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auf und eilte weiter in das Wohnzimmer. Sein angstvoller Blick flog hinüber nach dem Ort, wo sonst die Uhr gestanden. Auch sie fehlte von dem Piedestal.
Aber von dem Vorzimmer her vernahm er ein lautes Sprechen und Lachen, und wie der Castellan dahin eilte, sah er da einige von der untern Begleitung des Kaisers, welche, den Befehlen des Groß-Marschalls zufolge, damit beschäftigt waren, die Sachen in einen Korb zu packen, und sich dabei belustigten, über die seltsame und geringe Beute, welche ihr Kaiser hier gemacht habe, zu spötteln und zu lachen. Die alten ergrauten Diener Friedrichs des Großen standen daneben und schauten mit Thränen in den Augen zu, wie man ihnen die Schätze ihrer heiligsten Erinnerungen entführte.
Eben war man damit beschäftigt, die Uhr über den andern Dingen in den Korb zu legen. Der Castellan eilte zu ihr hin, und seine Hand aus das Zifferblatt legend, sagte er leise: Lebewohl! Des großen Friedrichs Augen haben oft zu Dir hingeschaut und oft Dich betrachtet. Das waren auch Sterne, seine Augen, aber keine gefallenen Sterne, und sie verbrannten und versengten nicht, sondern sie beglückten. Lebewohl, Du treue Uhr, die in meines Königs Sterbestunde verstummte vor Schmerz. Wenn seine Sterbestunde kommt, so schlage sie laut und freudig an, so fange sie wieder an zu gehen, denn dann ist die schlimme Zeit überwunden und der gefallene Stern ist ausgebrannt. Lebewohl und schlage bald diese Stunde._____________
Mit noch finsterern Blicken, als ergekommen, ritt der Kaiser mit feinem Gefolge wieder durch die öden, stillen Straßen Potsdam's dahin. Langsam und feierlich, wie ein Trauerzug, bewegte sich die glänzende Ca- valcade nach der Kirche hin, in deren unterm Gewölbe der Sarg mit des Königs Leiche stand.
Der Küster und sein Begleiter eilten mit dem großen Schlüsselbunde und der brennenden Fackel dem Kaiser voraus durch die halbdunklen, schweigenden Gänge und öffneten die schweren, rasselnden Eisenthüren, die zu dem Gewölbe führten.
Napoleon trat ein. Einen Moment blieb er auf der Schwelle stehen und betrachtete staunend dieses schlichte düstere Gewölbe, dessen Wände keine Trophäen, keine Decorirungen trugen, und diesen schlichten hölzernen Sarg, der einfach, kahl und einsam inmitten dieses düstern Raumes stand. Hinter ihm sah man die Gesichter seiner Marschälle, die mit neugieriger Verwunderung hereinschanten.
Ach, sagte Napoleon, mit einer leisen Hauptbewegung sich zu ihnen wendend und mit der Rechten nach beut Sarg hinteutend, man muß sich durch sehr viele Großthaten ausgezeichnet und sehr viel unsterblichen Ruhm erworben haben, um so alles Prunkes und aller Erdenherrlichkeit entbehren zu können.
Er schritt weiter in das Gewölbe vor und trat dicht au den Sarg hin. Die Arme ineinanderschlagend, die Stirn in düstere Falten gelegt, die Lippen festaufeinan-
der gepreßt, schaute der Kaiser lange und unverwandt aus den Sarg hin. Das Licht der Fackel beleuchtete mit hellem Schein das düstere Angesicht Napoleons, und wie sich sein bleicher Kops allein und frei aus der Dunkelheit hervorhob, hätte man meinen mögen, eines der marmornen Cäsarenbilder, die aus der Terrasse von L-ans- souci standen, sei von seinem Piedestal herabgestiegen, um dem todten König in seinem Sarge seinen Besuch zu machen.
Endlich, nach einer laugen Pause, kam wieder Leben und Bewegung in die Marmorgestalt, und das Auge Napoleons blitzte wieder in seinem gewohnten kühnen Feuer. Er deutete mit einem seltsamen Lächeln auf den Staub hin, welcher auf dem Sargdeckel lag.
Staub da außen, und Staub da innen, und doch war der Staub da innen ein großer König und ein großer Held, und doch ist dieser Staub hier außen dauerhafter, als die Schwüre gewesen sind, die vor kaum einem Jahr hier Kaiser Alexander mit dem König und der schönen Königin gewechselt hat. Auch der Kuß, den Alexander damals auf Friedrichs Sarg gedrückt, ist nicht mehr sichtbar, der Staub ist darüber" hingeweht, der Staub hat Alles gleich gemacht.
Und wie er so sprach, zog er mit seiner Hand leise Linien über oen Staub hin und ohne es zw rvissen-viel- leicht, ganz mechanisch, schrieb sein Finger ein großes N in den_Lllaub des königlichen Sarges.
Dann wandte er sich um und verließ hastig die dunkle Halle, um in das Königsschloß zurückzukehren.
Die Hände auf dem Rücken gefaltet ging der Kaiser lange in seinem Kabinet auf und ab, dann klingelte er hastig und befahl, den Chef seines Kabinets, Herrn von Menneval, zu rufen.
Setzen Sie sich, rief Napoleon dem Eintrrteuden entgegen, nehmen Sie meine Feder, ich willlJhnen mein achtzehntes Bulletin dictiren.
Herr von Menneval nahm vor dem Schreibtisch Platz. Napoleon ging langsam auf und ab, und mit lauter, strenger Stimme dictirte er, wie folgt: Der Kaiser ist am 25. Oktober in Potsdam angekommen und in dem königlichen Schloß abgestiegen. Er besichtigte dort gleich am ersten Tage Sanssouci und die Umgebungen von Potsdam. Er hielt sich einige Zeit in den Zimmern Friedrichs des Zweiten auf, wo sich alles noch in dein nämlichen Zustande wie bei dessen Tode befindet. — Man hat in den: Zeughaus von Berlin fünfhundert Kanonen, mehrere hunderttausend Pfund Pulver und mehrere Tausend Gewehre gefunden. — Als einen auffallenden Umstand bemerkt man, daß der Kaiser am nämlichen Tage und zur nämlichen Stunde in Potsdam angekommen und in den nämlichen Zimmern abgestiegen ist, wie der Kaiser von Rußland aus seiner vorjährigen Reise, die für Preußen so verderblich geworden ist. Von diesem Augenblick an vergaß die Königin die Sorge für ihre innern Angelegenheiten und die wichtigsten^ Geschäfte der Toilette, um sich mit Staatsangelegenheiten