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Hers selber Anzeiger.

W* 85.

-erSfeld, den 24. October.

,857.

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. PreiS desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Kassel, am 21. October 1857.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst sind gestern mit Gefolge nach Frankfurt ä. M. abgereist.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Ober-Jnspector Steuerrath Erich Mühlhanse zu Carlshafeu in gleicher Eingenschaft zum Haupt-Steuer­amte in Rinteln und

den Repositar, Registrator Peter Ebert bei der Oberfinanzkammer in den Ruhestand zu versetzen,

dem Pfarrer Ednard^ W itt eki nd t zu Jmmichenhain die erledigte Pfarrei Seisertshausen, in der Klasse Ro- tenburg, zu übertragen,

den zu der erledigten Pfarrei Eichenberg, in der Klasse Witzenhausen, präsentsten Pfarrer extr. Adolph Hermann Westphal zu Kassel,

sowie die zur Priorin des Benediktincr-Nonnen-Kon- ventes ad. 8. Mariam zu Fulda erwählte seitherige Subpriorin Walpurgis Bott zu bestätigen;

zur Bestellung des katholischen Pfarrers Vitns Thill zu Michelsrombach zum Pfarrer in Hauswurz, Landka- pitels Neuhof, und

des Pfarrverwesers Johannes Emmerling zn Flo- renberg, Landkapitels Margrethenhaun, zum Pfarrer daselbst die landesherrliche Genehmigung zu ertheilen,

den bisherigen zweiten Repetenten an der Stipendia- ten-Anstalt zu Marburg, Kandidaten der Theologie Dr. O.-Hartwig zum ersten Repetenten und

den mit der Versehung der Stelle eines Mitgliedes der Direction der Landeskredit-Kasse beauftragten Geh. Regierungsrath Wangemann nunmehr zum wirklichen Mitglied der gedachten Direction zu bestellen,

den Rechtspractikanten Theodor Fuß in Homberg zum Actuar bei dem Justizamte in ,Carlshafen proviso­risch zu bestelle«.

Der wilde Jäger.

(Fortsetzung.)

Der Rittmeister sagte Michellen mit neuen ein­schmeichelnden, verbindlichen Redensarten, daß er durch ihren Bruder mit ihre« bösen Lebenserfahrungen bereits bekannt und dadurch so gerührt worden sei, daß er sie nicht anders als mit den Augen eines Freundes betrach­ten könne und sie dringend ersuche ihn so zu nehmen, wie er sich gebe. Es war unmöglich, dem freundlichen, einnehmenden Befragen des Rittmeisters, das durchaus nicht widrig _ würde, ein anderes entgegenzusetzen, nnd Antoine bestürmte seine Schwester, ohne Umstände zu entdecken, was ihr im Pfarrhause Betrübendes wider­fahren sei, das sie so verwandelt habe. Michelle er­klärte, daß sie hier im Wirrhshause nichts erzählen werde, worauf sich der Rittmeister entschloß, das Pär­chen zu begleiten. Mit zuvorkommender Artigkeit bot er dem liebenswürdigen Kinde seinen Arni, um sie beim Steigen über den Berg zu unterstützen, und nannte sie seine kleine, liebe Freundin, während er den entzückten Tntoine mit dem Namen seines Freundes beehrte. Nun half ihr kein längeres Widerstreben, sie mußte mit der L-prache heraus, und die beiden Zuhörer erfuhren zu ihrem Erstaunen, daß der Pfarrer Sellier sie zum cal- vimschen Glauben habe bekehren wollen, und daß er nur unter dieser Bedingung die Einwilligung zu ihrer Eheverbindung mit seinem Söhne geben, und diesen wieder zu Gnaden annehmen werde. Antoine brach in wilde Verivünschungen des Pfarrers aus, der Rittmei- ster lächelte fein dazu, sprach mißbilligend, aber doch Knend über die Sache, und vermochte das weinende Mädchen, ausführlich zu erzählen, wie sie der Prediqer behandelt und zu überreden gesucht, und wie sie endlich in Angst nnd Verzweiflung sich losgerissen habe.

Antoines Wuth, vom Geiste des Weins unterstützt, kannte keine Grenzen; der Rittmeister wußte sich dem bedrängten Mädchen dnrch sein besonnenes, sanftes We-