Hers seid er Anzeiger.
Äüi 2t Hersfeld/ den 13 März. LDL8.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. d^is desielben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7z Sgr.; bei den Postanstalten kommt der Mache Post aufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden aufgenommen und die Zeile oder deren Raum - '
Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Justizbeamten Möller zu Raboldshausen zum Stellvertreter des Landrathes znHomberg in Noth- und Eilfällen für den Amtsbezirk Raboldshausen zu bestellen, dem Dr. med. Adolph Cleinen aus Einteln die Praxis als Arzt, Wundarzt 1r Klasse und Geburtshelfer mit dem Wohnsitze in Mitteln, und sowie
den Kandidaten der Thierheilkunde Karl Alexander Kümmell aus Bockenheim und Wilhelm Hagemann aus Segelhorst die Praxis als Thierärzte ir Klasse, ersteren mit dem Wohnorte Windecken, letzterem mit dem Wohnorte Volkmarsen, zu gestatten,
den Generalmajor und General - Adjutanten von Loßberg von der Stelle eines 2ten Kommandanten der Residenzstadt Cassel zu entbinden.
Der Lheißfifcher.
(Schluß.)
Die Wellen der Theiß gingen, durch einen heftigen Nordwind aufgewühlt, ungemein hoch. — Der Mond trat hinter zerrissenen Wolken hervor und beleuchtete die weite Wasserwüste, da krachte plötzlich am Ufer ein Schuß und klappend schlug die Kugel in den Nachen ein.
„Verdammt I wir sind entdeckt!" rief der Flüchtling.
„Es befindet sich kein zweiter Kahn in der Nähe," sagte der Theißfischer, „und sind wir aus der Schußweite, ist die Gefahr vorüber." — Da krachte abermals ein Schuß und das Ruder entsank Angostan's Hand. Die Kugel hatte ihm den Arm zerschmettert.
Der Flüchtling arbeitete mit aller Anstrengung aus dem Bereiche der wohlgezielten Kugeln zu kommen, was ihm auch bald gelang. Während Janoczka des Fischers Wunde verband, fackelte am Ufer eine Feuergarbe empor.1 Die Mühle Skarny Rosza's stand in Flammen.
Eben hatte das Fahrzeug die Mitte des Stromes erreicht, als der Theißfischer einen Schrei des Entsetzens
ausstieß und mit der gc'unden Hand nach dem Boden des Nachens wies. Wenige Zoll unter der Wasserlinie hatten ein halbes Dutzend Kugeln den. Rand des Bootes durchbohrt und das Wasser drang mit Gewalt ein, so daß das Fahrzeug, kaum noch eine Handbreit Bord haltend, in wenigen" Minuten versinken mußte, wenn nicht eine Erleichterung desselben stattfand.
„Janoczka, mein theures Märchen, wir sind verloren!" rief schmerzlich der Flüchtling. „O warum mußte ich Unglücklicher Dich in mein trauriges Schicksal ziehen!"
„Hört mich an, Mann!" sagte der Theißfischer. „Versprecht Ihr mir zu den Gesetzen Gottes und des Königs zurückzukehren und Skarny's Janoczka lieb und werth zu halten bis zum Grabe, so ist Rettung möglich — aber Ihr müßt mir vor Pottes Throne Rechnung ablegen, ob Ihr Wort hieltet!"
„Ich verstehe Euch nicht", sagte der Fremde. „Wißt Ihr aber ein Hülfsmittel, uns zu retten, so wendet es an, ich verspreche um meiner Janoczka Willen von dem Aufstande zn lassen und die Geliebte heimzuführen auf mein väterliches Erbe!"
Nur wenige Zolle Bord hielten den Nachen noch über dem Wasser. Angostan reichte dem Flüchtlinge die Hand und rief: „Gott hat es gehört!" — Dann kniete er vor Janoczka nieder, küßte mit heißen Thränen ihre Hände und stürzte sich in die Fluthen der Theiß. Hochauf sprudelten die Wellen und rissen ihr Opfer hinab in die feuchte todtbringende Umarmung! — Der erleichterte Kahn gelangte glücklich aus Ufer.
Fünf Jahre waren vergangen als der alte Meßner zu Csacs, vom Abendläuten znrückkehrend, in seiner Wohnung einen hochgewachsenen mit Ordensbändern geschmückten Herrn nebst einer verschleierten Dame an- traf, deren prachtvolle Equipage, mit einem Grafenwappen an: Schlage, vor dem Thore des Friedhofes
DerAlte riß erschrocken das Käppchen von: Kopfe und bl:ckte die Fremden fragend an.
„Zeigen Sie uns das Grab des Theißfischers Angostan l" sagte der Herr.