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Hersfelder Anzeiger.

Nr. 86*

Hersfeld/ den 28. Oktober.

1857

felder Anzeiger" erscheint tuöchentlich^möimal, Mibtwot

Preis desselben

beiMr^Hz^Az: (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7^Jr: 6 ^pl^Äd ^^Pos^nstalten kommt der übliche ^Postaufschlag hinzu.. Anzeigen aller Art werd«! nufgeTmmen und die ZetWcAc m Raum mit 8 Heller, bei " ^Ä^edA:Hllll:?;eist mit 6 Heller-LerÄ)net,.7. .

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Revierförster Franz Grafs zu Wilhelmsthal zum Fostrevier Sand und

den ExpeditionsgehülfenJohann Georg Heinmül- l er auf dem Bahnhöfe zu Kassel zur Eisenbahn-Station Kirchhain in gleicher Eigenschaft zu versetzen.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben den Obersten ä la suite der Armee Landgra­fen Carl von Hessen-Philippsthal, Hochfürst­liche Durchlaucht, zum Generalmajor zu ernennen geruhet.

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Der Wilde Jäger.

(Fortsetzung.)

Einige Tage nach diesen: Ereigniß wurde das Pfarrhaus zu Vizille von scharfbewaffneten Dragonern umringt, eine Kutsche, die eben erst von Grenoble ge- kommen war, hielt vor der Thüre, und ein königlicher Gerichtscommissair saß darin. Der Rittmeister d'Haus- set verfügte sich mit zwei niedern Offizieren in das Haus. Nach einer Viertelstunde führten sie den Pfar­rer heraus, setzten sich mit ihm in den Wagen, und mit starker Begleitung gings im Trabe nach Grenoble zu. Dort warf man den alten Mann in ein unterirdisches feuchtes Gefängniß, und ließ ihn am Nöthigsten Man­gel leiden.

Nach einigen Wochen wurde der Eisenfactor Bil­lard mit seiner ganzen Familie vor das Obergericht zu Grenoble vorbeschieden. Michelle erwartete den Tag mit Zittern; seit jenem Abend, an welchem d'Hanssets Zudringlichkeiten sie verhindert hatten, ihren Geliebten zu sprechen, und die Dragoner des falschen Rittmeisters, die Luc hatten fangen sollen, todt auf dem Platze ge­blieben waren, hatte sich ihrer Seele die düstre Ahnung

bemächtiget, der berüchtigte und gefürchtete wilde Jäger möchte Niemand anders sein, als ihr geliebter Luc. In dieser Vermuthung war sie durch die Kunde von der Ge­fangennahme des alten Pfarrers bestärkt worden, die Einladung des Gerichts an ihren Vater und dessen ganze Familie, sich in Person zu stellen, schrieb sie der­selben Ursache zu, und da sich Luc nicht hatte sehen nichts von sich hören lassen, so quälte sie unaufhörlich der Gedanke, Luc sei doch in die Hände der Dragoner ge­fallen, sie werde nun aufgefordert, gegen ihn zu zeugen, und ! einem entehrenden Tod beiwohnen müssen. Von scheußlichen Bilden: verfolgt, hatte sich das arme, lie­bende Kind zum Skelett abgehärmt, und als der Tag des Gerichts kam, mußte sie ihr Vater in einem beson­dern Wagen fahren lassen. Die Reizbarkeit des krank­haften Zustandes hatte sich seit einigen Wochen so ge­steigert, daß ihr Antoine gar nicht vor Augen kommen durfte, wenn sie nicht von heftigen Krämpsen heimge­sucht werden sollte. Der^arme Junge war darüber trostlos; er liebte seine Schwester und hatte ihr Be­stes vor Augen gehabt; nun, da auch sein neuer vorneh­mer Freund sich nicht mehr blicken ließ, sah er freilich ein, wie sehr er getäuscht und hintergangen worden war.

Die Familie Billard wnrde in kein geringes Er­staunen versetzt, als sie vor den Schranken "des Gerichts die Ursache ihrer Vorladung erfuhr, und alle ihre Ver­muthungen als falsch verschwinden sah. Es handelte sich nämlich nur um die Vernehmung jedes einzelnen Gliedes der Familie über stattgefundenen und zur An­zeige gekommenen Versuch des Pfarrers Sellier, die unverheirathete Michelle Billard zur calvinischen Kirche zu bekehren. Das Mädchen erzählte weinend die Wahr­heit, nicht minder ihre Brüder; zuletzt stellte man ihnen den alten abgemagerten Pfarrer gegenüber. Da er nicht leugnete, was er gethan hatte, so war sein Proceß kurz. Nachdem die Akten geschlossen waren, wurde der Pfar­rer mit denselben nach Lyon gebracht, wo er in stren­gen: Gefängniß sein Urtheil erwartete. Es kam von Paris, von des Königs eigenhändiger Unterschrift be-