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Hcrsfelder Anzeiger.

Np. 88. -ersfeld, den 4..November. .. 1951»

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Sei.ne Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Legationsrathe von GoeddaeuS den Kur­fürstlichen Wilhelms-Orden vierter Classe zu verleihen, den Generalmajor Petri, Commandeur des Artil­lerie-Regiments, zum wirklichen Generalmajor zu er­nennen,

und zu bestimmen, daß der Hauptmann und Divi­sions-Adjutant Wille a la suite des 1. Infanterie- Regiments, Kurfürst, geführt werde,

den Gymnasiallehrer Dr. Wilhelm Fürstenau zu Haffel an das Gymnasium in Hanau zu versetzen,

den Gymnasialpracticanten Julius Riedel zu Cas- sei zum Hülfslehrer an dem dasigen Gymnasium, sowie den Gymnasial-Practicanten Friedrich Krause zu Marburg zum Hülfslehrer an dem dortigen Gymnasium, Beide provisorisch zu bestellen.

Der wilde Zager.

(Fortsetzung.)

Den $u den Galeeren Verurtheilten war der Tag des Ausbruchs bestimmt worden. Der schreckliche Mor­gen brach an, Ketten rasselten in den Gefängnissen, Thüren fuhren krachend auf und zu, Stöhnen und Kla­gegeheul, vermischt mit den Lauten verzweifelter Freude. Aus allen Gefängnissen wurden die zur Kette Verdamm­ten in den großen Saal znsamniengetrieben. Auf dem Hofe langten die Schmiede an mit ihren Kohlenbecken, Amboßen, Hämmern und Zangen, ein Geistlicher erschien mit ieinem Sakristan, Soldaten niarschirten auf und besetzten den Hof stark; endlich traten die Aufseher der Galeerensklaven hinzu, um die neuen Opfer der Verbre­chen oder der Gerechtigkeit in Empfang zu nehmen, und die Richter, um sie ihnen zu übergeben. Das Ge­rassel einer ungeheuren Kette erregte die Aufmerksam­

keit; mehrere Gefängnißwärter und Gerichtsdiener schlepp­ten sie auf den Karren herbei. Es war die, woran die Verbrecher geschmiedet werden sollten.

Das Alles sah der alte Pfarrer Sellicr auS seinem engen chumpfen Gefängniß mit an, in welcher er seit einigen Tagen allein gebracht worden war, und dessen einziges stark vergittertes Fenster in den Hof hinab- führte.. Er hörte eine Thür nach der andern öffnen und zuschlagen und das Geräusch der Fesseln in den Gän­gen des Hauses verhallen. Endlich wurde es still. Seine Thür war nicht geöffnet worden; er schien ver­gessen zu sein. Seit langer Zeit kamen seine Sinnes­werkzeuge wieder einmal in angespannte Thätigkeit; die von grauen, buschigen Brauen düster überschatteten, in dumpfer Andacht fast erloschenen Augen glühten mit flackerndem Jugendfeuer in den Hof hinab, in welchen eben die Verurtheilten geführt wurden; sein Ohr er­lauschte dort das leiseste Wort, seine Hände hielten die Gitter des Fensters, das er geöffnet hatte, umspannt. Die Kandidaten der Galeere, von den Kerkermeistern und Wächtern umgeben, schloffen -einen Kreis um die im Hofe befindliche Steinsäule, an der auf den sie um­gebenden Bänken die Schmiede ihre Werkzeuge, die Richter ihre Protokolle ausgebreitet hatten. Der Ober­richter nahm ein großes schwarzes Buch zur Hand und begann jeden Einzelnen der Verurtheilten beim Namen zu rufen, und nachdem dieser hervorgetreten war, las er ihm sein Verbrechen und die Strafe noch einmal vor. Sowie dieses geschehen war, nahmen ihn die Aufseher­in Empfang, entkleideten ihn ganz, schoren ihm die Haare rein vom Kopfe und zogen ihm die rauhe Klei­dung des Galeerenselaven au. Dann wurden zwei und zwei den Schmieden übergeben, die ihnen die schweren Eisenspangen um Hals und Beine legten und mit grau­samer Gleichgültigkeit festnieteten.

Der alte Pfarrer war und blieb ein unfreiwilliger Zuschauer dieses schauderhaften Schauspiels. Seinem Auge entging nicht die kleinste dieser Handlungen, sei­nem Ohre nicht der mindeste Laut, und das Verzweif- lungsgeheul Einiger empörte seine Seele gleich stark,