Hersfelder Anzeiger.
Nr. Hersfeld, den 5 Januar. 1859+
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Justizbeamten Schmeiß er zu Bischhausen zum Stellvertreter des Landrathes zu Eschwege für Noth- und Eilfälle im Amtsbezirke Bischhausen zu bestellen;
den Feldwebel im 2. Infanterie - Regimente, genannt Landgraf Wilhelm, Carl Friedrich Müller aus Cassel, zum Stadtreceptor in Hanau, und
den Wachtmeister im Artillerie-Regimente, Ernst Dogt aus Wolfhagen, zum Assistenten bei dem Haupt-Steueramte zu Cassel, Beide provisorisch, zu ernennen.
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Ein Geisterseher.
Novelle von Leo Goldammer.
(Fortsetzung.)
Und nun folgen die Bestimmungen über den Bau der Schulhäuser, die Besoldung der Lehrer und die für die Schüler zur Aufmunterung ihres Fleißes ausgesetz» teu Prämien. Von den letzteren wollen wir nur an- führen, daß alle Kinder, könnten sie lesen mit ihrem siebenten Jahre, das Schulgeld für sieben Jahre, die Fleißigsten jeder Klasse alle Lehrbücher für die folgende Klasse, desgleichen die der ersten Klasse, bei ihrer Einsegnung eine Bibel und ein Gesangbuch zu Begleitern aus ihrem Lebenspfade zum Geschenk erhalten sollten. Zu Gunsten der Beamten ihres Hauses und um sie der Nothwendigkeit zu überheben, ihre Söhne und Töchter in die Stadt zu geben, hatte die Gräfin außerdem noch die ewige Dotirung einer höheren Schule befohlen, welcher der zweite Prediger als Rector Vorstand und die in der Grafschaft die Kantorsschule genannt wurde.
Der ehrwürdige Pfarrer schloß seine Ablesung danach mit den Worten:
„So gegeben zur Ehre Gottes und des Königs, wie zum Wohl unsrer Unterthanen, auf dem Schlosse zu Rantenburg."
Und die Gemeinde hatte in ehrfurchtsvollster Stille diesen über den Todhinausreichenden Willen ihrer ehemaligen Gebieterin vernommen und die Prüfung begann.
In das, allmählig zu einem Tempel sich umgestal- tende Wohnzimmer des Bauern zu Tawe schlüpfen indeß immer mehr Juden hinein, und alle gehn voll Eifer an die Vorbereitungen zum Feste. Der Eine rührt den Teig ein zu den Matzes und Osterkuchen, der Andre heizt nnd segnet den Ofen, ein Dritter zerhackt die auf dem schwarzen Boden dieses Dörfchens vortrefflich gedeihende Zwiebel, um die Festkugel damit zu Würzen, noch Andere spalten Holz oder fegen die Dielen, und das Osterlamm steht dabei und wartet auf das Messer des Schächters. Einzelne mit ehrwürdigen Bärten geschmückte Greise beschäftigen sich allein mit der Heiligung des Zimmers; sie verhängen die Fenster und bekleiden die Wände mit dunklen Tüchern; sie verwandeln den Tisch in einen Altar, bestellen ihn mit Kerzen und legen die Thora darauf. So sind alle Hände im Ho^ auf dem Flur und im Zimmer geschäftig, und nur, wenn sich die Thür öffnet, einen neuen Ankömmling hereinzu- lafien, unterbricht ihre Thätigkeit die Frage von Mund zu Munde:
Ist er gekommen, der Rabbiner —
In der christlichen Kirche ist das Examen geschloffen. Die Namen der fleißigsten Kinder werden auf eine Ehrentafel gebracht und neben den Altar gehängt. Der Pfarrer besteigt die Kanzel und weidet seine Heerde mit geistlichem Brote. Wieder erschallet ein frommer Gesang aus der Gemeinde und die Feier des Tages ist mit ihm selber zu Ende.
In dem jüdischen Tenipel soll sie noch immer erst ihren Anfang nehmen. Aller Augen warten auf den Rabbiner; so oft sich die Thür öffnet, er kommt nicht.
Unter dem Geläute der Glocken ergießt die Kirche zu Lappinen ihre Gemeinde über den ^Friedhof. Alt unb Jung bildet ein Spalier vpn der Pforde des Hei- ligthums bis zum Damni. Dort hält ein prächtiger Schlitten mit vier feurigen Rappen bespannt und der Erbgraf besteigt ihn mit seiner Gemahlin unter dem herzlichsten Lebehoch seiner Unterthanen.
Im Bauernhause zu Tawe stecken die Juden die