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Hersfelder Anzeiger.

Nr. sr. Hersfeld, den 18. Juli» 1857.

DerHersseld'er Anzeiger" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben Lei der Expedition (Neumarkt Nro. 587) pro Quartal 7 Sgr. 6 Hllr.; bei den Postanstalten kommt der übliche Postaufschlag hinzü. Anzeigen aller Art werden ausgenommen und die Zeile oder der Raum mit 8 Heller, bei Wiederholungen mit 6 Heller berechnet.

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Seine Königliche Hoheit der Kurfürst haben allergnädigst geruhet:

den Forstaufseher Carl Ludwig Mergel! zu Hombreffen zum Neviersölster des Forstreviers Helsa provisorisch zu ernennen.

Marion.

(Schluß.)

III.

Vcnoite war kaum einige Minuten fort, und Adri- enne hatte ihre aufgeregten Gedanken kaum beschwich­tigt, als Marion, ihr Kammermädchen cmtrat. Marion war Adricunen's Milchschwester, eines jener Mädchen der Touraine, welche ihrer Schönheit wegen seit alter Zeit schon der Schrecken der' Pariser Damen sind. Marion war so reizend, daß Derjenige, welcher sie an- sah, auf den Gedanken kommen konnte, das Zimmer sei plötzlich heller geworden und ein unbekannter Zau­ber durchdringe die Atmosphäre. Das Mädchen war höher gewachsen, ihre Formen waren üppiger, ihr Ge­sicht und der Ausdruck ihrer Augen sanfter, als bei .Adrienne. Ihre weiße Haube konnte, so groß dieselbe war, kaum die Fülle ihr^s lockigen, braunen Haares fassen. Ein Spencer von grünem mit gelber Seide ausgeputztem Sammet umschloß ihren schwellenden Bu­sen und ein lichHrüner, seidener Rock, welcher nach der Mode der Tonrainerinnen vorn kürzer als hinten er­schien, ließ ihren in rothen Pantoffeln mit hohen Häck- chen steckenden, reizenden Fuß sehen.

Draußen ist ein Türke, welcher Sie au sehen wünscht, gnädiges Fräulein."

Adrienne erschrak, daß sie kaum Athem zu schöpfen vermochte.

Ein Türke? Ein vornehmer Türke? Um Gott, das kann doch nicht Gras de Lamph sein?"

Das wäre entsetzlich," lachte Marion.Dieser Türke hat schräggeschlitzte Augen, eine hohe Schaffell- n>ützc auf dem Kopfe und die größten Ohren, welche

ich jemals sah. Aber er ist der Diener des Herrn Gra­sen; wenigstens hielt er die Karte desselben in der Hand . . ."

Er ist also angekommen . . ." sagte Adrienne mit fliegenden Pulsen.Der Türke soll mich nicht sehen. Nimm ihm die Karte ab."

Marion ging und brächte die Karte des Verlobten mit der Bezeichnung:pour faire visite.

Weißt Du, wo der Graf abgestiegen ist?"

Rne Vivienne, 16, Beletage," sagte Marion;der Diener hielt die Adresse in der Hand, um sich wieder zurückfinden zu können."

Adrienne ging sehr unruhig im Zimmer auf und ab, indeß sie von Zeit zu Zeit Marion in's Auge faßte.

Sie ist zu hübsch," flüsterte sie,und ich habe Das früher kaum bemerkt. Aber sollte ich" sie stellte sich vor den großen Fußspiegelirgend Jemand zu fürchten haben? Sollte Marion den Vergleich mit mir aushalten?"

Adrienne mußte unwillkürlich lachen.

Was giebt's so Komisches?" fragte die Zofe.

Nichts weiter, als daß Du statt'meiner den Gra­fen empfangen sollst, Marion."

Sie werden also nicht zu Hause sein, wenn der Herr Graf verfährt?" fragte Marion erstaunt.

Ganz gewiß werde ich Das; er soll mich sogar sehen, aber als KantmerjUngfer, nicht als Gräfin."

Aber wo bleibt denn die Letztere?"

In meinem Boudoir. Verstehst Du mich noch nicht? Du wirst zur Veränderung einige Tage Gräfin Adrienne Du Breton sein und den Grafen als solche empfangen."

Marion warb sehr bestürzt.

«Aber was soll ich ihm denn sagen ... Ich wüßte nicht, was ich anfangen sollte . . . Lassen Sie den Scherz bei Seite."

Sag' was Dir einfällt. . ."

Aber er wird mich als seine Verlobte betrach­ten . . . Noch mehr, er wird mir eine Liebeserklärung machen . . ."