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n meiner Nähe, diesmal sah ich wirklich die Leichen ich bewegen, und während ich mich dem Tode nahe ühlte, stieß der Greis laute Schmerzensklagen aus, während er bemüht war, seine durch das secirmesser und die Säge getrennten Glieder zu vereinigen. Endlich gelang es ihm, sich aufrecht zu setzen und mit einer Stimme, die mir bis in das innerste Mark drang, stöhnte er:
„Heut ist der Tag der Todten! — Die Todten erwachen und rächen sich! — Wer ist hier mit mir in dieser abscheulichen Fleischkammer? — Ein junges Mädchen? — Kind erhebe Dich! — Ja, steh auf, denn Du hast noch Deine gesunden Glieder und ruhest in Unwissenbeit der gräßlichen Martern, die Deiner warten: doch heut ist der Tag der Todten, und die Todten erwachen und rächen sich!"
Langsam erhob sich jetzt auch das junge Mädchen und öffnete die starren, gläsernen Augen.
„Armes Mädchen! fuhr der Greis fort. „Du bist kauni gestorben und ahnest nicht die Qualen, welche^ie abscheulichen Lebenden über uns verhängen. — Sie achten nicht das Fleisch der Todten und wühlen darin umher, als wäre es fühllos und doch empfinden wir eben so gut, wie sie. — Aber die Todten erwachen und rächen sich! —■ Ha, wie ich leide! — Wie alle meine Glieder schmerzen! — Doch heute ist der Tag der Todten und die Todten erwachen und rächen sich!"
„Komm, Kind! Verlaß Dein Lager und tritt an das meinige. — So recht I — Jetzt setze Dich zu mir und blicke umher auf alle Marterwerkzeuge, die uns umringen, und die auch Deinen Körper zerfleischen werden, während sie lustig von ihren Orgien, ihren Liebschaften sprechen, als könnte das Ohr der Todten sie nicht hören! — Doch die Todten erwachen und rächen sich und es ist heute der Tag der Todten!
Und stolz aus seine kurze Herrschaft richtete der Todte sich auf und blickte starr umher.
„Was sehe ich!" rief er plötzlich. „Blicke dort hin, Kind! — Was verbirgt sich dort im Schatten der Tafel? — Ein Todter wäre bei uns! — Wie seine Augen glänzen! — Sollte es ein Lebender sein?"
„Ja! Ja, es ist ein Lebender, — einer unserer Henker! — Sieh wie er vor Furcht zittert! — Ha! ha! heut ist an uns die Reihe! —• Geh, Kiud; ich übergebe ihn Dir als Beute! — Leg Deine Hand auf sein Herz und fühle ob es schlägt. — Schlägt es? —• Nun, so räche Dich an dem Lebenden Du Todte!
. Der Docter war leichenblaß geworden und die Worte erstickten ihm in der Kehle; doch gewaltsam schüttelte er die Schwäche ab und nach einer kurzen Pause fuhr er fort:
„Da fühlte ich, wie zwei eiskalte Hände meinen Hals wie mit einem eisernen Reifen umschlangen — und auf der Backe — sehen Sie hier die Narbe, Pau- line, gerade auf der Stelle, wo Sie mich gestern küssten? — Da empfand ich einen so stechenden «schmerz
daß man sich davon keinen Begriff machen kann. Zuerst war es ein Biß wie von eiskalten Diamantzähnen ; dann folgte ein Saugen, so entsetzlich, als gälte es mein Leben durch die Wunde herauszuziehen! — Ich verlor die Besinnung. Als ich die Augen wieder öffnete, war es Heller Tag; ich lag in meinem Bett und hatte ein hitziges Fieber. Um mich her standen meine Kollegen und meine Freunde.
„Zum Teufel", sagten sie scherzend, „was hattest Du denn in dem anatomischen Saale zu suchen? — Hältst Du etwa die Todten für hübsche Dirnen, wenn Du getrunken hast?"
„Es ist heute der Tag der Todten!" flüsterte ich unwillkürlich. „Die Todten erwachen und rächen sich!"
„Bist Du verrückt? — Wir werden Dir einige kalte Umschläge auf den Kopf machen müssen!" sagten meine Freude.
Ich erzählte ihnen die entsetzliche Begebenheit, die ich erlebt hatte. Sie lachten mich aus und waren mit allerhand natürlichen Auslegungen bei der Hand, und wollten alle schuld auf meinen Rausch schieben. Schon stand ich auf dem Puncte mich überzeugen zu lasten, da fühlte ich einen stechenden Schmerz in der Backe. Meine Schrecken erwachten neu; ich ließ mir einen Spiegel reichen, und riß Verband und Charpie herunter: In meiner Wange hatte ich eine klaffende Wunde, wie wenn zehn scharfe Zähne sich tief eingebiffen hätten.
„Ist das auch ein Traum?" rief ich aus. „Hat nur meine Phantasie die Todten reden hören, habe ich mich dann etwa auch selbst gebissen?"
Meine Freunde wußten dafür keine natürliche Auslegung, ich aber vermochte, als ich genesen war, nie wieder den Fuß in einen anatomischen Saal zu setzen. — Nie ließ ich meine Todten seciren — und junge Mädchen machen oft einen umhetinlichen Eindruck auf mich.
Gestern war der Jahrestag jener gräßlichen.Erscheinung und die Erinnerung daran mit entsetzlicher Klarheit in mir erwacht; —• da schreckte mich Ihr Kuß auf, liebe Pauline, — mich mahnend, daß meine Stunde naht; denn „die Todten erwachen und rächen sich!"
Alle Anwesenden waren tief ergriffen; dennoch suchten sie die Ahnungen des Doctors zu verscheuchen. Er aber blieb dabei, und sie trogen ihn nicht, denn als der nächste Jahrestag von Allerseelen kam, weilte er nicht mehr unter den Lebenden,
Amtliche Wekanttttnachuttgen.
Kandrathsamt Hersfeld.
Die Ortsvorstände der Landgemeinden des Kreises Hersfeld werden unter Hinweisung auf den §. 12 des Ministerial-Ausschreib ens vom 15. Mai 1824 angewie-