Hersfelder Anzeiger.
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Hersfeld/ den 2. Dezember.
1857.
Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Rechtspracticanten Philipp Rommel in Cassel zum Obergerichts-Anwalt daselbst zu bestellen,
die erledigte zweite Predigerstelle bei der evangelisch- lutherischen Gemeinde zu Lchmalkalden dem bisherigen Diakonus an derselben Friedrich Wiß, ~ ,
die erledigte zweite Repetentenstelle an der Stipen- diatenanstalt zu Marburg dem Candidaten der Theologie Dr. Eduard Vilmar aus Rotenburg und
die erledigte Baucommissarstelle in Gschwege dem Baueleven Friedrich Wilhelm Hunrath zu Steinau, letzterem provisorisch, ’ *
zu übertragen,
dem Dr. Hermann Rösing aus Kassel die ärztliche, wundärztliche und geburtshülfliche Praxis mit dem Wohnsitze daselbst zu gestatten.
den Steuerausseher Wilhelm Reinmüller zu Rintelu zum Assistenten bei deni Haupt-Steucramte zu Hanau provisorisch zu ernennen, und
die Revierförster Carl Heinrich H ee g er zuNieder- aula und Ludwig Bödicker zu Todeuhausen in den Ruhestand zu versetzen.
Der wilde Jäger.
(Fortsetzung.)
Die Nebel lagen, in dichte Massen geballt, auf dem Meere. Vorn Lande her pfiffen die ersten kalten Herbstwinde. Der Morgen konnte sich lange nicht aus den Hüllen und Schleiern seiner Mutter loswinden. Auf den Schiffen, die vor Anker lagen, regte sich noch nichts und nur von der Stadt herüber wurden einzelne Laute hörbar. Ruhig lagen einige mächtige Galeeren auf dem Wasserspiegel des Hafens, dazwischen eine Fregatte. Da tönte die Glocke des Bagno, der dem Hafen gegenüber lag, und in dem halb unterirdischen, niedrigen
Steinhause, dessen Fenster mit ungeheuern Eisenstäben vergittert waren, wurde es lebendig. Einer der Galeeren setzte ein Boot aus, es ruderte aus Land. Soldaten mit geladenen Gewehren stiegen heraus, und verfügten sich in den Bagno. Nach einer halben Stunde wurde die Thür derselben wieder geöffnet, Ketteugeras- sel und Flüche verkündeten das Nahen der Galeerensklaven, und bald sah man durch den dicken Nebel zwischen zwei Reihen bewehrter Soldaten eine Anzahl bleicher, wüster Gestalten, die zusammen an eine Kette geschmiedet waren einherwanken. In den meisten dieser verzerrten Gesichter drückte sich leichtsinnige Freude aus, nur in. einigen Kummer und Betrübniß. Unter den Letztern- war- ein kräftig- gebauter junger Mann, mit ernsten Zügen und ruhiger würdevoller Haltung. E- war Lucas Sellier. Neben i(m ging ein alter Korporal, der ihn nicht ohne Mitleid betrachtete.
„So ist es denn wahr, was ich bis jetzt noch nicht habe glauben können," fragte Luc seinen Begleiter, „daß wir mit der Fregatte Dadalus nach Siam sollen?"
„Die Nachricht hat sich bestätigt," versetzte der Korporal. „Die Herren Jesuiten wollen in dem Lande dort eine Festung nach unsrer Art anlegen und befürchten, zu solchem Bau möchten die Leute dort nicht zu brauchen sein, vielleicht auch sich nicht brauchen lassen. Deshalb haben sie dem Könige in den Ohren gelegen' wie immer, und da ist der Befehl gekommen, daß eine Kette mit hinüber soll, um dort zu arbeiten, zu schanzen, zu bauen. Das ist die Sache."
„Das Land muß ja ungebührlich weit fein ?"< 53
,,23eit noch über unsre Inseln hinaus, wie man sagt," nickte der Korporal treuherzig.
„Dann kehren wir nie nach Frankreich zurück," ließ sich Luc in einem wehmüthigen Tone weiter vernehmen.
„Schwerlich!" entgegnete der Alte/ und wischte sich eine Thräne aus dem Auge. „Mich dauert Keiner weiter als Du. Die meisten sind verworfenes Volk, an dem nichts verloren ist. Du hättest ein besseres Loos