Persfelder AnzW
M». 91» ^HtrSfeld/ den 5. December. 185».
Der „Herifelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den zum dritten Obervorstcher des Stiftes Kaufun- gen mit Wetter gewählten Kammerherrn Rudolph von Keudell zu Schwebda zu bestätigen, und
dem Kaiserlich Königlich Oesterreichischen Obersten und Commandanten des 8. Husaren-Regiments Kurfürst von Hessen-Cassel, von Körver, das Commandeur- kreuz zweiter Classe des Kurfürstlichen Wilhelnisör^s zu verleihen.
Der wilde Bäger.
(Schluß.)
Im rothen Glanz der Abendsonne stieg ein Wanderer von den hohen Schnee- und Eisgebirgen in das schöne Wallisserland, das fruchtbare Rhonethal hinab. Es war ein gemeiner Schweizerbauer, mit Tasche und Eisstab, der seine Schritte thaleinwärts hastig förderte. Sein Ziel schien ein Dörfchen zu sein, das auf der einen Seite an den Fluß, auf der andern an einen re- benbepflanzten Hügel gelehnt, sich von oben gar freundlich ausnahm. Untpn im Thale am Flusse hin, zogen sechs bis sieben, theils mit Menschen, theils mit Effecten bepackte Maulthiere, ebenfalls dem Dörfchen zu, und der Bergwanderer ergötzte sich an ihrem hurtigen Schritt. Doch ereilte er die friedlichen Hütten noch um eine totreife eher. Das oberste Haus an jenem Hügel, aus dessen Fenster man eine große Krümmung des Flusses übersetzen konnte, lag jetzt vor ihm; er bog um die Ecke. Auf einer kurzen Leiter die an des Hauses Gemäuer gelehnt war, stand ein alter, ehrwürdiger Mann und schnitt mit dem krummen Winzermesser, köstliche, blaue Trauben von dem mächtigen Weinstock, der, üppig emporgewachsen, die ganze Vorderwand des gemächlichen, freundlichen Hauses mit reichen ^Ranken, Blättern und Früchten überdeckc hatte. Unten auf dem
Boden stand ein gutes Mütterchen und empfing die köstlichen Gaben aus des Schnitters Hand, und sammelte sie in einem Korbe. Die Abendsonne legte ihr Gold schmeichelnd um Hütte und Weinstock, Fenster und Trauben und das alte zufriedene Paar. Unten erglänzte der Strom, auf dein die Schifflein wie zu ruhiger Sabbathseier hinglitten, die Gletscher glüheten in des Himmels Feuer, die Winzer sangen, schwerbeladen heimkehrend, die Hirten jodelten von den Bergen herab, und die Maulthiere kamen mit den Reisenden näher und näher. Es war ein herrlicher idyllischer Anblick. Da gewahrte der Alte auf der Leiter des Mannes, der von den Höhen gekommen, und rief der Frau zu: „Sieh' da unser Botel" Und so rasch, als es seine steifen Glieder erlaubten, stieg er die Leiter herab, eilte auf den Bauer zu und fragte hastig: „Nun Jockel, was bringst Du mir für Nachrichten aus Vi- zille? Wie befindet sich mein Sohn? Wird er meinem Wunsche nachgeben und zu uns kommen?"
„Herr Pfarrer," versetzte der Bauer ruhig, „ich bitt' Euch, erwartet nicht zu viel. Faßt Euch in Geduld, wie Ihr uns so schön lehret, und ertragt in christlicher Demuth, was ich Euch zu erzählen habe. Ich kam nach Vizille, dort hatte sich, wie überall, auf höhern Befehl die Strenge der Dragoner gegen unsre Glaubensgenossen erhöht. Viele wanderten aus, Viele gingen in die Messe und wurden katholisch. Im Wirths- Hause erkundigte ich mich nach Euerm Sohne. Man erzählte mir viel Seltsames von ihm, was ich nicht glauben wollte. Ich ging in sein schönes, großes Haus, begehrte mit ihm zu reden. Mit einem verdrüßlichen Gesicht trat er mir, wie ein reicher, vornehmer Mann entgegen, und fragte kurz nach meinem Willen. Da richtete ich zuvor die Frage an ihn: „Seid ihr auch wirklich Herr Zachäe Sellier, der Steinschleifer?"
„Das bin ich heute zum letzten Mal," versetzte er, „mach's kurz, Bauer, und sag' was Du willst." Nun sagte ich Eure schönsten Grüße an, und Euern sehnlichsten Wunsch, daß er sich der Plackerei entziehen und mit seiner Ehefrau nach der Schweiz zu Euch tommen