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Hers sei der Anzeiger.

91t. M*

Hersfeld, den 16. September.

1857.

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Pr^s desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei iederh olungen mit 6 Heller berechnet.

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

dem Dr. med. Ferdinand Schweißer aus Rinteln die Praxis als Arzt und Geburtshelfer mit dem Wohnsitz zu Trcysa, den Candidaten derThierheilkunde Eduard Ph. Rothame l aus Ziegenhain und Heinrich Kaiser vom Hofe Entenfang bei Ziegenhain die Praxis als Thierärzte Ister Classe, ersterm mit dem Wohnsitz zu Hersfeld, letzterm mit dem Wohnsitz zu Neu« statt, zu gestalten.

Ausschreiben

des Ministeriums des Innern, vom 12. September 1857, die Vornahme der landständischen Wahlen betreffend.

In Gemäßheit des §. 60 der VerfassungS-Urknude vom 13. April 1852 ergeht hiermit die Aufforderung, die landständischen Wahlen zum nächsten ordentlichen Landtage vorzunehmen.

Kassel, am 12. September 1857.

Kurfürst!. Ministerium des Innern.

Scheffer.

vt. Beckmann.

Der alte Kamerad.

Schweden hatte im Frieden zu Oliva Preußens Souveränität anerkannt und die Regimenter zogen fröh­lich mit Sang und Klang durch Städte und Dörfer, jeder in seine Heimath; Dieser zur Gattin, Der zur Geliebten, Jener zu den alten Aeltern. Zwar wohl Mancher war gefallen und schlummerte den langen To­desschlaf; wohl manches Bräutchen blickte vergebens nach ihrem Getreuen den Zug der Soldaten auf und ab; denn der Krieg hat einen ernsten blassen Begleiter, der in den schreckhaftesten wildesten Verwandlungen vor das Menschenauge tritt; aber unsere Preußen waren immer tapfer, scheuten den grausigen Boten der Ewig­keit nicht, und wer da Muth und Treue, Biederkeit und

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religiösen Sinn vereinigt sehen will, der klopfe an ein echtes Preußenherz l

Das Städtchen S. war in ungeheurer Aufregung. Es war Einquartirung angekündigt und wie denn die Uniform überall im Ansehen steht, besonders aber beim weiblichen Geschlecht, so lachten und flüsterten auch hier", die Mädchen zusammen, wie reizend es sei, daß sie, uM> - »

andere Gesichter zu.sehen bekämen, Köpfe, die kühuKxr- abschauten von schlanken, stolzen, gerad daher schxEn- M Q den Gestalten —• ein greller Contrast zu den spi^ßbür- & t^f gerlichen Kleinstädtern. '

Die Schale gilt den meisten Menschen me&t der Kern, und hätte unter jenen blanken Röcken auch nicht immer ein redliches Kriegerherz geschlagen, auch dem kühnen Auge nicht immer eine schöne Seele ge- . leuchtet, doch wären sie willkommen gewesen, diese Krie­ger, denn sie waren flott und stolz, freundlich und ga­lant, ob auch manchmal ein derbes Wort die verwöhnte Städterin erröthen machen mochte.

Der Bürgermeister des Städtchens, saß im groß- blumigen Schlafrocke auf dem mit braunem Wollen- damast überzogenen Söpha und blies große Rauchwolken aus der langen Pfeife mit blauer Perlenschnur, deren wussten sich mit dein Kopfe des Herrn Bürgermeisters über etwas zu wundern schienen, denn sie wiegten sich, wie er, langsam von einer Seite zur andern. „Was das Mädchen nur denkt?" murmelte er. „Werde sie einem armen verhungerten Candidaten zur Frau geben, der vielleichtin zehn Jahren eine klägliche Predigerstelle bekcmmt und sie mir später wieder mit Kind und Ke­gel ins Haus bringt, mir nichts, dir nichts! — DaK Mädel ist rein toll, rein vernarrt! Was sie nur an dem albernen Milchsuppengesicht für einen Gefallen fin­det? Weint und kopfhängert in Einem fort und macht mir alten Manne, der doch gern feine Ruhe haben möchte, den Kopf ganz warm; aber es wird nicht daraus und damit Punctum!" Und er stieß dergestalt mit der Pfeife gegen den Boden, daß der subtile, äußerst zier­liche Porzellankopf , ein Andenken-seines seligen Bru­ders, in drei Stücke zersprang.