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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Physikus und Amtswundarzt Dr. Limber» * ger zu Burghaun in gleicher Eigenschaft nach Bieder zu versetzen,
den Forstinspcctions-Accessisten Franz Christian Albrecht Glück zu Schmalkalden zum Revierförster des Forstreviers Heimboldshausen provisorisch zu er- A Men.
Ein Geisterseher
Novelle von Leo Goldammer.
1.
Blicken wir auf die Niederung am Kurischen Haff zwischen der Gilge und dem Ruß, so sehen wir von da, wo die Gilge das Hochland verläßt, und in ihrem erst unter Friedrich dem Großen auf Kosten der letzten Erb- gräfin von Truchseß zu Waldburg gegrabenen Bette da- hinströmt, ihr nördliches Ufer bis an ihre Mündung einen mächtigen Dämm einfassen. Mit diesem Damme fast in gleicher Richtung, bald in näherer, bald in weiterer Entfernung VW ihm, läuft etwas nördlicher eine nur von einzelnen ^Einblicken in das Land unterbrochne Kette von Erlen- und Tannenwald über den wellenförmigen Boden. In der Mitte dieses zwischen grünen Waldwänden und dem Damme liegenden Thales liegt Schloß Rautenburg, auf einem Hügel erbaut, welcher in den Damm einragt. Es beherrscht die Gegend und spiegelt sich in den Wellen des stolzen Stroms. Und von seinen Zinnen sieht man die vierundvierzig Dörfer, welche ihm untertänig sind, und über die Gilge hinweg weit in die königlichen Lande hinein.
Oestlich vom Schlosse, hart am Ende seines prächtigen Parks, erheben sich das Gefängniß, ein Krug und die holländische Mühle, jenseits welcher sich die Dörfer Bretterhof und Lappinen, eins an das andere sich schlitzend, gegen die Höhe hinaufziehen. Die Gebäude der Dörfer sind alle hart an der Landseite des Dammes erbaut, liegen im Gegensatze zu den geschlossenen Dörfern dieser Grafschaft getrennt von einander inmitten ihrer Felder und Wiesen und erstrecken sich colonieartig über den Raum einer halben Meile. Ueber ihren Dächern rauschen die Wipfel alter Eichen, Eschen und Rüstern; ihre nächste Umgebung sind Pflanzungen von Obst und Gemüse. In ähnlicher Weise ziehen sich westlich von dem Schlosse der Kreuzkrug, die Schmiede, das herrschaftliche Handwerkerhaus, die Amtswachtmeisterwohnung, das Försterhaus und an dieses sich anschließend Dorf an Dorf, hart am Damme entlang bis zur Mündung des Flusses, und die Landspitze am Haffkrönt ein geschlossenes Dorf, Tawe genannt, allein von Fischern bewohnt.
Auf der Wasserseite des Dän^mes liegt nur hie unb da ein einzelnes Haus auf dem sogenannten Verlande, welches der Strom dadurch gebildet hat, daß er den Damm auf dem gegenüberliegenden Ufer durchbrach und seinen Lauf so änderte. Dieses Vorland aber isd fruchtbarer Boden. Darum baut sich der verwegene Mensch auch dort an unb schützt seine Wohnung nur durch davorgepflanzte Weiden und Pallisaden gegen den Eisgang, welcher ihn alljährlich trifft, und wohnt während der Zeit mit seiner Familie in dem Dachraume des Hauses, indeß die Flnth unter ihm hinströmt durch Fenster und Thüren.
Im Schmucke blühender Bäume und wogender Saaten gewährt gie ganze Landschaft den Anblick eines Paradieses, an dessen Eingänge die Kirche zu Lappinen, die einizige der Grafschaft Rautenburg, aber ein großartiges, noch aus der Zeit der Deutschherren stammendes Bauwerk, mit ihrem hohen und spitzen Thurme, gleichsam einer in den Himmel einragenden Lanze, den Hüter bildet, und an dessen Ende, über die waldumsänm- ten Ufer hereinblickend, die Wogen der See als das Bild der geheimnißvollen, ewig lockenden Unendlichkeit gelagert sind.
Noch aber ist es nicht Frühling, noch bedeckt tiefer Schnee die weiten Gefilde, noch trägt der Strom seine Decke von Eis. Es ist in der Woche vor Ostern 1820.
In der Kirche zu Lappinen tönet die Orgel und über die Lippen der Kops an Kopf, so im Schiff wie auf dem Chor, versammelten Gemeinde geht andächtiger Weihegesang. Vor dem Altar auf niedrigen Bänken, nach den Klassen in verschiedene Abtheilungen gebracht, sitzt die schulpflichtige Jugend der Grafschgfj und auf - einem erhöhten Platze zur Seite der-^Grbgraf von Kai- serlingk und seine huldreiche Gemahlin. Neben ihnen haben die Pfarrer, denn zwei sind es, die an dieser Kirche das Seelemaut üben, die Schulzen, der Kirchen- Vorsteher, der Gerichtsdirektor und andre angesehene' Beamte als die Großen dieses kleinen Reichs ihren Platz, und die Lehrer stehen vor dem Taufstein, um nach Dem Gesänge mit der Prüfung ihrer Schüler zu beginnen, welche hier alljährlich uach dem Testamente der letzten Besitzerin dieser Lande aus dem Hause der Truchseß zu Waldenburg stattfinden muß. —
Zur selben Zeit sehen wir durch Busch und Wald, auf einsamen Stegen und Wegen, einzelne Wanderer dem ohngefähr zwei Meilen weiter auf der Landspitze am Haffe telegenen Fischerdorfe zuschreiten. Zwischen den Denen und Fässern vor den Häusern, in welchen mit Hülfe der Sonne aus dem Stint und dem Kaul- bars der Thran destillirt wird, welcher einen Hauptnahrungszweig dieser Gegend ausmacht, schleichen sie durch und sind alle in lange dunkle Gewänder gehüllt, tragen dachartige spitze Pelzmützen auf dem Kopf, in der Hand einen ötab und auf dem Rücken einen Packen. Es sind polnische Schacherjuden. Mit den Gesetzen des Landes leben sie in Feindschaft, da sie ohne