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Herssel-cr Anzeiger.

Nr. 8«.

Hersfeld/ den 7. October.

L8»r.

DerHersselber Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Kassel, am 3. Oktbr. 1857.

Seine Königliche Hoheit der Kurfürst' sind gestern mit Gefolge von Dresdm wieder zu Wil­helmshöhe eingetroffen.

Der wilde Aäger.

(Fortsetzung.)

Der Eisenfactor Billard, ein verständiger, vorur- theilsfreier Geschäftsmann, hatte bei Tisch noch einmal erzählt, was er über die Dragoner in der Stadt erfah­ren und ermähnte den Jäger mit schlichten, kräftigen Worten, nicht von seinem Glauben zu lassen.

Euer Wort, Herr Billard, vermehrt nur die Ach­tung, die ich Euch ohnedies zolle, und so wahr ich Ln- cas Sellier heiße, ich werde mir auch Eure Achtung zu erwerben suchen," erwiderte Jener.

Ihr seid mir als ein braver Mann bekannt," ent- gegnete der Eisensactor.Meine Söhne lieben Euch, und der Aelteste, der Förster in Allemont, ist Euch mehr allein Brüder zugethan. Aber sie sind alle so gesinnt, wie ich, und würden Euch weder mehr lieben noch schätzen, wenn Ihr dem frömmelnden König zu Gefallen zu unserer Kirche übertreten wolltet."

Ihr habt da einen Ton angeschlagen, den ich fort- zuspielen große Lust habe. Mir ist in Euerem Hause schon viel Liebes und Gutes begegnet. Euer ältester Sohn hat mich als Freund und Kamerad hereingeführt, Ihr, Eure brave Hausfrau und alle Eure Kinder haben mich gütig ausgenommen; ich bin in kurzer Zeit heimisch geworden. Was Wunder, wenn ich mich noch inniger mit Euch zu verbinden wünsche! Ihr müßt es längst wohl gemerkt haben, daß ich Eurer Michelle gewogen bin. Nun, sie ist mir auch nicht gram. Ihr kennt mich, ich bin nicht von vielem Wortmachen; sonst hätt' ich schon lange zu Euch gesprochen. Jetzt ist's aber ge­rade Zeit. Beim Obersorstamt in Grenoble habe ich

Anwartschaft aus die untere Forstbedienung zu Alleward. Sie nährt einen Mann mit Frau und Kind, und wirft, bei guter Wirthschaft, auch wohl noch etwas mehr ab. So gebt mir Euer Kind zur Hausfrau."

Willst Du ihn denn, Michelle?" fragte der Va­ter schelmisch.

Das Mädchen vermochte die Augen nicht vom Bo­den zu erheben, und das Roth, das die Wendung der Unterredung auf ihre Wangen gegossen hatte, wurde noch glühender. Aber sie faßte sich ein Herz und sagte mit lauter Stimme:Ei freilich."

Die Brüder lachten über die muthige Antwort.

Aber er ist ein Calvinist!" erinnerte der Vater.

Ich will mit seinem Glauben schon fertig werden."

Wenn Du es wagen willst; ich habe kein Beden­ken dabei, und geb' Euch mit Freuden meinen Segen, sobald Ihr mir die Einwilligung Eures Vaters bringt, Herr Sellier."

Und wenn ich sie nicht brächte, würdet ihr uns dann Euren Segen verweigern?'(

Das ist ein ernster Punkt. Ohne die Einwilli­gung Eures Vaters muß ich Euch meine Tochter ver­sagen. Das fordern meine Ehre und die Landesgesetze. Und ich bin unerbittlich streng in allen Dingen, die meine Ehre betreffen."

Nein, Herr Billard, Ihr werdet ein Paar Her­zen, die sich lieben, nicht um den Starrsinn eines cal- vinistischen Predigers von einander reißen wollen. Ich sag' Euch ehrlich, daß ich keine Hoffnung habe, jemals die Zustimmung meines Vaters zur Ehe mit Eurer Tochter zu erhalten. Aber was bedarf es dessen? ich bin selbstständig, und wende mich mit einer Bittschrift an den König, der dann Vaterstelle bei mir versieht."

Der Alte schüttelte bitter lächelnd den Kopf; sein Sinn schien so hart zu sein, wie das Metall, mit dem er stets umging.Euer Vater würde mich beschuldigen, und alle Calvinisten und viele Katholiken würden es ihm nachsprechen, ich habe Euch verführt und verleitet, von Eurem Vater losgerissen, Euch mein Kind aufge-