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Der Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends.Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7| Sgr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Post­aufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder deren Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den pensionirten Premier-Lieutenant Wolf von Gudenberg zum Hauptmann im Juvalidenhause zu ernennen.

Der Talisman.

(Schluß.)

Endlich erschien das Dessert: Torte mit Trauben- rosinen und Knackmanteln, welche letzteren der Medizi­ner mit einer Fertigkeit und Präcision aufknackte, die Fräulein Jeanette in den schmeichelhaftesten Ausdrücken anerkannte, während Herrmann, mit der Behandlung dieser Frucht ganz unbekannt, die erste Knackmantel zwi­schen die Zähne nahm, um sie wie eine Nuß aufzubeißen. Nummer Zwei dagegen, die der Jurist, gleich den An­dern, mit den Fingern öffnen wollte, entschlüpfte seiner Hand und sprang dem Mediciner in eine Falte seines Borhemdchens. Rücksichtsvoll nahm sich daher die Frau Regierungsräthin ihres Nachbars an und knackte ihm mit ihren zarten, weißen Fingern ein Dutzend auf.

_ , So war allmälig die heiterste und gemüthlichste Stimmung an der Tafel eingetreten. Witzworte flogen herüber und hinüber. Der Regierungsrath, der, wenn er sprach, stets den gläsernen Messerhalter zwischen den Fingern drehte, wandte sein Interesse bald Herrmann, bald Feller zu; seine liebeuswüroige Gemahlin nahm bald an der Unterhaltung Theil, welche zwischen Fräu­lein Louise und Herrmann, dem der ungewohnte Wein rothe Wangen und etwas gläserne Augen gemalt hatte, lebhaft geführt wurde, bald beugte sie sich nach Feller zu, welcher mit der ernstesten Miene seinen geistreichen Heimor vor Fräulein Jeanette ausschüttete und auf diese T^ei^ fast nie die Grübchen aus bem Auge verlieren sonnte, die sich beim Lächeln auf den Rosenwangen der lslngen Dame reizend eindrückten. Die Torte war znr Hälfte vertilgt, der Vorrath der Knackmandeln und Traubenrosiiten hatte in Besorgniß erregendem Grade abgenömmen, die Zeiger der Alabasteruhr unter der

gläsernen Glocke wiesen auf halb vier, da füllte der Regierungsrath noch einmal die Gläser.

Mit dieser Funktion fertig, gab er mit Messer und Glas das wohlbekannte Zeichen, erhob sich und begann:

Auf das künftige Wohl unsres jungen Freundes, des Herrn Herrmann, der als Copist jedenfalls eine traurige Rolle spielen würde, und daher von morgen an wieder die Kollegia so, fleißig besuchen soll, wie zeit- her. Gott segne seine Studia," schloß der Regierungs- rath lächelnd. Die Stühle rückten wieder, als sich sämmtliche Tafelgäste erhoben und die vollen Gläser zusammenklingen ließen. Frau Don Stein und ihre Töchter lächelten vergnügt, Feller lächelte den Freund mit einer Art Gönuermiene an und Herrmann färbte sich noch röther, als ihn der Wein schon gefärbt hatte. Er wußte nicht,'welche Bedeutung er den dunklen Wor­ten seines hohen Gönners beilegen und was er darauf erwiedern solle.

Ich will Ihnen eine Mittheilung nicht länger vorenthalten," sagte endlich Herr von Stein zu Herr­mann und spielte wieder mit dem gläsernen Ältessersatz, die Ihnen zur Wiederbelebung Ihres Muthes und Ihrer Hoffnungen nothwendig ist. Es ist mir nämlich ohne Mühe gelungen, Ihnen znr Fortsetzung Ihres Studiums ein Stipendium auszumacheu, Für alle wei­teren Bedürfnisse, welche für Studium und Leben un­entbehrlich sind, ist außerdem gesorgt," fuhr der Regie- ruugsrath fort, während Herrmann vor Ueberraschuug mit dem Zusammenlegen seiner Serviette innegehalten hatte,schreiben Sie diese Wendung ihrer Verhältnisse aber durchaus nicht mir zu, wenn ich bitten darf, son­dern nur Ihrem Fleiße und Ihrer Redlichkeit, zwei Tugenden, die mir sehr glaubwürdige Männer an Ih­nen rühmten und die Ihrem Bewußtsein eine schönere Befriedigung gewähren müssen, als es jede laute Aner­kennung meinerseits im Stande wäre. Ich wünsche gesegnete Mahlzeit," schloß der Regierungsrath und er­hob sich von seinem Stuhle, worauf die klebrigen unter allgemeinem Stuhlrücken seinem Beispiele folgten.

Herrmann hatte keinen Ausdruck für alle die Ge­fühle, welche das Manifest des edlen Regierungsrathes in ihm emporregte.