Hersfelder Anzeiger.
Nr. 78.
Hersfeld/ den 30. September.
1857.
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Kassel, am 27. Septbr. 1857.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst sind gestern mit Gefolge nach Dresden abgereist.
Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
den Premierlieutenant v Leng erke vom Schützen- Bataillon unter Führuüg ä la suite dieses Bataillons zur Dienstleistung beim Generalstgbe zu kommandiren, und
den Secondlieutenant Odenwald vom Schützen- Bataillon zum Premierlieuteuant in demselben zu erben bisherigen Oberhofmarschallamts - Kauzlliten Gustav Schirm er nunmehr provisorisch zum zweiten Hofküchschreiber zu ernennen.
Der wilde Jäger.
Vom Glänze der untergehenden Sonne umspielt, von der frischen Abendluft'unchaucht, die in den südlichen Schweizeralpen schnell auf ane schier unerträgliche Tageshitze folgt, von den jodlludeu Liedern der Sennen ümsummt, schritt ein junge: Jägersmann fröhlich die Bergeshöhen abwärts, welye in'die reizenden Thäler der Jsere, Graisivaudon gmannt, der Breda und der Drac, abfallen, und zwar it jener Gegend, wo die aus einer schauerlichen Thalklütung hervorgebrochene Ro- manche in die Drac mündet. Im Frieden des, Abends lagen unten schon die Dörfw und Flecken, während die Gletscherhäupter oben noch glüheten, und nur hie und da blitzte der Strom, wie en feuriges Auge, empor, wo ein Thal oder eine Bergspcktung der Sonne noch einen Blick hinabgestattete. Heinwäpts eilten Hirten und Heerden, der Wein- und Ackerbauer, der Alpenjäger
und der Bergmann, und stromabwärts nach dem nahen Grenoble zu zogen rasch stattliche Schiffe, denn es war Samstag Abend und Jeder wollte ausruhen von der Mühewaltung der Woche im Schooße seines Hauses. Ueber dem Thale schwebte der blaue Duft des Abends, aus dem die Spitzen der Kirchthürme hervorragten, und das freundliche Abendgeläut versendeten, wie Mütter, die wachsam an des Säuglings Lager sitzend, ihm ein Schlaflied singend.
Je rüstiger der Jäger schritt, desto tiefer versank die Schönheit des Thales unter ihm in Dämmerung und Nacht. Sein Weg ging dem schönen und großen Marktflecken Vizille zu, der am rechten Ufer der Ro- manche liegt, bevor diese in die Drac fällt, und hinter welchen: sich das enge und düstere Romanchetbal öffnet, welches über acht Stunden lang, wegen seines 'melancholischen Charakters berühmt ist. Diese reizende Berggegend gehört zur Dauphin«.
Am letzten Vorhügel, von wo aus der Ort unter ihm lag, rastete der Wanderer, auf seinen Stutzer ge- lehut, sein Auge suchte nnwillkührlich ein großes, weißes Haus, fast in der Mitte des Ortes, unweit Per. Kirche gelegen, und als er es einige Minuten nachdenkend darauf hatte ruhen lassen, überflog seine Stirn eine trübe Wolke. Rascher wollte er hinab, als plötzlich hinter einem Felsen hervor eine ihm gar wohlbekannte Stimme: „Luc! Luc, bist Du's?" hervorrief. Eine weibliche Gestalt, die dort gesessen, erhob sich; der Jäger war aber schon bei ihr und faßte die ältliche Frau mit den herzlichen Worten bei der Hand: „Was ist Euch, lieb Mütterlein? Es ist Euch dieser Tage doch nichts Böses begegnet? Ist der Vater wohl? Sagt mir, was hat das zu bedeuten, daß Ihr dem Anscheine nach, mich hier erwartet, und daß Ihr glich wahrlich nicht mit einem frohen Gesichte empfangt
„Ach, Luc", versetzte die Mutter, „die Angst hat mich heraufgetrieben, Dir entgegen. Ich muß Dich vorbereiten, lieber Junge, auf das, was der Vater mit Dir