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Hers seid er Anzeiger.

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Hersfeld, den 1. August.

1857*

DerHersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; Lei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

Der schwarze So6, die Geißle? u diel^ude» im vierzehnten Bahrhundert.

Von Dr. Müller in Nürnberg.

(Fortsetzung und Schluß.)

In Wirklichkeit waren diese Bußübungen Lei aller Verkehrtheit doch als Ausbrüche eines tief empfundenen Gefühls der rathlosen Herzmsangst erschütternd und Angesichts der entsetzlichen Scenen der erbarmungslos würgenden Pest von hinreißender Wirkung auf zahllose Gemüther. Bald durchzogen zahlreiche Schaaren alle Gegenden Deutschlands und ihre Gesänge und Geißel­schläge erschallten überall. Hatte ein Haufen die selbst auserlegte Buße an sich vollzogen, so übernahm es so­gleich ein anderer, das vermeintlich fromme Werk fort- zusetzen. Hierdurch geschah es, daß sich ein vollständi­ger Ritus und damit eine eigene Secte der Geißler ausbildete, ein Umstand, der später neben der weltlichen Macht auch die Kirche zum energischen Widerstände ge­gen das Umsichgreifen derselben veranlaßte.

Hatten die Geißelbrüder ihre Buße gethan und verließen die Stätte derselben, so zogen sie aus in Pro- cesston mit Kreuzen und Fahnen und Kerzen und ihre Vorsänger hoben folgenden Gesang an:

O Herr Vater Jesu Christ,

Wann Du allein ein Herre bist,

Du hast uns die Sünd Macht zu vergeben,

Nun gefrist uns hie unser Leben,

Daß wir beweinen Deinen Tod,

Wir klagen Dir Herr all unser Noth.

Ein anderer lautete so:

Es ging sich unser Fraue Kyrieleison.

Des Morgens in dem Thaue Halleluja.

Da begegnet ihr ein Jungen Kyrieleison.

Sein Bart war ihm entsprungen Hallelusa.

Gelobt seist Du Maria.

Jedoch neben dieser fanatischen Schwärmerei, die vmch Vergießen des eigenen Blutes und grausame Selst- pernigung sich und ihre Zeit hinlänglich kennzeichnet, erwachten in den aufgeregten Gemüthern noch andere,

viel verwerflichere Leidenschaften. Das ganze Mittel­alter hindurch können wir einen tiefen Haß gegen die Juden wahrnehmen, der sich oft den entsetzlichsten Verfolgungen der ohnedies immer Gedrückten Luft schaffte. Jene Ansicht, das deutsche Kaiserthum sei eine Fortsez- zung des römischen, verschaffte dem deutschen Kaiser die uneingeschränkte Herrschaft, fast das Eigenthumsrecht über die Juden. Der Schwabenspiegel gibt davon die Ursache an: Die Juden gab der König Titus zu eigen in des Königs Kammer, dafür sollen sie noch des Reichs Knechte sein und er soll sie auch schirmen. Und gemäß dieser Rechtsanschauung machte Kaiser Albrecht I. gegen König Philipp IV. von Frankreich jene Behaup­tung wirklich geltend und die französischen Rechtsgelehr­ten selbst sprachen für das Recht des Kaisers. Philipp schickte also alle seine Juden nach Deutschland, beraubte sie aber zuvor alles Vermögens und selbst der Kleider. Obwohl nun dem Kaiser allein die Juden anheimgege­ben waren, so ging, wie die meisten übrigen seiner Rechte und Einkünfte, auch dies nach und nach auf die Reichs- stände über und um so mehr maßten es diese sich an, als das hohe Schutzgeld, welches die Juden zu zahlen hatten, eine treffliche Quelle des Einkommens war. Nichtsdestoweniger, da doch das eigene Interesse min­destens Schonnng der Unglücklichen gebot, finden wir wiederholte blutige Verfolgungen derselben, einestheils von Fanatismus und Religionsschwärmerei, mehr noch durch Raublust und Habsucht hervorgerufen und die kaiserliche Majestät war nur zu bereit, die schrecklichen Niedermetzelungeu durch Sichnbriefe und für billige Buße zu verzeihen. Schon im I. 1096 um nur aus Baiern einzelne Beispiele anzuführen brach in Re­gensburg und in anderen baierischen Städten eine große Verfolgung aus und als im folgenden Jahre Kaiser Heinrich von Italien zurückkehrte und durch Regensburg zog, zwang er alle dort befindlichen Juden sich taufen zu lassen und erlaubte ihnen nur unter dieser Beding­ung die Ausübung ihrer eigentbümlichen Gebräuche. Von Ludwig dem Strengen von Baiern wurden sie im Jahr 1276 nach mehrfachen Bedrückungen endlich ganz aus den: Lande verwiesen und kurz daraus, im 1.1285,