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Hersfelder Anzeiger.

Nv. NL. Hersfeld/ den 19. September. 185?

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Der alte «Kamerad.

(Fortsetzung.)

Kennst Du mich noch Kamerad?" fragte nun laut lachend der General:Du hattest einst gute Augen und wenn die noch ihre Sehkraft behalten haben, so wirst Du schon wissen, wer ich bin."

Jetzt ward es dem Armen grün und gelb vor den Augen; er ward bleich, wie eine Leiche, und die dün­nen Beine zitterdeu wie Espenlaub.

Nun Freund," fuhr der General fort,r§as stehst Du denn da, wie ein armer Lmuder, der zum Galgen gehen soll? Sieh, der Mann, dem Du einst den Lum­penhund statt des Generals prophezeitest, steht vor Dir. Wer ist nun der Lumpenhund, Du oder ich?"

Dem armen Bürgermeister klingelte es in den Oh­ren, als höre er schon das Todtenglöcklein. Er stotterte mit zitternder Stimme die ungereimtesten Entschuldi­gungen und der General hätte sich todtlachen mögen über die erbarmungswürdige Gestalt. Aber mit einem Mal trat er auf den alten Kameraden zu, der zurück wich, umarmte ihn, daß der Erschreckte nicht anders glaubte, als sein letztes Stündlein sei gekommen und sagte:

Sei ruhig Alter, Du warst ein schlechter Prophet, aber ein guter Kamerad und das ist schon viel werth; willst Du mich bewirthen? ich habe Hunger."

Da ward es dem Bürgermeister warm umsHerz, er nahm sein gelb- und rothgeblümten Taschentuch mit bebenden Fingern aus der Tasche, führte es an seine dicke Schnupftabaksnase und schnob sie dermaßen, daß die Scheiben klirrten; dann wischte er sich mit dem Tuchzipfel die Augen und eilte mit Meilenschritten, um­flattert vom großblumigen Schlafrock, umhüpft vom ftersgedrehten Haarzops, zur Thüre hinaus, wo wir ihn verlassen wollen, um uns später bei Tische mit ihn und seinen Gästen wieder zu vereinigen.

Es war vier Uhr; die Tafel stand gedeckt, mit

Blumen geschmückt, während auf einem Nebentischchen langhalsige Flaschen mit altem Rheinwein durstiger Kehlen harrten. Gedankenvoll stand. Magdalene vor dem gedeckten Tische; das Herz klopfte ihr, als hätte sie Wichtiges zu erwarten, aber es war ja auch wichtig, daß ein General an ihrem Tische.

Ach", seufzte sie,wenn ich nur meinen Gustav bei mir haben könnte, bann wollte ich schon muthig sein und recht freundlich die Wirthin machen, denn in seiner Nähe fühle ich mich so sicher, so beschützt; aber er soll ja unser Haus nicht mehr betreten. So fahrt denn wohl, Freuden des Lebens! Für mich seid ihr aus ewig

Sie ging mit langsamen zögernden Schritten zur Thür des Gesellschaftszimmers, klopfte und trat ein.

Erstaunt, betroffen, beim Anblick so reiner sanfter Schönheit, erhob sich d'er General und erwiederte mit Ehrerbietung die Verbeugung der erröthenden Magda­lene. Auch ^der Adjutant hatte sich erhoben und ein Lächeln der Selbstbefriedigung glitt um den Mund des Bürgermeisters.

Das ist meine Tochter", sagte er stolz,Du kommst, uns wahrscheinlich zum Essen bitten, nicht wahr Lenchen?"

Ja, lieber Vater", sprach sie fast nnhörbar, wäh­rend Röthe unb Blässe auf ihren Wangen wechselte, was sie um so reizender erscheinen ließ;der Tisch ist servirt."

'Erlauben Sie, mein Fräulein, daß ich Sie ge­leite?" fragte artig der General und legte Magdalenens Arm in den seinigen.

Ihr Blick senkte sich vor seinem klaren Auge, das sie so forschend anschaute, als erkenne es einen Schmerz in ihren Zügen.

Magdalene legte vor und des Generals Augen folgten wohlwollend all ihren Bewegungen; er sprach viel und freundlich mit ihr, so daß sie ihn bald reizend anlächelte und so lieblich plauderte, ba^ des Bürger­meisters Gesicht in stolzer Freude strahlte.