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Ein Abenteuer in -en Goldminen von Australien.
(Fortsetzung.)
Eines Nachmittags bemerkte der lange Ned ein Zelt, welches in einiger Entfernung vom Wege stand, und vor welchem ein schmutziges baumwollenes Tuch an einer Stange flatterte, um anzuzeigen, daß hier Speisen und Getränke zu bekommen seien. Bei genauerer Be- trachtung zeigte sich, daß diese für die Goldfinder im- prooistrte L-chänke aus Pfählen errichtet war, die man mit getheerten Tuche überzogen hatte. Neben derselben stand noch ein Schuppen für ein Pferd und einen Wagen. Der Eigenthümer kauerte neben dem Herde und rauchte aus einer kurzen Pfeife.
Der lange Ned lehnte, wie gewöhnlich, den ihm gebotenen Kaffee ab und forderte den Wirth auf, ihm eine Flasche „Stoff" zu bringen, bei welcher sich dann alle drei sofort niederließen.
Der Eigenthümer des Zeltes, die einzige Person, welche man in demselben sah, war ein kurzer stämmiger Kerl, dessen Unreinlichkeit selbst einem Goldfinder auffallen mußte, und dessen Gesicht so dicht mit schwarzen Haaren überwachsen war, daß man die Züge nicht zu unterscheiden vermochte. Dennoch schien er Sinn für Geselligkeit zu haben und bemühte sich nach seiner — allerdings plumpen und rohen — Weise, den Gästen zu gefallen.
Ned begann mit dem Golde zu prahlen, welches er gesunken; erzählte, daß er vierzig Unzen in seinem Bündel trage und außerdem die Empfangscheine für funzig Unzen besitze, welche er schon nach Melbourne geschickt habe.
Der Wirth bemerkte dazu, daß nicht Jeder so viel Gluck habe.
Da in dem Zelte nicht Raum genug war, daß alle drei in demselben hätten schlafen können, so suchte Gard- ner, der unruhig geworden war, seinen Gefährten zu überreden, daß er die Reise mit ihm fortsetze. Der Wirth machte auch gar keine Bemühungen sie von deni Aufbruche zurückzuhalten, sondern wies ihnen vielmehr
den Weg nach einem Uebernachtungs-Zelte, welches etwa drei Meilen entfernt sei und das sie noch bequem vor Nacht erreichen könnten, wenn sie einen über einen nahen Hügel führenden Richtweg einschlagen wollten.
Dann brächte der Wirth noch eine Flasche mit einem geistigen Getränk und bot seinen Gästen einen Scheide- trunk aus seine Kosten, eine Höflichkeit, welche nicht abgeschlagen wurde.
Nun setzten die beiden Goldfinder ihren Weg in der schon eingetretenen Dämmerung über den ihnen bezeichneten Hügel fort, aber ehe sie noch eine Meile gegangen waren, begann Gardner eine Erstarrung seines Gehirns, von schwerer Schläfrigkeit begleitet, zu fühlen. Sein Gefährte erklärte gleich darauf, daß er dieselben Shmptone fühlte, und zwar in einem noch höhern Grade, obschon sie Beide nod^ wenige Minuten vorher ziemlich nüchtern gewesen waren. Des Weges weiter taumelnd und kaum dessen, was sie thaten, sich bewußt, gelangten sie an eine verlassene Stätte, an welcher noch zwei aus Zweigen aufgeführte kleine Hütten stanken. Gardner ging in eine dieser Hütten und fiel sofort in einen tiefen Schlaf.
Nach seiner Versicherung hatte er noch nie in einem so tiefen und schweren Schlafe gelegen. ' Die wunderlichsten Gestalten schienen ihni vor feinen Augen zu tanzen, und auf seinem Herzen lastete ein kalter Druck, wie er ihn noch nie gefühlt hatte. Dann war es ihm, als hörte er seinen Namen rufen, und zwar erst laut, dann noch lauter, endlich nur noch ganz schwach. Er strengte sich an, seine Augen zu öffnen, und endlich gelang ihm das, obgleich er sich noch immer in einem schweren Taumel befand.
Es kam ihm vor, als bewege sich Jemand in seiner Nähe, und als vernehme er ein schwaches Stöhnen. Er kroch auf den Knieen aus seiner Hütte und sah im Scheine des Mondes seinen Gefährten auf der Erde liegen und aus einer Wunde am Kopfe bluten, während ein Mann neben ihm kniete und seine Taschen durchsuchte.
Von Grausen bei diesem Anblick ergriffen, war Gardner anfangs nicht fähig, sich zu bewegen. Erst als nach einigen Minuten seine Erstarrung mehr und mehr nachgelassen hatte, stürzte er sich aus den Mörder