Hers selber Anzeiger.
NV. 5G.
Hersfeld, den 23. September.
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Der alte «Kamera-.
(Fortsetzung.)
„Höre Kamerad", sagte der General und winkte Magdalenen, sich zu entfernen: „es gab eine Zeit, eine schöne Zeit, wo auch Du jung wärest! Erinnerst Du Dich noch jener Jahre, wo Dir der Himmel voll Geigen hing? Denke daran, wie Du Deine selige Frau schon damals liebtest, als wir Kameraden waren, wie Du im Felde mir oft von ihr erzähltest, wie schön und lieblich sie sei."
„Ja, ja", rief der Bürgermeister und seine Augen wurden milde und glänzend, „ja sie war schön und lieblich, wie ein Engel; ganz wie Magdalene, ganz so! Ach und ich — wie war ich damals anders 1 Wie hätte ich damals mit einer Welt gekämpft, um sie zu erlangen! Jetzt bin ich feige und mürrisch und sie ist todt und ich bin allein —"
„Und willst doch das Glück Deiner Tochter stören und Dir das letzte treue Herz entfremden?"
„Davon wolle» wir schweigen, sonst ereifere ich mich wieder. Was soll sie mit dem Candidaten? Hungerpfoten saugen? mir nichts, dir nichts? Schweige mir davon."
„Höre Freund! Deine Tochter gefällt mir, ich möchte sie nicht unglücklich wissen; ich gelte etwas beim Kurfürsten, und will für den Candidaten sorgen. Deine Einwilligung ist die Hauptsache und wir feiern noch heute Abend die Verlobung."
„Das geht nicht! oas geht so schnell nicht!" sagte zögernd der eigensinnige Alte.
„Warum gehts nicht? Weil Du halsstarrig bist und Dein Kind unglücklich machen willst! Aber wenn Du ein Mann bist, so mußt Du einwilligen, denn Du Hast Dein Wort gegeben, solchen Mann, wie den, der Den Brief geschrieben, als Freier Deiner Tochter nicht auszuschlagen."
„Wie kamst Du denn aber zu dem Briefe?"
„Er fiel ihr aus dem Kleide und Du warst so weinselig, daß Du nichts merktest. Aber nun sind wir einig, nicht wahr Alter?"
„Nun ich muß ja wohl! Aber Du wirst für ihn sorgen Derfflinger?"
„Jedenfalls! ich und der Kurfürst! verlaß Dich auf mich und heute will ich mit Deiner Tochter den Ehrentanz tanzen. Laß nur in aller Stille die Bekannten und auch den Candidaten (Letztern sehr dringend, sonst kommt er nicht) auffordern, heute Abend eine Tasse Thee bei Dir zu trinken. Du habest durchaus mit ihm zu sprechen. Unsere Regimentsmusik soll aufspielen und meine flotten Officiere sollen tanzen, daß es eine Lust ist! Deiner Tochter sage nur, sie möchte ein Abendbrod besorgen, da mehrere meiner Lieutenants Dich besuchen, dann ist sie beschäftigt und wird überrascht und erfreut."
Der Bürgermeister nickte lächelnd und versöhnt, und lief hinaus in die Küche, wo Magdalene am Feuer stand und weinte
„Lenchen", rief er sanft. Sie sah sich um. „Besorge ein gutes Abendbrod, der General bringt Gäste mit!" —
Dann schloß er die Thüre wieder.
„Er ist doch milder gestimmt", dachte Magdalene, „vielleicht — o Gott, vielleicht laßt er sich noch erweichen! Morgen werde ich mit dem General sprechen — der ist gut, der wird mir helfen!"
Der Sommerabend senkte sich herab, sanft, wundervoll. Die Sonne war untergegangen und ein dun. kelrother Streif säumte den Horizont; darüber ruhten düstere, oft wetterleuchtende Wolken. Der Saal im Hause des Bürgermeisters war voll von Gästen, wovon Magdalene nichts wußte. Sie war eben mit der Besorgung des Abendessens fertig geworden und eilte hinauf in ihr stilles Stübchen, um sich anzukleiden.
Sie ging an ihren Schränk und musterte die verschiedenen Kleider.
Mein Vater ist so gütig, sagte sie zu sich selbst,