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Nk?» 90* Her-feld, den 11. November. 1851*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

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Kassel, am 10, Novbr. 1857.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst und Allerhöchstderen Gemahlin, Ihre Durchlaucht die Fürstin von Hanau, sind mit Gefolge gestern von Frankfurt a. M. wieder hier eingetroffen.

Der wilde Uäger.

Erst spät am andern Morgen schlug der alte Sel- lier die Augen wieder auf. Wie erstaunte er freudig, sein getreues Eheweib Diabelaine neben sich sitzen zu sehen! Er haschte nach ihrer Hand und weinte eine Freudenthräne darauf. Sie aber beugte sich zu ihm hernieder_ und drückte ihm einen Kuß auf die gefaltete Stirn, die in den vier Monaten, während welcher sie ihn nicht gesehen hatte, wie ein von Alter verwitterter Stein geworden war.

Du bist gerettet, kommst nicht auf die Galeere, Lucas!" rief die Matrone mit Freude gerührter Stimme. Sage mir, wie hat Gott solch' große Dinge an Dir gethan?"

Da zuckte^ der Pfarrer zusammen.Wie? Du weißt nicht?" fragte er mit bebender Stimme.

Ich weiß nichts. Erst in dieser Nacht habe ich erfahren, daß Du frei bist. Ein paar Männer, der euw war der Zeugweber Letrait aus Vizille, der einen Dragoner geschlagen und dann geflohen war, kamen in meine Wohnung, weckten mich und verkündeten mir, daß Du frei seiest, in einer Höhle im Romanchethale ^ich unter guten Freunden aufhieltest, und groß Ver­langen nach mir trügest. Sie sagten nur auch, wir würden zusammen nach der Schweiz auswandern, ich sollte mitnehmen, was wir werth sei. Ich hatte nicht viel mitzunehmen; denn was sonst unser Eigenthum gewesen war, gehörte ja nun Zachäe, und ich hatte nicht darü- ver zu verfüge«. Auch war mir die große und über- pichende Freude, Dich frei zu wissen, lieber als alles irdische Gut. Schnell setzte ich mich auf das Maul­

thier, welches die guten Männer für mich mitgebracht hatten, und vertraute mich ihrer Führung. So bin ich denn vor einer Stunde hier angekommen, und habe seitdem weinend an Deinem Lager gesessen und Deinen ruhigen Schlummer belauscht. So sage mir nun schnell, welcher göttlichen Fügung Du Deine Befreiung verdankst?"

Luc," stammelte der Pfarrer mit. niedergeschlagen neu Augen.

Luc? Was ist's mit ihm? Hat er Dich be­freit?"

Er ist statt meiner aus die Galeere," preßte der Greis heraus.

Luc auf die Galeere I" kreischte Madelaines Schrek- ken, Joer, als der Pfarrer stumm nickte, sich in trostlo­sen Schmerz austöste. Ihr Gatte mußte ihr erzählen was er gesehen und gehört, und nicht erklären konnte. Das weinende Mutterherz wandte sich mit stürmischen Fragen an die Männer, welche in der Höhle waren, was des Vaters Schamgefühl nicht vermocht hatte, und so brächte sie denn heraus, daß Luc einen großen Theil des Geldes, womit der Rittmeister d'Hauffet ausgelöst worden war, dazu verwendet hatte, den Kerkermeister zu bestechen, damit ihn dieser für seinen Vater in die Kette treten lasse. Theils vom Gelde gewonnen, theils von der Edelthat einer solchen Kindesliebe gerührt hatte der Kerkermeister in Lyon die Vertauschung be­günstigt. Ganz gekleidet, wie sein Vater, den, er ohne dies sehr ähnlich sah, durch Kunst einen Schein höher» Alters erheuchelnd, hatte er sich einige Tage vor der Deportation der Verurtheilten dem Kerkermeister ge­stellt und ihm die Hälfte der versprochenen Summe etn- geliefert. Hierauf war der Alte in ein besonderes Ge­fängniß allein gekommen, der Sohn aber hatte in der- düstern Ecke des großen Kerkers seinen Platz eingenom­men. Die Täuschung, der in ihrer Verzweiflung dumpf hinbrütenden Mitgefangenen in demselben Kerkergemach war glücklich gelungen. Luc hatte zwei seiner besten Freunde aus feiner Achaar, die um sein großmütig. Unternehmen wußten, den Abend nach seiner Abreise