die Lichter plötzlich wieder an zu brennen, und durch die noch offene Thür trat ein — - der ewige Jude.
Den Du suchest, Jsaac, der liegt unterm Eise in der Batschkell! rief ihm der alte Maurer entgegen, stand auf und zog ihn sich nach an . der Hand, um ihm in fei*, nein Hauw ein Nachtlager zu geben.
Wie vom Fieber geschüttelt erhoben sich alleUebrige nun auch und verließen eiligst die Schenke, in deren Tküre ein Bote den Amts-Wachtmeister nach dem Schlosse rief.
III.
Am nächsten Morgen, als eben die neunte Stunde geschlagen hatte, bewegte sich ein langer Zug Menschen