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Hersfelder> AkzeIgcr.

Nr. 59, Hersfeld, den 25. Juli. L2LU.

Der „Hersfelder Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. — Preis desselben bei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzu. — Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

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Die Schlangenbeschwörer.

(Schluß.)

Ein Hottentott ward von einer Hornschlange (Vi- pera cornuta) in den Vorderarm gebissen. Die Zeichen der Vergiftung und ein schnelles Sinken der Kräfte ließen einen tödtlichen Ausgang kaum bezweifeln. Trotz den Verbänden, die man oberhalb und unterhalb der Wunde sogleich angelegt hatte, schwoll selbst der Arm bedeutend bis zur Achselhälfte; fast gleichzeitig erschie­nen grünlichgraue Flecken, welche bald in schiefergraue Streifen verschmolzen; die Sprache des Verwundeten wurde lallend und unverständlich; sein Athem beschwer­lich. Der Giftdoctor, ein alter Mozambiquer, der nur einige hundert Schritte von der Hütte entfernt wohnte, in welcher der dem Tode verfallene Hottentott lag, trat ein. Die Gefahr schien mit jeder Minute drohen­der zu werden. Der Hottentott, dessen gelbgraue Farbe sich in eine schmußigweise Tinte verändert hatte, lag regungslos mit geöffneten Augen, doch unbeweglicher Pupille; sein Athem wurde kürzer, beschwerlicher, ras­selnd; seine Haut ward kalt, kleberig/ Ein Einziger Blick schien den Giftdoctor hinlänglich über des Kran­ken Zustand belehrt zu haben. Er rieb sich mit der Hand unter seiner Achselhöhle und strich die mit seinem Schweiße befeuchteten Finger dem Kranken unter die Nase. Ein Zusammenfahren, ähnlich dem durch einen elektrischen Funken erzeugten, war die augenblickliche Wirkung, doch nur von der Dauer einer Secunde. Der Giftdoctor nahm nun seine rothe wollene Mütze von höchst unsauberm Aussehen und knetete ein Stück der- selben^in einigen pvffeln Wasser, bis dieses mit stinken­dem Schmutz hinlänglich.durchdrungen schien. Wieder führte er die frühere Anwendung des Schweißes aus, jedoch ohne die Hand wieder abzuziehen. Jenes Auf­schrecken wurde nun andauernder, gewann an Heftigkeit und glich bald leichten Convulsionen. Endlich raffte sich der Kranke gleichsam mit außerordentlicher An­strengung aus großer Schwäche empor, saß auf, blickte

wild und verstört umher und beniühte sich zu sprechen. Schnell reichte der Giftdoctor das schmutzege Wasser, welches der Kranke, dessen Kopf man zurückgebogen, um ihm die Mischung bequemer in die Kehle schütten zu können, auch, obwohl mit Beschwerde, schluckte. Da­rauf sank der Kranke wieder in seinen vorigen Stumpf­sinn; die Augen waren jedoch geschlossen; der fadenför- m ge Puls hob sich und die Haut gewann an Wärme. Na^z ungefähr 15 Minuten reichte der Mozambiquer einen zweiten Trank, welchen der Kranke mechanisch, wie im Schlafe schlürfte. Eine halbe Stunde später sprach der Kranke deutlich und bei vollkommener Besin­nung; schwitzte reichlich, fühlte sich sehr ermattet und klagte über 'Wüstheit des Kopfes und Uebelkeit. Alles dies verminderte sich ohne weitere Anwendung der Mütze, und am darauf folgenden Tage war der Hottentott ganz wohl. Die zwei Punkturen durch die Giftzähne waren geheilt und erschienen nur noch als zwei licht- graue Punkte.

In einem andern Falle wurde der Giftdoctor selbst verwundet, obgleich es scheint, daß selbst gereizte Schlan­gen abgeneigt sind, solche privilegirte Menschen zu bei­ßen. Einer dieser Giftdoctoren wollte eine Puffadder (Cerastes caudalis) fangen. Diese Schlangen werden als die giftigsten der Capschlangen angesehen, weil der Tod nach ihrem Bisse ungemein schnell erfolgt, und sind sie bei- Weitem mehr, als andere, gefürchtet, weil sie nicht, wie andere Schlangen, nach dem Bisse augenblick­lich entfliehen, sondern hartnäckig einbeißen und nur schwer von dem verwundeten Theile zu lösen sind, alles Gift daher stets in die Wunde einfließen kann. Die Cerastes schnellte sich rückwärts — die eigenthümliche Weise, in welcher solche Schlangen sich auf ihxe Opfer- werfen — aus einer Entfernung von mehr, als zehn Fuß auf diesen Menschen und hing festgebissen am Bal­len des Daumens. Mit Mühe zog er sie ab; der eine Giftzahn jedoch brach aus und blieb in der Wunde hängen; der andere verursachte einen Riß in die Haut, welchen ein zähes hellgrünliches Gift bedeckte. "Der Gebissene entfernte den Giftzahn, doch ließ er das Gift