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Hersfcldcr Anzeiger.

Mp. 3. Hersfeld/ ^en 8. Januar. L8LS>

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends.Preis dessel­ben LT der Expedition (Neumarkt Nr. 587) pro Quartal 7^ Sgr.: bei den Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei WieLerholungen mit 6 Heller berechnet.

^ Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Hofmarschall von Hceringen die nachge­suchte Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des demselben von Ves Großherzogs von Hessen und bei Rhein Königliche Hoheit verliehenen Großkreuzcs des Ordens Philipp des Großmüthigen zu ertheilen, den Kriminalgerichts- «Lecretar George Philipp Nolde in Hguau zum Actuar bei Pein Justizamte in Meerholz und

den Criminalgerichts-Sccretar George Carl Adolph Becker in Rotenburg zum Actuar bei dem Justiz- amt in Langenselbold

zu bestellen, sowie

den Actuar Theodor Fuß vom Justizamt Carls­hafen in gleicher Eigenschaft zum Justizamt in Bok- kenheim zu versetzen;

den Thierarzt Carl Römer zu Eschwege provi­sorisch zum Batterie-Thierarzt im Artillerie-Regi­ment zu ernennen,

dem zu der erledigten 2ten lutherischen Pfarrei und dem lutherischen Rektorate in Frankenberg prä- sentirten außerordentlichen Pfarrer Rektor Heinrich Daube zu Sachsenhagen die landesherrliche Bestä­tigung, und

dem ordentlichen Professor der Geburtshülfe und Direktor cer Entbindungsanstalt an der Landesuni- versttät Dr. Heck er die für den Schluß des laufen­den Wintersemesters nachgesuchte Entlassung aus dem Kurhessischen Staatsdienste zu ertheilen.

Ein Geisterseher.

Novelle von Leo Goldammer.

(Fortsetzung.)

Indem der Wirth dem Amts-Wachtnieister den ge­füllten Krug wieder versetzte, begann er folgendermaßen'.

Diese Geschichte mit der kleinen Gräfin, Amts« Wachtmeisterchen, ist wohl schon eine ziemliche Weile

her? Ich erinnere mich nicht, sie erlebt zu haben. Muß wohl dazumal noch auf irgend einer Wiese gelegen und auf den Schnabel eines Klapperstorches gewartet haben.

Statt aber über diese Bemerkung zu lachen, wie es der Gastwirth bezweckt zu haben schien, wendete sich der Amts - Wachtmeister hin und her auf seinem Sitz und zeigte die deutlichsten Spuren von Mißbehagen in seinen Mienen.

Die Meisten von uns kennen diese Geschichte und wer sie nicht mit erlebt hat, hat sie doch sicher erzählen gehört. Wenn Ihr mich also nicht belästigen wollt;

Dann kommt auf was Andres zu reden! Ich ver­stehe, Amtswachtmeisterchen, und das ist auch meine Ab­sicht, Amts-Wachtmeisterchen. Diese Geschichte giebt nur den Anlaß zu der Frage, mit welcher ich meine Neugier befriedigen möchte. Und Neugier ist doch kein Laster an einem Gastwirth. Es soll sich seit jener Zeit nämlich der Glaube herschreiben, daß der alte Mittrich Erscheinungen habe uno Geister sehen könne. Man be­hauptet sogar, er wisse oft was Hunderte von Meilen weit geschieht, und diese Gabe sei erblich in seiner Fa­milie. Wie hängt das zusammen, Herr Gevatter, und könnt Ihr uns keine Aufklärung geben darüber?

Der Wirth kraute sich unter der Mütze und machte ein grundehrliches Gesicht. Er war sich bewußt, mit dieser Frage die Neugier seiner sämmtlichen Gäste an­geregt zu haben, und bald gewahrte er auch die Wirkung seiner List Alle bestürmten sie den Gefragten, zu er­zählen, und ob sich der auch wehrte dagegen, endlich uiußte er ihrem Andringen nachgeben.

Was soll ich Euch für eine Aufklärung geben? Ich kann nichts weiter, als Euch die Geschichte erzählen, und das ist grade der Vorsall aber ich wills kurz machen. Hört denn: Ich hatte damals erst meine Amts­wohnung bezogen und war noch ziemlich fremd hier im Orte, denn Ihr wißt, ich kam von Wieszeiten, wo ich Schulmeister war--

Gevattern aber unterbrach er sich hier, wie einer, der einen Ausweg entdeckt hat, um einer ihm sauren Verpflichtung zu entgehen, Gevattern, wie ich mein Schulmeisteramt verloren habe, das ist eine froh-