Hcrsfeldcr Anzeiger.
Nr. 64* Hersfeld, den 12. August. 1857>
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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:
dem vom Erblandpostmeister dem Herrn Fürsten von Thunr und Taiis zum Postverwalter in Oberaula in Vorschlag gebrachten Posigehülfen Wilhelm Lembach aus Fritzlar die allerhöchst- landesherrliche Bestäligung zu ertheilen.
Einige Ersatzmittel für die gewöhnlichen
Futterstoffe.
Die andauernde Dürre int Frühfahr und im Vorsommer hat einen höchst nachtheiligen Einfluß auf die Menge des eingeernteten Futters geäußert. Wir dürfen dreist annehmen, daß uns kann: eine zwei Dritthetl- ernte zu Theil wurde. Das Heu. ist zwar überall von ganz ausgezeichneter Güte; es hat sehr viel Nähr- kraft und man wird mit Wenigem weiter reichen, als sonst. Die Güte vermag aber die abgehende' Menge nicht zu ersetzen, zumalen da auch die Strohernte nicht einmal eine mittelmäßige werden wird. Giebt aber auch der zweite Kleeschnitt, giebt die Grummeternte mir wenig Masse, dann wird viel Vieh abgeschafft werden müssen und im nächsten Jahre wird der Ausfall an Dünger sehr fühlbar werden.
Der diesjährige Futtermangel wird übrigens auch sein Gutes haben. Sicher wird der Sinn für Verbesse- rung der Wiesen, namentlich für Ent- und Bewässerung derselben geweckt werden. Man wird ferner in vielen Wirthschaften sparen lernen, man wird die Futtervor- räthe sorgfältig ermitteln und eintheilen, wird das Heu in bestimmte Rationen binden, diese zu bestimmten Zeiten herausgeben und nicht mehr wie bisher an so vielen Orten Knechte nnd Mägde nach Belieben auf den Heuböden herumwirthschaften lassen. Man wird verständiger Weise manche Futterstoffe anwenden und benutzen lernen, die zwar früher —bei uns wenigstens — unbeach- u .blieben, die aber einen hohen Werth als Beifutter haben. Wir wollen auf einige derselben aufmerksam
machen. Es ist zwar nichts Neues, was wir hier an^ rathen; schon Andere haben es gethan. Das Gute und Nützliche muß aber zehnmal und hundertmal wiederholt werden, ehe es für's Leben nutzbringend gemacht wird.
Zunächst empfehlen wir auf's dringendste, die Queklen sorgfältig sammeln zu lassen und als Futter zu verwenden. Die Quecke ist eins der lästigsten Unkräuter, zugleich aber auch eins der nützlichsten. Ihr habt gewiß bereits gehört, daß man Quecken in Mehl verwandelte, daß man dieses Mehl mit Milch zu einem ebenso wohlschmeckenden, als nahrhaften Brei verkochte, daß man aus Queckenmehl, dem man nur ein Weniges von Getreidemehl zuzusetzen braucht, ein gedeihliches und gesundes Brod gebacken hat, daß man ferner Ouecken- mehl durch Gährung und Destillation zur Darstellung eines trefflichen Branntweins verwendet hat. Die Quecke ist reich an Zucker! Dies sind Thatsachen. Könnt ihr nun noch zweifeln, daß die Quecken ein gutes Futter für euer Vieh sind? So laßt doch die Ausrottung des Unkrauts mit dessen Verwerthung Hand in Hand geholt. Ihr kleinen Haushälter, die ihr bekümmert seid, wie ihr eitere Kuh den Winter durchbringen sollt, geht hinaus auf die Felder, sammelt die durch das Abeggen aus dem Boden heraufgebrachten Quecken, sammelt sie auf alle Weise, waschet sie dann in fließendem Wasser, trocknet sie (das Trocknen geht rascher, wie bei jeoem andern Flitter) und verfüttert sie im Winter zu Häcksel geschnitten. Ihr werdet euch wundern, wie die Kühe dieses Futter vor allein andern gern annehmen, wie sie darnach milchen werden. Die Quecke ist in unsern Böden eins der verbreitetsten Unkräuter. Ihr tönnt sie, wenn ihr fleißig seid, in manchen Gemarkungen wagen- weise sammeln. Aber auch die größer,: Landwirthe dürften weit rationeller Verfahren, wenn sie die Quecken zu Futter sammeln ließen, statt sie fuderweise zu verbrennen oder auf den Komposthaufen zu fahren, wo sie sich bei ihrer Lebenszäbigkeit in einen erst nach längerer Zeit brauchbaren Dünger verwandeln. Verfüttert sie! Durch die Verdauungskraft der Thiere wird die lebenszähe, nahrhafte Quecke vollständig ausgenutzt und kommt